• Nahverkehr in Potsdam: Gewerkschaft kritisiert Vergabe an private Unternehmen

Nahverkehr in Potsdam : Gewerkschaft kritisiert Vergabe an private Unternehmen

Potsdams Verkehrsbetrieb hat ein Viertel der Buslinien an private Unternehmen vergeben. Bei der Gewerkschaft Verdi kommt das nicht gut an - mitten in der laufenden Tarifauseinandersetzung.

Auf der privat betriebenen Buslinie 692 fuhren trotz Warnstreik Busse.
Auf der privat betriebenen Buslinie 692 fuhren trotz Warnstreik Busse.Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Die Vergabe von rund einem Viertel der Fahrplankilometer im Busnetz durch den Potsdamer Verkehrsbetrieb an mehrere private Unternehmen stößt bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf Kritik. "Wenn das größere Ausmaße annimmt, müssen wir uns Sorgen machen", sagte Jens Gröger, der Verdi-Verhandlungsführer Brandenburg im laufenden Tarifstreit, den PNN. 

[Ein Kommentar: Ungleichbehandlung - Aus Sicht der Gewerkschaft ist die Vergabe von Buslinien an private Unternehmen problematisch. Doch auch darüber hinaus wirft sie ein paar Fragen auf.]

Laut Gröger gebe es gleich mehrere Probleme: Zwar seien private Anbieter durch das Vergabegesetz des Landes gezwungen, den Busfahrern wenigstens das gleiche Einstiegsgehalt zu zahlen, wie öffentliche Anbieter. Doch bei Gehaltssteigerungen und Zuschlägen würden sie oft schlechter abschneiden. Viele Fahrer seien dann gezwungen, den schlechteren Verdienst durch Mehrarbeit auszugleichen. 

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Die Vergabe an private Unternehmen zeige auch, dass beim Verkehrsbetrieb Personal fehlt, um alle Buslinien selbst zu befahren. Das Problem dürfte sich durch den hohen Altersschnitt der Beschäftigten in den nächsten Jahren verschärfen, wenn viele Fahrer in Rente gehen. Ersatz bekomme man nur, wenn die Gehälter entsprechend angehoben werden, so Gröger. 

Private Anbieter fuhren trotz Warnstreik

Auch im laufenden Tarifstreit stören private Subunternehmer. In den privaten Firmen sei die Gewerkschaft weniger gut organisiert, so Gröger. Das hatte sich auch beim jüngsten Warnstreik gezeigt: Während beim Verkehrsbetrieb selbst die Busflotte praktisch im Depot blieb, fuhren einige der privaten Anbieter weiter.

In der laufenden Tarifrunde für den Nahverkehr gehen sich beide Seiten wie berichtet hart an. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi legte mit Warnstreiks schon zwei Mal auch den Potsdamer Nahverkehr weitgehend lahm, die Arbeitgeberseite will über die Forderungen nach bundesweiter Angleichung von Zuschlägen nicht verhandeln und wirft der Gewerkschaft wegen der Warnstreiks Wortbruch vor.

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