Potsdam : Neuaufbau der Villa „Louis Hagen“

Investor Dirk Onnen ist neuer Eigentümer der bedeutsamen Bauhaus-Villa in der Bertinistraße

Guido Berg

Nauener Vorstadt - Für die architekturhistorisch bedeutsame, aber gegenwärtig baufällige Villa „Louis Hagen“ in der Bertinistraße 23 gibt es Sanierungspläne. Die Planungen sind abgeschlossen, die Baugenehmigung liegt vor, erklärte gestern Rossje Rave vom Architektur-Büro Rave Architekten Berlin. Nach PNN-Informationen hat der Oldenburger Investor Dirk Onnen das Gebäude am Ufer des Jungfernsees erworben. Onnen hat sich in Potsdam durch die Sanierung des Werner-Alfred-Bades und der Zichorienmühle am Kulturstandort Schiffbauergasse einen Namen gemacht. Derzeit plant Onnen gemeinsam mit dem Potsdamer Architekten Moritz Kock die städtebauliche Entwicklung des Areals am Obelisken zwischen Hegelallee und Schopenhauerstraße (PNN berichteten).

Roosje Rave zufolge sei die Bausubstanz der Villa „Louis Hagen“ „nicht mehr zu retten, so dass das Ganze abgerissen und wieder originalgetreu aufgebaut“ werden müsse. Nur ein paar alte Fundamente blieben stehen. Rave Architekten sind in Potsdam nicht unbekannt – das Büro plante den Umbau des Persius-Speichers in der Zeppelinstraße zum Art“otel.

Verkäufer der Villa nördlich des Neuen Gartens ist Roosje Rave zufolge Peter Block, der Sohn des Architekten Otto Block, der zusammen mit dem Architekten H.Ebert das Gebäude 1927/28 im Bauhaus-Stil veränderte und ihm sein noch heute anzumerkendes avantgardistisches Aussehen verlieh. Das Haus gilt als eines der wenigen Zeugnisse des „Neuen Bauens“ in Potsdam. Block habe das Haus vor Jahren von den Erben des einstigen Besitzers Louis Hagen erworben. Der Bankier Louis Hagen ist der Sohn von Karl Hagen, der seine Villa am Ufer vom Templiner See hatte. Die Bertinistraße wurde seinerzeit auch „Bankiersstraße“ genannt, weil dort mit Otto von Mendelssohn-Bartholdy, Louis Hagen und Herbert Gutmann gleich drei Bankiers wohnten.

Das Grundstück Bertinistraße 23 hat eine wechselvolle Baugeschichte. Zwischen 1897 und 1911 stand dort ein Sommerhaus im Stil eines norwegischen Blockhauses des Architekten Schytte Berg, wie dem noch im Internet recherchierbaren Verkaufsprospekt zu entnehmen ist. Zwischen 1921 und 1927 erfolgten Umbauten zum „Märchenschloss“. Mit der Gestaltung durch die Architekten Ebert & Block verschwanden bis auf ein paar Rundbogenfenster „alle Reminiszenzen der historischen Architektur“, heißt es in dem Prospekt. Die nun erfolgenden Umbauten geschahen im Sinne der modernen Lebensweise des jüdischen Bankiers Louis Hagen, der in den 30er Jahren mit seiner Familie dem Naziterror entkommen konnte. Die ehemalige Blockbauweise wurde durch eine glatte Holzverschalung ersetzt. Es gibt Dachterrassen, eine Turnhalle mit flachem Dach aus Glasbausteinen und aufschiebbaren Fensterwinden, eine Brausenische mit 20 Seitenbrausen, ein Bootsschuppen für das elektrische Boot, mit dem sich Louis Hagen seinerzeit zum S-Bahnhof Griebnitzsee hat übersetzen lassen, um nach Berlin zu fahren. Das Haus genügte mit Speisezimmer, Salon, Herrenzimmer und Bibliothek den Repräsentationspflichten des Bankiers.

Filmgeschichte machte die Villa ab 1923, als in deren Gartenhaus-Garage der erste abendfüllende Animationsfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ produziert wurde. Zu DDR-Zeiten war in der Villa ein Rechenzentrum untergebracht.