• Nachbarschaftsprojekt am Schlaatz: Wie Kochen den Kiez zusammenhalten soll

Nachbarschaftsprojekt am Schlaatz : Wie Kochen den Kiez zusammenhalten soll

Am Schlaatz kann ab sofort eine mobile Nachbarschaftsküche ausgeliehen werden. Die preisgekrönte Idee dafür stammt aus Leipzig.

An der mobilen Nachbarschaftsküche im Schlaatz sollen Menschen zusammenkommen.
An der mobilen Nachbarschaftsküche im Schlaatz sollen Menschen zusammenkommen.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Zusammenkommen, sich austauschen und dabei gemeinsam etwas leckeres kochen und essen: Am Bürgerhaus am Schlaatz ist am Montag die neue mobile Nachbarschaftsküche eingeweiht worden. Mit dem ausleihbaren Wagen möchte das Bürgerhaus gemeinsam mit der Pro Potsdam und dem „Erlenhof 32“ nachbarschaftliche Begegnungen beim Picknick draußen an der frischen Luft ermöglichen und ein weiteres Angebot in Zeiten von Corona ermöglichen.

Nachbarschaft entsteht durch Kultur - aber auch gemeinsames Essen

Die Idee zur mobilen Küche sei bereits vor rund einem Jahr entstanden, wie Tim Spotowitz, Leiter des Bürgerhauses am Schlaatz, erzählt. Dabei handelt es sich ursprünglich um das Projekt „Hinterhof-Dinner“ aus Leipzig, das der unter anderem aus Künstlern und Stadtforschern bestehende Verein „kollektivplusx“ ins Leben gerufen hat. Das Projekt erhielt im vergangenen Jahr den Sonderpreis beim Social Design Award von Spiegel Online, Spiegel Wissen und Bauhaus Deutschland zum Thema „Wie wollen wir wohnen“. Wilfried Schreiber, Leiter der „Quartiers-Selbsthilfe- und Kreativ-Werkstatt (QSKW) im Projekthaus Erlenhof 32, Nathalie Wachotsch, Quartierskoordinatorin bei der Pro Potsdam, und Tim Spotowitz fanden die Idee so toll, dass sie beschlossen, für den Schlaatz auch eine mobile Küche zu organisieren.

Nachbarschaft entstehe durch Kultur, durch Nähe aber eben auch durch gemeinsames Kochen und Essen, so Spotowitz. Das merke er durch Angebote wie das wöchentlich stattfindende kostenfreie Stadtteilfrühstück. Doch das sei eben nicht dasselbe, wie mit Freunden, Bekannten und Nachbarn zusammenzukommen. Er hofft, dass die mobile Küche rege genutzt wird. Die ersten Anfragen gab es bereits. „Ich bin sehr gespannt, was da vielleicht für Geschichten heraus entstehen für den Stadtteil“, sagt auch Wachotsch. Die Pro Potsdam hat rund 100 Euro beigetragen, die in die Ausstattung geflossen sind. Von der Stadt gab es 500 Euro Förderung aus dem Programm „Integration und Nachbarschaft“.

Gebaut wurde die mobile Küche von Langzeitarbeitslosen

Gebaut wurde die mobile Küche während einer Arbeitsintegrationsmaßnahme von zwei Teilnehmern der „Quartiers-Selbsthilfe- und Kreativ-Werkstatt“. Dort bauen Langzeitarbeitslose sinnvolle und nützliche Dinge zusammen – etwa Blumenkästen für den Stadtteil, wie Wilfried Schreiber erklärt. Die selbstgebaute Küche ist mit einem Gasherd mit vier Kochplatten und einem Spülbecken ausgestattet. Das Wasser wird in einem Eimer aufgefangen. Auch Geschirr, Töpfe und Besteck sind in dem Wagen verstaut. Mithilfe von zwei Rädern lässt sich die Küche recht einfach zum gewünschten Ort bewegen. Die Ausstattung des Wagens reicht für bis zu zwölf Teilnehmer, sagt Schreiber. Bei der Umsetzung wurde auch auf Nachhaltigkeit geachtet. So stammt das Holz aus der „Stadt der Kinder“ im vergangenen Jahr. „Das war einmal die Eisdiele“, sagt Schreiber.

Das Projekt habe sich zwar etwas nach hinten verschoben, wegen Corona, doch gerade jetzt sei der perfekte Zeitpunkt dafür, sagt Spotowitz. Coronabedingt finde ein großer Teil des Lebens derzeit draußen statt. Die Menschen würden sich gerne begegnen und austauschen können. Zudem stabilisiere so eine Möglichkeit auch ein wenig die derzeitige Situation, sagt Spotowitz. Gerade in Stadtteilen wie dem Schlaatz seien die Bewohner durch Corona unter Druck geraten. „Dort, wo es Probleme oder Notlagen vor Corona gab, sind die Menschen stärker von solchen Krisen betroffen. Das zeigen auch aktuelle bundesweite Studien.“ Auch im Schlaatz gebe es in Zeiten von Corona mehr Meldungen über Kindeswohlgefährdung oder häusliche Gewalt. Zudem seien insbesondere die Kinder und Jugendlichen aktuell viel draußen, hätten aber leider nur wenige Möglichkeiten etwas zu unternehmen, sagt Spotowitz. Da die „Stadt der Kinder“ in diesem Jahr ausfallen musste, bietet das Bürgerhaus Workshops an: etwa Breakdance und Parkour oder ein Kampfsportkurs. Ab der nächsten Woche findet ein Zirkus-Workshop für Kinder der 2. bis 6. Klasse statt. Noch sind Anmeldungen möglich. Auch die „Kulturpause“ wurde vom Bürgerhaus gemeinsam mit der Kirche im Kiez sowie dem Jugendclub Alpha ins Leben gerufen: Jeden Wochentag finden immer um 12 Uhr kleine kostenlose Konzerte, Aufführungen, Kunst und Kultur an der Festwiese vor dem Bürgerhaus statt.

Die Küche kann gegen eine symbolische Spende ausgeliehen werden 

Die mobile Küche soll ein weiteres Angebot sein. Sie kann einfach gegen eine symbolische Spende und mit Hinterlegung des Ausweises ausgeliehen werden. Der Wagen soll aber natürlich auch bei Kulturveranstaltungen und Nachbarschaftsfesten des Bürgerhauses zum Einsatz kommen, sagt Spotowitz. Wer Interesse an der mobilen Küche hat, kann sich einfach unter der Tel. (0331) 81 71 90 oder unter [email protected] melden.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.