• Nach der Cyberattacke: Bürgerservice nach wie vor eingeschränkt

Nach der Cyberattacke : Bürgerservice nach wie vor eingeschränkt

Auch zwei Wochen nach dem Cyberangriff auf das Potsdamer Rathaus funktioniert dort längst nicht wieder alles. Online-Termine oder E-Mails sind etwa weiterhin nicht möglich.

Erik Wenk
Bürgerservice Potsdam am 7. Januar 2020. 
Bürgerservice Potsdam am 7. Januar 2020. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Schrittweise wieder Online: Nach dem Cyberangriff vom 21. Januar sind noch immer viele Dienste des Rathauses Potsdam nicht verfügbar. Zumindest können nun wieder Geburts-, Heirats- und Strebeurkunden vom Standesamt ausgestellt werden.

„Für Menschen, denen Wohngeld bewilligt wurde, stehen die Leistungen ohne Einschränkungen zur Verfügung und werden ausgezahlt“, informierte die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung. Die Ausländerbehörde kann einen Teil ihrer Leistungen wieder zur Verfügung stellen, auch die Beantragung von vorläufigen Dokumenten wie Führungszeugnissen, Personalausweisen oder Reisepässen sind im Bürgerservice wieder möglich. Die Zulassungs- und Fahrerlaubnisbehörde hatte ihren Betrieb bereits vergangene Woche wieder aufgenommen.

Verzögerungen bei Wohngeld und Bafög

Nach wie vor sind jedoch viele Dienste nicht verfügbar: „Dazu zählen Zulassungen für Fahrzeuge außerhalb Potsdams sowie die Bearbeitung von Neuanträgen und Weiterbewilligungen für Wohngeld und Bafög, bei denen es zu Verzögerung kommt“, heißt es von Seiten der Stadt. Zudem können Um- und Anmeldungen von Wohnsitzen noch nicht beantragt werden. Auch die Online-Terminvergabe und Kartenzahlung im Bürgerservice sind derzeit noch nicht möglich.

Auch wer die Stadt kontaktieren will, muss nach wie vor auf Telefon oder Post ausweichen: Die Verwaltung kann keine E-Mails von außen empfangen, eingehende E-Mails werden auch nicht weitergeleitet. Anrufer können die Behördennummer 115 sowie die zentrale Nummer (0331) 2890 nutzen, dort werden sie an die zuständigen Mitarbeiter der Stadt weitergeleitet. Man konzentriere sich zunächst darauf, möglichst viele „bürgernahe Dienste“ wieder verfügbar zu machen, so die Stadt.

Eine Prognose über die Dauer ist nicht möglich

Wann die Dienste des Rathauses in vollem Umfang wieder zur Verfügung stehen werden, ist weiterhin unklar: „Die IT-Experten der Verwaltung arbeiten gemeinsam mit externen Fachleuten daran, die Bürger-Dienstleistungen so schnell und sicher wie möglich wieder anbieten zu können“, so die Stadt. „Eine genaue Prognose über die Dauer ist derzeit nicht möglich.“ 

Derzeit arbeite man daran, die digitalen Sicherheitsmaßnahmen in der Verwaltung weiter zu verbessern. Geplant ist auch, sich dafür weiteren „externen Sachverstand“ heranzuholen. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte vergangene Woche die Hoffnung geäußert, dass im Laufe dieser Woche alle Systeme wieder hochgefahren sind.

Ermöglicht wurde der Cyberangriff durch eine Schwachstelle des von vielen Behörden verwendeten Netzwerk-Dienstleisters Citrix. Der Softwarehersteller hatte im Dezember vor dem Problem gewarnt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Stadtverwaltung seien keine persönlichen Daten von Bürgern abgegriffen worden. Auf den Servern des Rathauses werden unter anderem Melde- und Fahrzeugdaten gespeichert. 

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