• Neonazi Guse legt Mandat nieder Waldstadt: Protest gegen Rechtsextreme geplant

Potsdam : Neonazi Guse legt Mandat nieder Waldstadt: Protest gegen Rechtsextreme geplant

Der Rechtsextremist Marcel Guse hat sein Mandat als Potsdamer Stadtverordneter niedergelegt. Das bestätigte Rathaussprecher Jan Brunzlow den PNN auf Anfrage. Der 31-Jährige habe den Verzicht damit begründet, dass er nicht mehr in Potsdam wohne, hieß es. Nach PNN-Informationen soll er eine Adresse in Beelitz als neuen Wohnsitz angeben – zuvor war es eine Adresse in der Potsdamer Waldstadt.

Guse saß seit Mitte 2009 im Stadtparlament und war Nachfolger des damals mit einem Auto tödlich verunglückten DVU-Politikers Günther Schwemmer. Nach der Landtagswahl 2009 wechselte Guse zur NPD. Seine parlamentarische Arbeit in Potsdam blieb bis zuletzt dürftig: Bei vielen Sitzungen der Stadtverordneten fehlte der gelernte Koch. Für einen Eklat sorgte er beispielsweise, als er im April vor einem Jahr offen für „nationalen Sozialismus“ warb. Offenbar radikalisierte sich Guse über die Jahre. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht für Brandenburg heißt es über ihn, „deutlicher, klarer und eindeutiger“ könne sich „ein NPD-Funktionär nicht mehr zur Ideologie der NSDAP bekennen“. In diesem Mai musste Guse die NPD „wegen unüberbrückbarer politischer Differenzen“ verlassen – damals hieß es, selbst für Parteifreunde habe er seine rechtsextreme Weltanschauung zu radikal propagiert.

Wer Guses Nachfolger wird, ist unklar. Die DVU hatte bei den Kommunalwahlen 2008 acht Kandidaten. Die restlichen sechs potenziellen Nachrücker würden nun nacheinander angeschrieben, so Stadtsprecher Brunzlow. Mindestens eine Absage gebe es schon. Sollten alle Nachrücker auf ihren Sitz in der Stadtverordnetenversammlung verzichten, „so bleibt dieser frei“, erklärte Brunzlow.

Unterdessen plant das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ nach PNN-Informationen einen Aufruf an die Potsdamer zu einem „Spaziergang“ durch die Waldstadt, um ein Zeichen gegen die rechtsextreme Szene in dem Stadtteil zu setzen. Die Aktion soll am Samstag, den 3. Dezember, ab 11 Uhr stattfinden. Zuletzt waren am Jahrestag der Reichspogromnacht bis zu 50 Rechtsextreme bei einem Fackelzug durch die Waldstadt marschiert. Beobachter warnen seit Monaten, in dem Stadtteil würde sich Neonazi- Strukturen verfestigen. Als einer ihrer Köpfe war Guse vermutet worden. HK

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