• In Potsdam-Drewitz gibt es jetzt ein kostenloses Stadtteilfrühstück

Neues Angebot der Awo : Kostenloses Stadtteilfrühstück in Drewitz

Das neue Angebot im Begegnungszentrum Oskar wird gut angenommen - so gut, dass es auch auf andere Kieze ausgeweitet werden soll. Am Mittwoch besuchte Grünen-Chefin Annalena Baerbock das Projekt.

Unter Drewitzern. Die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock (r.), war am Mittwoch zu Besuch.
Unter Drewitzern. Die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock (r.), war am Mittwoch zu Besuch.Foto: Andreas Klaer/PNN

Potsdam - Einfach mal rauskommen, Nachbarn treffen, Zeitung lesen – und das alles bei einem kostenlosen Kaffee, Brötchen oder Müsli. Das Stadtteilfrühstück im Drewitzer Begegnungszentrum Oskar soll Menschen aus dem Kiez anlocken, sie zusammenbringen und ganz nebenbei ein Anlaufpunkt für Hilfesuchende sein. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) vor rund zwei Monaten. Es ist eine Art Probelauf für weitere Angebote dieser Art, und schon jetzt zeigt sich, dass der Bedarf groß ist. 50 bis 80 Menschen kommen laut Oskar-Leiter Tim Spotowitz in einer Woche zum Drewitzer Stadtteilfrühstück.

Angeboten wird es jeden Mittwoch und Freitag von 8 bis 11 Uhr in den Räumen des Oskar, das wiederum in einem Haus mit der Stadtteilschule Drewitz ist. „Gesundes Frühstück. Der Tag startet hier“, steht auf einem Aufsteller vor dem Haupteingang in der Oskar-Meßter-Straße. Mittwochs seien es meist zwischen 15 und 20 Menschen, so Spotowitz. Richtig voll werde es am Freitag, wenn die Eltern der Vorschulkinder dazukämen, die im gleichen Haus ihre Kinder abgegeben haben.

Beraten wird hier auch - ganz nebenbei

Doch nicht nur Eltern, auch ältere Menschen nutzten das Angebot, so Spotowitz. „Darüber freuen wir uns besonders, denn an diese Altersgruppe kommen wir in der Regel schwer ran.“ Viele säßen den ganzen Tag alleine in ihren Wohnungen – hier könnten sie auf unkomplizierte Art und Weise Anschluss finden. Einige hätten auch Angst davor, zum „Amt“ zu gehen, obwohl sie eigentlich Unterstützung bräuchten. Beim Stadtteilfrühstück können sie nebenbei mit einer Beraterin der Awo ins Gespräch kommen – die zum Beispiel erklärt, was es mit einer bestimmten Jobcenter-Bewilligung auf sich hat oder wie man staatliche Hilfen bekommt. „Die Schwelle ist hier sehr niedrig, auch weil eben nicht der Stempel Tafel oder Armut draufsteht“, sagt Spotowitz.

Das hob auch Annalena Baerbock hervor, Bundesvorsitzende der Grünen und Potsdamer Bundestagsabgeordnete. Sie war am Mittwoch zu Gast im Oskar, um sich über das neue Stadtteilfrühstück zu informieren. „Das Gute ist, dass dieser Ort nicht gebrandmarkt ist, sondern hier Leben drin ist“, sagte sie. Ohnehin sprach sie sich für niedrigschwellige Angebote aus, etwa für generell kostenloses Frühstück an allen Grundschulen. 

An der Stadtteilschule Drewitz gibt es ein solches kostenfreies Frühstück, aber zum Beispiel im Potsdamer Norden sei dies noch die Ausnahme – auch wenn es dort ebenfalls Familien gebe, die Unterstützungsbedarf hätten. Weil es aber nicht so viele wie im Süden seien, fehle dort die Sensibilität, so Baerbock. „Dort kriegt dann ein Kind zum Beispiel eine Sechs in Sport, wenn es ein Jahr lang nicht schafft, seine Turnklamotten mitzubringen.“

Tatsächlich liegt ein Großteil der Schulen, an denen es derzeit kostenloses Frühstück gibt, in den Potsdamer Plattenbaugebieten im Süden. Die Stadt hatte das Frühstücksprogramm 2017 übernommen und seitdem immer weiter ausgebaut. Zuvor hatte dies jahrelang die Awo mit ihrer Spirellibande organisiert.

Bei der Awo trauert man um die Spirellibande

 Dass die Stadt hier die Verantwortung übernommen habe, wurde damals begrüßt. Bei der Awo ist man allerdings enttäuscht, dass die Verwaltung dies im Alleingang durchgezogen hat – ohne die lange Erfahrung der Arbeiterwohlfahrt zu nutzen. Jetzt seien nur noch die Caterer vor Ort, die das Essen ausgeben, aber nicht mehr wie bislang die Awo-Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, so Franziska Löffler, einst Spirellibanden-Koordinatorin und jetzt Leiterin des Büros Kindermut, das auch das Stadtteilfrühstück organisiert. „Es ist keiner mehr da, der sich die Sorgen der Kinder anhört.“ 

"Für die Kinder ist ein bekanntes Gesicht wichtig"

Einzige Ausnahme bildet die Stadtteilschule Drewitz. Hier hat das Oskar eine pädagogische Begleitung angeschoben. Eine Frau mit pädagogischem Hintergrund, die der Schule schon lange verbunden ist, sei jeden Morgen dabei. „Für die Kinder ist es enorm wichtig, dass es hier ein bekanntes Gesicht gibt.“

Beim Stadtteilfrühstück ist unter anderen Margitta Hornburg das bekannte Gesicht. Die Ehrenamtliche sorgt nicht nur dafür, dass die Thermoskanne mit Kaffee und die Käseplatte immer voll sind, sondern hat auch ein offenes Ohr für die Besucher. „Die Leute mögen die lockere Atmosphäre“, sagt sie.

Schon im Februar soll das nächste Stadtteilfrühstück starten

Dass so viele das Angebot nutzen, überrascht die Organisatoren. Umso mehr fühlen sie sich bestärkt, auch in anderen Kiezen ein Stadtteilfrühstück anzubieten. Wohl im Februar soll das „Waldstadt-Frühstück“ starten, so Löffler.

Geplant ist, dafür Räume in der Awo-Kita Abenteuerland zu nutzen – die um die Uhrzeit nicht genutzt würden. Am Schlaatz will sie das Frühstücksangebot ebenfalls etablieren, hier wiederum im Sozialkaufhaus „Schatztruhe“, das die Awo dort betreibt.