• Wirtschaft und Wissenschaft unterstützten Digitalzentrum in Potsdam

Neue Rückendeckung für RAW-Pläne in Potsdam : „Potsdam sollte diese Chance nutzen“

Potsdams Wirtschaft und Wissenschaft fordern eine konstruktive Lösung im Streit um das geplante Digitalzentrum auf dem RAW-Gelände. Das Projekt dürfe nicht gefährdet werden.

So soll das neue Innovationszentrum in Potsdam einmal aussehen – hier der Blick von der Friedrich-Engels-Straße.
So soll das neue Innovationszentrum in Potsdam einmal aussehen – hier der Blick von der Friedrich-Engels-Straße.Grafik: J. Mayer H. und Partner

Potsdam - Vertreter aus Potsdams Wirtschaft und Wissenschaft machen sich für das geplante Digitalzentrum auf dem früheren RAW-Gelände am Potsdamer Hauptbahnhof stark. Das Projekt dürfe nicht grundsätzlich gefährdet werden, so der Tenor. Für die Kritik an der architektonischen Umsetzung und den Dimensionen des Projekts müsse rasch eine konstruktive Lösung gefunden werden.

Auf dem Gelände sollen 1000 Arbeitsplätze entstehen

Wie berichtet beabsichtigt die RAW Potsdam GmbH auf dem früheren Gelände des Reichsbahnausbesserungswerks bis Ende 2021 Unternehmen und Gründer aus der Digitalbranche anzusiedeln. Rund 100 Millionen Euro sollen investiert und 1000 Arbeitsplätze auf dem seit Jahrzehnten brachliegenden Areal geschaffen werden. Der bisherige Entwurf sah vor, die denkmalgeschützte Backsteinhalle mit dem Glasdach fast vollständig zu erhalten und durch zwei Neubauten zu ergänzen. Doch aus Teilen der Stadtpolitik hatte es Kritik vor allem an der Höhe des geplanten Neubaus gegeben. Wie berichtet war das im Gestaltungsrat, der die Stadt in Architekturfragen berät, zuletzt kritisiert worden – das Gremium empfiehlt nun einen Architektenwettbewerb.

Potsdams Uni-Präsident Oliver Günther.
Potsdams Uni-Präsident Oliver Günther.Foto: Andreas Klaer

Beim Präsidenten der Potsdamer Universität stoßen die RAW-Pläne auf grundsätzliche Zustimmung. „So eine Ansiedlung wäre gut für Potsdam und das Land Brandenburg“, sagte Oliver Günther den PNN. Es wäre bedauerlich, wenn das Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben oder gar gänzlich infrage gestellt würde. Er wünsche sich eine konstruktive Lösung, so Günther. Es fehle derzeit an Alternativen zur Ansiedlung von innovativen Unternehmen – auch für Ausgründungen aus der Universität.

Jörn Hartwig ist Geschäftsführer und Mitbegründer der D-LABS GmbH in Potsdam.
Jörn Hartwig ist Geschäftsführer und Mitbegründer der D-LABS GmbH in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Jörn Hartwig, Chef der Potsdamer IT-Firma D-Labs und des Branchennetzwerks Silicon Sanssouci, hält den Standort wegen seiner verkehrsgünstigen Lage für ideal. Die Branche entwickle sich dynamisch. „Potsdam sollte diese Chance nutzen“, sagte er den PNN. Dennoch sei es nicht verkehrt, dass die Stadt bei der Gestaltung mitreden will, schließlich bringe ein Neubau nichts, wenn anschließend alle damit unzufrieden sind. „Man hat aber auch nichts davon, wenn der Investor abspringt.“ Die Stadt müsse gemeinsam mit dem Investor einen Kompromiss suchen.

Auch die IHK unterstützt das Vorhaben

Auch die Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg verfolgt die Diskussion aufmerksam. Zur Architektur will man sich auf Nachfrage aber nicht äußern. „Dies liegt allein in kommunaler Entscheidung“, so Sprecher Steffen Kammradt. Allerdings verweist er auf die Chance, die das Projekt für Potsdam und Brandenburg bietet. „Die Entwicklung des RAW-Geländes zu einem digitalen Wirtschaftszentrum mitten in Potsdam kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.“

Zuvor hatte bereits die Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK) für das Vorhaben geworben. Gerade hochwertige Büroflächen seien knapp. Das RAW-Gelände biete sich wegen seiner „zentralen Lage, seiner herausragenden Architektur und baukulturellen Qualität“ an. Um dem Mangel an Flächen für Unternehmensgründungen zu beheben, soll im zweiten Quartal 2019 in Golm mit dem Bau des Gründerzentrums Go:In 2 begonnen werden. Im Gegensatz zum ersten Gründerzentrum Go:In, das vom Land gefördert wurde, zahlt die Stadt den Nachfolger diesmal komplett aus eigener Tasche.