• Kleingärten: Potsdam braucht 900 Parzellen mehr

Neues Kleingarten-Konzept vorgestellt : Potsdam braucht 900 Parzellen mehr

Wegen des steten Bevölkerungswachstums werden in Potsdam bald mehr Kleingärten benötigt. Auch deshalb sollen die bereits bestehenden Parzellen im Eigentum der Stadt erhalten bleiben.

Erstmals seit über 20 Jahren sollen laut dem Konzept auch neue Kleingärten entstehen.
Erstmals seit über 20 Jahren sollen laut dem Konzept auch neue Kleingärten entstehen.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Stadt Potsdam braucht mehr Kleingärten: Bis 2030 werde der Bedarf angesichts des Bevölkerungswachstums um 900 Parzellen steigen, heißt es im „Stadtentwicklungskonzept Kleingärten“, das die Stadtverwaltung am Mittwoch vorstellte. Das neue Konzept stellt eine Fortschreibung des Kleingarten-Entwicklungskonzeptes von 2007 dar und soll in der Stadtverordnetenversammlung am 7. November verabschiedet werden.
Die Zahl von 900 Parzellen ergibt sich aus dem Bundes-Kleingarten-Gesetz, laut dem pro Einwohner zehn Quadratmeter Kleingartenfläche vorhanden sein sollten. In Potsdam liegt dieser Wert derzeit bei 10,8 Quadratmetern, werde in den kommenden Jahren aber durch den Zuzug sinken, so Erik Wolfram, Leiter des Bereichs Stadtentwicklung. 1996 betrug der Wert noch 19,7 Quadratmeter.

Die Hälfte aller Kleingärten soll besonders geschützt werden

Um den künftigen Bedarf zu decken, will Potsdam nicht nur langfristig neue Kleingärten schaffen, sondern vor allem bestehende Anlagen schützen: Das neue Kleingarten-Konzept sieht vor, dass in Zukunft keine Kleingarten-Grundstücke mehr verkauft oder umgenutzt werden sollen, die sich in städtischem Eigentum befinden, das gilt für über 50 Prozent der Kleingarten-Grundstücke. Ausnahmen davon solle es nur in begründeten Einzelfällen geben, etwa für „übergeordnete kommunale Erfordernisse“, also für soziale Infrastruktur wie Schul- und Kitabauten. Diese Ausnahmen müssen allerdings von der Stadtverordnetenversammlung gesondert beschlossen werden. „Derzeit gibt es keine Pläne für Schul- oder Kitabauten auf Kleingartengrundstücken“, sagte Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos).
Zudem möchte die Stadt die Möglichkeiten der Bauleitplanung nutzen, um bestehende, aber gefährdete Anlagen zu sichern. Sprich: Die Verwaltung kann Bebauungspläne beschließen, laut denen auf Grundstücken dauerhaft Kleingärten bleiben sollen. Dies soll laut Rubelt auch bei der Anlage am Angergrund passieren, wo derzeit 24 Kleingärtner um ihre Parzellen bangen: Wie berichtet hatte die Berliner Immobilienfirma Tamax das Grundstück 2014 gekauft und plant hier den Bau von bis zu 500 Wohnungen. Einem Ultimatum zur Räumung kamen die Kleingärtner nicht nach, neun von ihnen wurden benachrichtigt, dass ihre Parzellen am fünften November durch einen Gerichtsvollzieher geräumt werden sollen. „Wir als Stadt wollen versuchen, zwischen dem Eigentümer und den Kleingärtnern zu vermitteln“, kündigte Rubelt an.

Im Stadt-Haushalt ist ein Kleingarten-Fonds vorgesehen

Kleingarten-Grundstücke, die von Räumung bedroht sind, seien in Potsdam aber in der Minderheit, betonte Wolfram: „98 Prozent der Anlagen unterliegen keinem Risiko, es gibt in Potsdam nur fünf Sparten, bei denen Teilflächen von Umwandlung bedroht sind.“ Dies ergab eine Analyse der Stadtverwaltung, die 2017 durchgeführt worden war.
Erstmals seit über 20 Jahren sollen laut dem Konzept auch neue Kleingärten entstehen: Flächen dafür gibt es theoretisch genug, nur müssten sie laut Wolfram auch „aktiviert“ werden, also entweder von der Stadt oder den Kleingarten-Verbänden und -Vereinen gekauft oder von den Eigentümern selbst als Kleingärten entwickelt werden. Erstmals wurde im Doppelhaushalt 2018/19 auch ein Kleingartenfonds mit 80 000 Euro aufgelegt, um neue Flächen zu kaufen.
Insgesamt gebe es laut Wolfram in Potsdam durch Ersatz- und Erweiterungsflächen ein Potential von 1220 bis 2160 Parzellen, die neu geschaffen werden könnten. Dazu zählt etwa ein Grundstück am Marquardter Damm, das seit langem für Kleingärten vorgesehen ist und Platz für 120 bis 200 Parzellen bieten würde. Gespräche mit der Berliner Firma Laupi, die hier Kleingärten entwickeln will, laufen bereits, im Idealfall könnte schon 2019 mit dem Bau begonnen werden. 

Auch in Bornstedt und Bornim sind neue Parzellen denkbar

Weitere Potentiale für 150 bis 260 neue Parzellen gebe es auf vier Grundstücken zwischen Bornstedter Feld und Bornim, so Wolfram: Hier möchte die Stadt durch das „Aktivierungsmodell ¼“ Eigentümer locken, aus den Ersatzflächen, die sich in ihrem Besitz befinden, zumindest teilweise Kleingärten zu machen. Dazu sollen drei Viertel der Grundstücke für den Bau von Wohnungen, Kitas, Schulen, Sportflächen oder Gewerbe freigegeben werden, dafür soll dann ein Viertel zu Kleingärten werden.

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