• Neue Kulisse für Studio Babelsberg: Vier Straßenzüge für Hollywood

Neue Kulisse für Studio Babelsberg : Vier Straßenzüge für Hollywood

"Neue Berliner Straße": Studio Babelsberg feiert den Baustart für die neue Außenkulisse. Tom Tykwer soll sie im Frühjahr mit dem Dreh zu der neuen Serie "Babylon Berlin" einweihen.

Auf 15 000 Quadratmetern Fläche (grün eingefärbt) soll auf dem Gelände des früheren Karl-Marx-Werks die Außenkulisse „Neue Berliner Straße“ entstehen.
Auf 15 000 Quadratmetern Fläche (grün eingefärbt) soll auf dem Gelände des früheren Karl-Marx-Werks die Außenkulisse „Neue...Foto: Studio Babelsberg

Babelsberg - Sie soll Paris doubeln können, London oder eben Berlin – die Außenkulisse „Neue Berliner Straße“. Am gestrigen Dienstag haben auf dem Gelände der Babelsberger Filmstudios die Bauarbeiten für zwölf Millionen Euro teure Projekt begonnen, das möglichst viele große Hollywood-Produktionen nach Potsdam locken soll.

Die rund 100 Meter lange Anlage soll vier Straßenzüge in unterschiedlichen Architekturstilen umfassen und Kino-, Fernseh- und Werbefilmproduktionen beste Bedingungen bieten. Die aus zwölf bis 16 Meter hohen Modulen mit variablen Fassaden bestehende Kulisse sei „einmalig in Europa“ und werde den Filmemachern „ganz neue kreative Möglichkeiten für die Herstellung ihrer Projekte eröffnen“, sagte Studio-Babelsberg-Vorstandschef Carl Woebcken. Bereits im Frühjahr soll die neue Außenkulisse auf dem Gelände der sogenannten Medienstadt II, auf dem sich zu DDR-Zeiten ein Teil des Karl-Marx-Werks befand, fertig werden.

Altes Berlin der Weimarer Republik

Der Grundstein für das Projekt wurde – im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) – bereits im August 2014 gelegt. Dass es bis zum eigentlichen Baustart noch so lange gedauert hat, liegt nicht zuletzt daran, dass die Studios warten wollten, bis es für das aufwendige Projekt auch einen ersten Nutzer gibt. Der ist nun gefunden: Für die erste TV-Serie von Tom Tykwer, „Babylon Berlin“, soll die Kulisse gleich ihrem Namen gerecht werden und das Berlin der Weimarer Republik auferstehen lassen. Die Dreharbeiten sind auf mehrere Monate veranschlagt. Die Serie, die vom Medienboard Berlin-Brandenburg mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird, basiert auf den Bestseller-Krimis von Volker Kutscher. Darin ermittelt Kommissar Gereon Rath im Berliner Milieu der 20er-Jahre zwischen Drogen, Politik, Kunst, Emanzipation und Extremismus. „Babylon Berlin“ ist ein Projekt von ARD, Sky Deutschland, Beta Film und der Firma X-Filme des Potsdamer Produzentenehepaars Manuela Stehr und Stefan Arndt.

Und Hollywood klopft offenbar auch schon an: Man sei in „konkreten Gesprächen“ über zwei weitere Projekte, die die neue Kulisse nutzen wollen, sagte Studiosprecher Eike Wolf gestern den PNN. Bei beiden handele es sich um internationale Produktionen, für die im kommenden Jahr die erste Klappe fallen soll.

Studio Babelsberg wird gestärkt

Mit dem Bau der neuen Kulisse werde der ohnehin bereits gut aufgestellte Babelsberger Medienstandort im „internationalen Konkurrenzkampf nachhaltig gestärkt“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Michael Düwel, Chef des Art Departments von Studio Babelsberg, strich die Wandlungsfähigkeit des Außensets heraus: Mithilfe digitaler Tricktechnik könne die echte Kulisse digital erweitert oder verändert werden und jede beliebige Stadt doubeln.

Das 15 000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem die „Neue Berliner Straße“ entsteht, hatten die Studios bereits vor zwei Jahren erworben. Die neue Kulisse werde dreimal so groß sein wie das alte Außenset, das sich auf dem Areal des Filmparks auf der anderen Seite der Großbeerenstraße befunden hatte. Diese erste „Berliner Straße“ war im Sommer 1998 für Leander Haußmanns DDR-Komödie „Sonnenallee“ gebaut worden. Danach hatten unter anderem Hollywoodgrößen wie Roman Polanski und Quentin Tarantino die Kulisse genutzt – insgesamt sind dort nach Studioangaben Außenaufnahmen für mehr als 200 Filme gedreht worden. Ende 2013 wurde das Außenset abgerissen. Auf dem Areal, das Studio Babelsberg vom Filmpark Babelsberg gepachtet hatte, soll ein Wohnquartier mit Geschäften und Büros entstehen. 

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