• Neuer Plenarsaal, neues Bürohaus: Potsdamer Rathaus will investieren

Neuer Plenarsaal, neues Bürohaus : Potsdamer Rathaus will investieren

Der Campus Hegelallee muss saniert werden, am alten Tramdepot sollen 450 Arbeitsplätze entstehen. Die Millioneninvestition soll Millionen sparen helfen.

Das Stadthaus in der Friedrich-Ebert-Straße.
Das Stadthaus in der Friedrich-Ebert-Straße.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Um die Zukunftsfähigkeit der aus allen Nähten platzenden Potsdamer Stadtverwaltung zu sichern, wird bis 2028 ein neues Haus an der Heinrich-Mann-Allee gebaut. Zugleich soll der arg sanierungsbedürftige Standort in der Hegelallee bis 2030 erneuert und unter anderem um den Neubau eines Plenarsaals ergänzt werden. 

Das sind die Empfehlungen aus einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die Oberbürgermeister Mike Schubert und Hauptamtschef Dieter Jetschmanegg (beide SPD) am Dienstag der Presse vorgestellt haben. Angesichts der anstehenden Pensionierungswelle müsse man dafür sorgen, dass neues Personal gern in der Verwaltung arbeiten wolle, sagte Schubert. Zudem erhoffe er sich Spareffekte, weil aktuell Millionensummen in die Anmietung externer Flächen gesteckt werden müssten. Die PNN geben einen Überblick, was wo geplant ist.

Was ist am neuen Standort Heinrich-Mann-Allee geplant?

Laut der Untersuchung empfiehlt sich hier ein Neubau auf dem Gelände des früheren Tramdepots; er soll Platz für rund 450 Arbeitsplätze bieten. Das Areal gehört der kommunalen Bauholding Pro Potsdam. Da das Behördengebäude relativ schlank ausfalle, könnten Flächenkonflikte mit dem dort von der Pro Potsdam geplanten Wohnungsbau sowie der vorgesehenen Schul- und Kita-Planung vermieden werden, heißt es in der Untersuchung. Zunächst hatte die Stadtspitze ein deutlich größeres Gebäude erwogen, um den jetzigen Campus an der Hegelallee eventuell komplett aufgeben zu können. Diese Option ist inzwischen vom Tisch. 

Quartier an der Heinrich-Mann-Allee am ehemaligen Tramdepot.
Quartier an der Heinrich-Mann-Allee am ehemaligen Tramdepot.Foto: Ottmar Winter

Die nun gefundene Lösung habe für die Bürger den Vorteil, dass die Verwaltung auch im dichter besiedelten Potsdamer Süden mit einem gut erreichbaren Standort vertreten wäre, heißt es in der Auswertung. Das Unternehmen Drees & Sommer, eine international tätige Beratungsfirma für den Bau- und Immobiliensektor, hatte die Untersuchung durchgeführt. Die Gutachter haben zudem berechnet, was der Neubau am Tramdepot kosten würde: rund 71 Millionen Euro. Die Stadt würde allerdings nicht unbedingt Bauherr sein, hieß es am Rande des Pressetermins – so könne auch die Pro Potsdam im Auftrag der Stadt tätig werden. Das Rathaus würde dann 25 Jahre lang knapp 2,9 Millionen Euro Miete per anno zahlen und so die Investition refinanzieren.

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Bis Ende des Jahres soll das genaue Finanzierungsmodell feststehen, aber auch geklärt werden, wie der Neubau möglichst umweltgerecht errichtet werden kann. Ferner wird laut der Analyse bei der Planung eine Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam angestrebt, um möglichst moderne Büros und Bürgerfreundlichkeit zu sichern. 

Was passiert mit dem Campus Hegelallee?

Dieser wird sein „Gesicht komplett verändern“, wie es Schubert ausdrückte – auch hier müssten die Bedingungen für bis zu 1500 Arbeitnehmer deutlich verbessert werden. Dafür geht das Rathaus derzeit von Kosten in Höhe von rund 84 Millionen aus, Details sollen nach einem städtebaulichen Wettbewerb – voraussichtlich Anfang 2023 – feststehen.

Weitgehend fest steht bereits, dass ein aus DDR-Zeiten stammenden Achtgeschosser, das sogenannte Haus 1, saniert wird. Dieses war lange der Sitz der Bauverwaltung. Die Arbeiten daran sollen „nach modernsten ökologischen und funktionalen Standards“ erfolgen, heißt es in der Analyse.

Soll saniert werden: Haus 1 auf dem Verwaltungscampus.
Soll saniert werden: Haus 1 auf dem Verwaltungscampus.Foto: Ottmar Winter

Abgerissen wird hingegen voraussichtlich das Haus 2, der bisherige Sitz der Sozialbehörden. Das schafft Platz, etwa für die geplante Erweiterung des benachbarten Justizzentrums des Landes. Aber auch die Stadt will bauen. So ist zum Beispiel für die geplante neue Gesamtschule im nahe gelegenen Oberstufenzentrum an der Jägerallee sowie weitere Schulstandorte in der Nähe eine Vierfeld-Sporthalle vorgesehen.

Daneben soll ein weiteres Bürogebäude entstehen – und ferner ein Neubau für einen Plenarsaal der Stadtverordneten, die derzeit coronabedingt in der MBS-Arena tagen. Ihr alter Plenarsaal im Rathaus hatte sich aus Denkmalschutzgründen als nur bedingt modernisierbar erwiesen. Details ließen Schubert und Jetschmanegg hierzu offen und verwiesen auf den geplanten Wettbewerb. Ein weiteres Parkhaus sei aber nicht geplant, sagte Jetschmanegg. Auch mit Blick auf den vom Rathaus formulierten Anspruch einer umweltgerechten Mobilität könnten zusätzliche Parkplätze „heute nicht mehr die Antwort sein“. 

Denkmalgeschützt: der alte Plenarsaal im Stadthaus.
Denkmalgeschützt: der alte Plenarsaal im Stadthaus.Foto: Ottmar Winter

Wer soll das bezahlen?

Darauf gibt es noch keine abschließenden Antworten – zumal die Einnahmen der Stadt im Zuge der Corona-Pandemie eingebrochen sind, diese sich eigentlich im Sparmodus befindet und auch die Zuschüsse vom Land noch weiter sinken könnten. Rathauschef Schubert sagte, die Arbeitsbedingungen vieler Verwaltungsangestellten seien schon seit Jahren schlecht. Das Rathaus müsse allerdings ein guter Arbeitgeber sein: „Es geht nicht, weiter zu warten.“ Sonst werde auch die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung beeinträchtigt, zumal Hunderte Kollegen in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen würden und die Verwaltung im Wettbewerb um Fachkräfte ordentliche Arbeitsbedingungen bieten wolle. 

Zugleich könnten die Pläne perspektivisch Kosten sparen. So bezahlt die Verwaltung derzeit für die Anmietung der nötigen Flächen – sei es in der Behlertstraße für das Jugendamt oder in der Edisonallee für den für die Bauverwaltung geplanten Standort – rund fünf Millionen Euro pro Jahr. Tendenz: auf bis zu zehn Millionen Euro steigend, sagte Schubert: „Wir müssen hier gegensteuern.“

In der Studie heißt es, es werde einer großen Anstrengung bedürfen, die insgesamt dreistellige Millioneninvestition zu schultern – hier sei auch die Genehmigung der Kommunalaufsicht einzuholen. Auch die Stadtverordneten müssen noch ihr Einverständnis geben, am kommenden Mittwoch sollen die Pläne zunächst dem Hauptausschuss präsentiert werden. 

In dem Großprojekt ist zudem der Umzug des Stadtarchivs erhalten, das von der Hegelallee an die Schiffsbauversuchsanstalt nach Marquardt verlegt werden soll. Dort will das Rathaus ein Depot für die Sammlung des Potsdam Museums bauen, das nun um die Akten der Verwaltung ergänzt werden soll. Wichtig sei dabei ein moderner Hol- und Bringdienst, meinte Jetschmanegg. Möglich sei dies aber, zumal die Verwaltung ohnehin auf digitale Akten umstellen wolle.

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