• Nach Eklat um Potsdamer Afrikafest: Festgenommener Besucher erhebt Vorwürfe gegen die Polizei

Nach Eklat um Potsdamer Afrikafest : Festgenommener Besucher erhebt Vorwürfe gegen die Polizei

Nach dem abgebrochenen Afrikafest gibt es nun auch Vorwürfe gegen die Polizei. Ein 34-Jähriger, der an dem Abend festgenommen wurde, hat wegen Körperverletzung eine Strafanzeige gestellt. Die Polizei widerspricht seiner Version der Ereignisse.

Das Afrikafest am Brandenburger Tor.
Das Afrikafest am Brandenburger Tor.Foto: privat

Aussage steht gegen Aussage: Der Eklat um das vorzeitig abgebrochene Afrikafest beschäftigt nun auch das Landeskriminalamt. Es muss nach einer Anzeige gegen Polizisten ermitteln, der Vorwurf lautet Körperverletzung im Amt. Die entsprechende Strafanzeige hat ein 34 Jahre alter Berliner gestellt, der zuletzt lange Jahre als Sozialarbeiter in Potsdam gearbeitet hat - und dessen Verhaftung einen maßgeblichen Anteil daran hatte, dass das Fest vor knapp zwei Wochen abgebrochen wurde. Denn viele Festbesucher hatten sich wie berichtet an dem aus ihrer Sicht unverhältnismäßigen Vorgehen der Polizisten gestört. Das sorgte für weitere Unruhe und beschleunigte letztlich das Ende des Abends.

"Ein wenig frech, aber nicht aggressiv"

Nun hat sich der 34-Jährige Stefan Z. bei den PNN gemeldet - seine Sicht widerspricht in Teilen diametral den Angaben der Polizei zu dem Abend. Diese hatte erklärt, er sei vom Fest aus zu den Beamten gegangen und habe denen lautstark vorgeworfen, dass er sich durch ihre Anwesenheit beim Tanzen gestört fühle. In der Folge habe Z. die Beamten beschimpft und beleidigt, mit Ausdrücken wie „Du Vogel, ihr seid Pisser und Pfeifen", wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage sagte. Später sei der Mann aggressiv geworden, als er seine Papiere herausgeben sollte. 

Dem widerspricht Z. entschieden. Mit Freunden sei er auf dem Fest gewesen, leger bekleidet mit kurzer Hose und Badelatschen. Er habe sich unwohl gefühlt, als im Laufe des frühen Abends dort Bereitschaftspolizisten in Uniform erschienen seien. Wegen dieses martialischen Aussehens habe er mit den Beamten über Rassismus und Polizeigewalt sprechen wollen - verbunden mit der Aufforderung, dass ihn die Polizei beim Tanzen störe. "Das war vielleicht ein wenig frech, aber nicht aggressiv gemeint." Beschimpft habe er die Beamten aber erst nach seiner Festnahme, bei besagtem ersten Kontakt habe er nur einmal "Ihr Spießer" gesagt. 

Der offensichtlich einseitige Austausch war jedenfalls irgendwann beendet, Z. zog dann laut eigener Aussage sein Handy und filmte die Szenerie, also Polizisten und Fest. Dann habe seine Mitbewohnerin angerufen, ob sie noch zum Fest nachkommen könne. Ohne Vorwarnung hätten ihn dann Polizisten umzingelt, so dass er sein Telefonat beenden musste: "Und dann lag ich schon auf dem Boden, dass Knie eines Beamten im Kreuz."

Der Mann und die Polizei stellen das Geschehen sehr unterschiedlich dar

Auch ab dieser Stelle sind die Aussagen unterschiedlich. Z. erklärt, an der Stelle habe er sofort gesagt: "Ich habe keinen Ausweis dabei, ich komme mit auf die Wache." Die Polizei stellt das anders dar. So habe man wegen der aus Behördensicht erfolgten Beleidigungen die Personalien aufnehmen wollen, auch zum Zwecke der Strafverfolgung - doch die habe der zu dem Zeitpunkt angetrunkene Mann eben nicht freiwillig abgegeben. Ermittelt werde nun wegen Beleidigung gegenüber mehreren Personen, Widerstands gegen und einem tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte. "Schließlich schlug er um sich und zog weitere Aufmerksamkeit mit lautstarken Rufen: 'Polizeiwillkür' auf sich", hieß es in der Mitteilung der Polizei zu dem Vorfall. 

Den Ruf zumindest bestätigt auch Z., schließlich habe er sich ungerecht behandelt gefühlt. Dann hätten ihn die Polizisten in einen Transporter gebracht, der in Richtung der Wache in der Henning-von-Treschkow-Straße unterwegs war. Im Wagen habe er, im gefesselten Zustand, die Hände mit Kabelbindern am Rücken fixiert, sein Bein ausgestreckt und damit auch eine Sitzbank berührt. Plötzlich sei ein mitfahrender Polizist aufgesprungen und habe ihm mit der Faust auf die rechte Oberlippe geschlagen, so dass diese blutete. Auf seine Frage, warum dieser Schlag erfolgte, habe der Polizist gesagt, Z. habe das Auto schmutzig gemacht. "Und dann wurde mir noch gedroht wurde, dass hier gleich noch ganz andere Dinge passieren, wenn ich nicht aufpasse." 

Im Gewahrsam selbst blieb er rund sechs Stunden, nach seiner Entlassung stellte er die Strafanzeige, ein ärztliches Attest soll auch seine Lippenverletzung belegen. Die Polizei wiederum stellt auch die Fahrt im Wagen anders dar. "Noch im Gruppenwagen trat er nach den begleitenden Polizisten", so die Behörde. Weiter wollte die Polizei das Geschehen nicht kommentieren, auch unter Verweis auf das laufende Verfahren. Z. wiederum sagte den PNN, er wolle sich einen Rechtsbeistand suchen, auch andere Zeugen könnten seine Version belegen. "Wahrscheinlich wollte man mir Respekt einprügeln." In der Tat habe er sich ausgeliefert gefühlt. Inzwischen ist der Polizeieinsatz auch ein Politikum: Die Linken-Landtagsabgeordnete Isabelle Vandré hat eine Kleine Anfrage an das Innenministerium dazu gestellt, wie man der Kritik an dem Einsatz nun nachgehe.

Der Fall hatte für viel Aufsehen gesorgt

Angefordert hatte die Polizei wie berichtet das Ordnungsamt der Stadt Potsdam, um die geltenden Corona-Regeln auf dem Afrikafest durchzusetzen. Das hatte für viel Kritik gesorgt, weil ein in Sichtweite befindliches Weinfest unbehelligt blieb. Vor wenigen Tagen hatten sich Stadt und Organisatoren erneut getroffen - danach hatte das Rathaus einen verbal angekündigten Bußgeldbescheid wieder zurückgenommen. Als ein Grundproblem hatte die Stadtverwaltung identifiziert, dass die von ihr genehmigte Fläche für das Fest schlicht zu klein war, weswegen dann am Veranstaltungstag das Ordnungsamt immer neue Auflagen gegen das Fest erließ. Der Einsatz gegen den 34-Jährigen hatte die Lage vor Ort dann weiter verschärft.


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