• Neues Bad "blu" am Brauhausberg: Warum das Bad so teuer wird

Neues Bad "blu" am Brauhausberg : Warum das Bad so teuer wird

Das neue Bad "blu" am Brauhausberg wird teurer als ursprünglich geplant. Nun stimmte Stadtwerke-Interims-Chef Müller-Zinsius die Stadtpolitik darauf ein, dass Potsdams Bäder künftig mehr Zuschüsse brauchen.

Das neue Bad am Brauhausberg wird "blu" heißen. Es kostet deutlich mehr und wird später fertig als ursprünglich geplant.Alle Bilder anzeigen
Foto: A. Klaer
13.10.2016 22:20Das neue Bad am Brauhausberg wird "blu" heißen. Es kostet deutlich mehr und wird später fertig als ursprünglich geplant.

Potsdam - Eigentlich hatten die Stadtverordneten beschlossen, dass die Stadtverwaltung nach dem Start des neuen Sport- und Freizeitbades „blu“ am Brauhausberg maximal 3,5 Millionen Euro pro Jahr als Zuschuss für Potsdams Bäder ausgeben darf. Doch diese Summe könne in den nächsten Jahren vorerst durchaus höher ausfallen, sagte Interims-Stadtwerke-Chef Horst Müller-Zinsius am Mittwochabend vor den Stadtverordneten im Hauptausschuss. Unter anderem sei das von den Betriebskosten des neuen Bades und den noch nicht kalkulierbaren Besucherzahlen abhängig. Erst nach zwei Jahren würden sich die tatsächlichen Betriebskosten zeigen, so Müller-Zinsius. Die 3,5 Millionen seien ein Durchschnittswert, gerechnet über 30 Jahre.

Wie berichtet wird das Bad, das die Stadtwerke errichten, 3,5 Millionen Euro teurer und ein halbes Jahr später fertig als geplant. Wann genau es im kommenden Mai eröffnen wird, konnte Müller-Zinsius noch nicht sagen. Das werde in Abstimmung mit den Trainings- und Wettkampfzeiten der noch auf das alte Bad am Brauhausberg angewiesenen Sportler entschieden – die dann in das neue Bad ziehen müssen. Zugleich lieferte Müller-Zinsius im Ausschuss bemerkenswerte Details dazu, warum die Badkosten unter der Ägide der früheren Stadtwerke-Spitze auf inzwischen 39,7 Millionen Euro gestiegen sind, wie vor knapp einem Monat bekannt geworden ist. Ursprünglich war man 2013 sogar nur von 31,8 Millionen Euro ausgegangen – also rund acht Millionen Euro weniger.

Die Gründe für die höheren Kosten beim "blu"

Höhere Kosten und auch die Verzögerungen seien aus vielerlei Gründen entstanden, so Müller-Zinsius. So habe es Missverständnisse mit dem Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner (GMP) gegeben, für die der Bau eines Bades ohnehin das erste Projekt dieser Art gewesen sei. Mehrkosten von 1,6 Millionen Euro seien etwa zustande gekommen, weil GMP davon ausgegangen sei, dass die Stadtwerke als Betreiber die Umkleideräume ausstatten – doch dies sei eben nicht der Fall gewesen. Ebenso sei die Munitionssuche auf dem Bad-Gelände am Brauhausberg noch nicht vollständig beendet gewesen – obwohl dort schon vor rund zehn Jahren nach Bomben gesucht wurde, als das später gescheiterte Bad des Stararchitekten Niemeyer zur Debatte stand. Das habe weitere 1,2 Millionen verursacht, rechnete Müller-Zinsius vor.

Weitere Zusatzkosten seien entstanden, weil das geplante Becken für Sportwettkämpfe zunächst ohne besondere Anforderungen ausgeschrieben war. Dann habe sich aber gezeigt, dass für den Wettkampfbetrieb absolut genaue Abmessungen der Bahnlänge nötig seien. Dadurch habe sich eine weitere Kostensteigerung von 1,8 Millionen Euro ergeben. Ebenso hätten sich Nachträge summiert, etwa für teurere Türen.

Restpuffer von 600.000 Euro eingeplant

Zudem hatten die Stadtwerke beschlossen, vorfristig einen Teil des ursprünglich für einen zweiten Bauabschnitt geplanten Sauna-Areals zu errichten – um damit perspektivisch mehr Geld verdienen zu können. Noch in den 39,7 Millionen Euro Kosten enthalten sei ein Restpuffer von 600 000 Euro, für weitere Unwägbarkeiten. Die Verzögerung sei auch durch längere Planungsphasen im Vorfeld entstanden, wodurch sich der Bau an sich schon um Monate verzögert habe.

All das könnte den besagten jährlichen Bad-Zuschuss der Stadt von 3,5 Millionen schon per se um knapp 150 000 Euro heben, so Müller-Zinsius. Doch durch die derzeit niedrigen Zinsen für Kredite könnten diese Mehrkosten vermieden werden. Ebenso könnten Teile der 3,5 Milllionen Euro Zusatzkosten durch höhere Erlöse aus den Grundstücksverkäufen am restlichen Brauhausberg abgefedert werden, erklärte Müller-Zinsius. Die Betriebskosten und Besucherzahlen sind in dieser Rechnung aber noch nicht enthalten. 

 

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