• Neue Skulpturen im Park Sanssouci: Der Herzog und das Mädchen

Neue Skulpturen im Park Sanssouci : Der Herzog und das Mädchen

Wieso Friedrich II. einen Italiener vor Schloss Sanssouci in Potsdam platzierte – und wie der nach mehr als 70 Jahren wieder zurück an seinen Standort kam.

Die Skulptur des Herzogs von Bracciano ist nach rund 70 Jahren an seinen Standort zurückgekehrt.Alle Bilder anzeigen
Foto: Andreas Klaer
11.05.2016 23:00Die Skulptur des Herzogs von Bracciano ist nach rund 70 Jahren an seinen Standort zurückgekehrt.

Potsdam - Park Sanssouci ist um zwei Skulpturen reicher – eine davon an denkbar prominenter Stelle: Die in rotem Porphyr gearbeitete Büste eines selbstbewussten Herrn mit gewellter Haarpracht und gezwirbeltem Bart begrüßt die Besucher seit dem gestrigen Mittwoch auf dem Weg zu Potsdams berühmtestem Schloss. Dort steht sie mittig vor der Fontäne im Parterre von Sanssouci. Es handelt sich um die Büste des Herzogs von Bracciano bei Rom, der sich im Europa des 17. Jahrhunderts einen Ruf als Kunstförderer machte. Das Bildwerk kehrt nach mehr als 70 Jahren an seinen einstigen Standort zurück.

Der zweite Neuzugang steht vergleichsweise versteckt im Grün an einer Steingruppe mit Miniwasserfall unweit des Teichs im Marlygarten: Das „Wasserholende Mädchen“ nach Ludwig Wichmann trägt den Krug lässig in der Linken, das Kleid mit effektvollem Faltenwurf ist ihr scheinbar wie zufällig über die Schulter geglitten und gibt den Blick auf die Brust frei. Rund 16 000 Euro hat die Schlösserstiftung in den Nachguss der seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenen Bronzeskulptur investiert, wie Kustodin Saskia Hüneke erläuterte.

Der Nachguss des "Wasserholenden Mädchens" kostete 16000 Euro

Der Italiener-Kopf wechselte dagegen „nur“ den Platz: Er war zuletzt im Kabinett der Bildergalerie zu sehen und lagerte seit 1996 im Depot der Stiftung. Preußenkönig Friedrich II. hat die Büste im Jahr 1742 gekauft – kurz bevor der Bau von Sanssouci begann. Die Skulptur könnte schon 1749/50 im damals neuen Park in der Mittelachse des Sanssouci-Parterres aufgestellt worden sein, vermutet Hüneke. Den ersten sicheren Hinweis darauf gebe es in der Stadtbeschreibung von Friedrich Nicolai aus dem Jahr 1769.

Dass der Italiener einen so prominenten Platz in Sanssouci bekam, erklärt Hüneke mit Friedrichs Selbstverständnis als hervorragender Kunstkenner – gewissermaßen in der Tradition des Herzogs. Der 1591 geborene Paolo Giordano II. Orsini, Herzog von Bracciano, entstammte einer alten Adelsfamilie, seine Großmutter kam aus dem Hause der Medici. In seinen Jugendjahren lernte er im Kunstmekka Florenz, bereiste aber auch andere europäische Metropolen wie Prag, Paris und Madrid und wurde zum bedeutenden Kenner der Künste und Musik, der auch Verbindungen zu Monteverdi oder Galilei pflegte. Das passte zum Selbstverständnis Friedrichs II., wie Hüneke erklärt.

Friedrich II. sah sich in der Tradition des italienischen Herzogs

Nach dem Sieg Napoleons gegen die Preußen kam die Büste für einige Jahre nach Paris ins Museum Napoleon, später aber wieder zurück nach Sanssouci. Seit den 1950er-Jahren war sie in der Bildergalerie.

Für die Neuaufstellung mussten in den Werkstätten der Stiftung Säulenteile aus Carrara-Marmor neu gefertigt werden, der Kopf an sich sei aber „wunderbar erhalten“ gewesen. Das hat mit dem Material zu tun: Dem außerordentlich harten und auch seltenen Porphyr, das laut Hüneke seinerzeit nur in geringen Mengen in Ägypten abgebaut worden ist, das als besonders nobel galt und dessen Bearbeitung spezielle Fähigkeiten erforderte. Die Skulptur stammt wohl aus der Werkstatt von Gian Lorenzo Bernini, ein Vorbild in Marmor gebe es im Schloss der Familie in Bracciano.

Spender für weitere Skulptur gesucht

Das „Wasserholende Mädchen“ wurde dagegen in der Kunstgießerei Lauchhammer nachgegossen. Dort sei das von Ludwig Wichmann geschaffene Modell aus dem Jahr 1842 noch erhalten gewesen, sagte Hüneke. Mit dem Neuguss kommt der Marlygarten seinem ursprünglichen Aussehen wieder näher: Den als paradiesische Landschaft von Peter Joseph Lenné entworfenen Garten an der Friedenskirche zieren vor allem Kinderdarstellungen. Am kleinen Teich unweit des Mädchens soll irgendwann auch wieder der „Angelnde Knabe“ zu sehen sein. Um die 10 000 Euro würde der Nachguss der Skulptur kosten, sagte Saskia Hüneke: „Wir suchen dafür Spender.“

Lesen Sie mehr über das Garten-Veranstaltungsprogramm "Preussisch Grün" der Schlösserstiftung hier >>>.

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