• Nach Corona-Lockdown: So lief der erste Tag der Ladenöffnungen in Potsdam

Nach Corona-Lockdown : So lief der erste Tag der Ladenöffnungen in Potsdam

Seit dem heutigen Mittwoch dürfen auch in Potsdam kleinere Geschäfte wieder öffnen. Die Ladeninhaber der Innenstadt sind erleichtert. Die Kundennachfrage ist jetzt schon hoch.

Viele Geschäfte in der Potsdamer Innenstadt sind wieder geöffnet.
Viele Geschäfte in der Potsdamer Innenstadt sind wieder geöffnet.Foto: Andreas Klaer

Innenstadt - In der Brandenburger Straße scheint zunächst alles wie immer. Menschen werfen einen Blick in die dekorierten Schaufenster der Boutiquen und stöbern zwischen den Klamotten, die auf Kleiderständern auf der Straße hängen. Dennoch ist der Anblick ungewöhnlich, geradezu neu – blieben schließlich die meisten Läden in den vergangenen Wochen aufgrund der Corona-Beschränkungen geschlossen. Hört man sich bei den Inhabern um, zeigten sich viele erleichtert darüber, dass der Verkauf nun wieder anläuft. „Es ist als würde man aus dem Dornröschenschlaf erwachen“, sagt Kristina Hasenstein, während sie in ihrem Bekleidungsgeschäft eine Stammkundin berät. Sie sei vor allem froh und erleichtert, dass der „absolute Stillstand“, wie sie die vergangenen Wochen mit dem Öffnungsverbot beschreibt, vorbei ist.

Wie für viele Potsdamer Einzelhändler waren auch für Kristina Hasenstein die vergangenen Wochen eine große Belastung.
Wie für viele Potsdamer Einzelhändler waren auch für Kristina Hasenstein die vergangenen Wochen eine große Belastung.Foto: Andreas Klaer

Seit heute dürfen Läden mit einer Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern wieder öffnen. Auch Hasenstein darf in ihrem Geschäft nun wieder Kunden empfangen – wenn auch nur zwei gleichzeitig. Die Regel: Pro zehn Quadratmeter Ladenfläche, ein Kunde. „Anschließend mache ich dann die Ladentür zu“, so die Inhaberin. Sie habe Verständnis für die Regelung, es gehe schließlich auch um die Sicherheit der Angestellten. „Schade ist nur, dass ich die Stammkunden nach der langen Zeit nicht drücken darf“, sagt Hasenstein mit einem Lächeln. Insgesamt seien die vergangenen Wochen schwierig gewesen. 

Einnahmen aus Onlinehandel haben gerade so gereicht

Mit dem Onlinehandel habe man sich über Wasser gehalten, aber die Einnahmen seien gering gewesen. Auch jetzt habe Hasenstein noch mit Problemen zu kämpfen: „Ich musste zwei Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Auch konnte ich vier Wochen lang die Sommerkollektion nicht verkaufen.“ Bereits im Juli würde jedoch die Winterkollektion eintreffen. „Das ist zeitlich sehr eng getaktet und jetzt natürlich nicht so einfach.“

Trotz allem kann man bei ihr, wie auch bei anderen Läden in der Brandenburger Straße, eine Aufbruchsstimmung beobachten. 

Kunden freuen sich über "Normalität"

Schaufensterpuppen werden neu dekoriert, Aufsteller nach draußen gebraucht und die letzten Scheiben vom Staub und Dreck der vergangenen Wochen gereinigt. So auch die Fenster des Schuhgeschäfts „Schuh-Baar“. „Die Kunden sind dankbar, dass langsam wieder Normalität einkehrt“, sagt Sarah Lehmann, die Vertreterin der Geschäftsführung. Berührungsängste gebe es nicht und auch die ersten Schuhe habe man schon verkauft. Um die Mitarbeiter zu schützen, bekommt jeder einen Mundschutz und die Kundenzahl im Laden wird reguliert. Dass deshalb auch einmal vor der Tür gewartet werden muss, sei bisher noch kein Problem gewesen. „Die Kunden sind alle entspannt“, so Lehmann.

Mike Bruchner, Inhaber eines Antiquitätenladen in der Lindenstrasse.
Mike Bruchner, Inhaber eines Antiquitätenladen in der Lindenstrasse.Foto: Andreas Klaer

Auch Mike Bruchner, der in der Lindenstraße ein Antiquitätengeschäft betreibt, ist froh, dass es „nun wieder losgeht“. Er habe in den vergangenen Wochen überhaupt keinen Umsatz machen können. Auch wenn nun wieder mehr Leute in der Brandenburger Straße und in den Nebenstraßen unterwegs seien, fürchte er, dass viele Kunden weiterhin ausbleiben könnten: „Die Gastronomie fehlt immer noch und natürlich kommen im Moment auch keine Touristen vorbei.“ Er hoffe aber dennoch, dass das Geschäft in den kommenden Tagen wieder anlaufe.

Nur 40 Menschen inklusive Mitarbeiter gleichzeitig im Warenhaus Karstadt erlaubt. 
Nur 40 Menschen inklusive Mitarbeiter gleichzeitig im Warenhaus Karstadt erlaubt. Foto: Andreas Klaer

Nur 40 Menschen im Karstadt erlaubt

Kaufhäuser mit über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche haben die Möglichkeit diese zu verkleinern, um Kunden in den Laden zu lassen. Von dieser Möglichkeit macht auch Galeria Karstadt Kaufhof in der Brandenburger Straße Gebrauch. Bis auf bestimmte Teile des Erdgeschosses ist die gesamte Ladenfläche des dreistöckigen Geschäfts gesperrt. Insgesamt seien nur 40 Menschen, inklusive Mitarbeiter, im Laden erlaubt. Frage ein Kunde nach Ware, die außerhalb des geöffneten Bereichs zu finden ist, wird das Produkt von einem Mitarbeiter geholt.

Erkundigt man sich bei den Menschen in der Brandenburger Straße, dann wollen viele einfach wieder einmal durch die Einkaufsstraße schlendern und den Trubel rundherum genießen. So auch Monika Wehner aus Fichtenwalde. Sie ist zusammen mit ihrem Mann extra nach Potsdam gefahren, „um zu schauen was so los ist“. „Ich finde es gut, dass die Läden wieder aufmachen, im Internet habe ich bisher noch nie gerne gekauft, ich finde es einfach schöner, wenn man sich die Sachen vor Ort anschauen kann.“ Auch der Potsdamer Student Jacob Edenhofer kauft lieber im Laden ein und freut sich darüber seine Lernutensilien nun wieder vor Ort zu bekommen. Trotzdem hält er die Ladenöffnungen mit Blick auf die Situation beim Coronavirus für verfrüht. Wie viele Experten befürchtet auch er, dass die Zahl der Infizierten in den kommenden Wochen wieder drastisch steigen könnte und die Beschränkungen dann wieder strenger werden. Diese Angst hat auch Ralf Köhler, Inhaber des Geschenkeladens „Hermann Köhler“ in Babelsberg: „Ich glaube, dass wir in vier Wochen wieder an derselben Stelle stehen, wie zuvor. Dann wird es aber richtig schlimm für uns Einzelhändler.“ Er sei erstaunt gewesen, wie viele Menschen gleich den ersten Tag zum Einkauf nutzten: „Damit habe ich nicht gerechnet. Aber umso schöner für uns.“ 

Maskentragepflicht in Potsdam. Mund-Nasen-Schutz, dient vor allem dem Schutz von Mitmenschen.
Maskentragepflicht in Potsdam. Mund-Nasen-Schutz, dient vor allem dem Schutz von Mitmenschen.Foto: Andreas Klaer

Über die große Nachfrage zeigte sich auch Andreas Seyfried, Inhaber der benachbarten „Spielekiste“ verwundert: „Ich bin nicht einmal dazu gekommen, die Anfragen unseres neu eingerichteten Onlineshops zu bearbeiten.“ Die Menschen würden sich scheinbar, so Seyfried, wieder freuen, einkaufen gehen zu dürfen. 

IHK: Ladenöffnungen sind Silberstreif am Horizont

Für ihn sei der Andrang im Moment sehr wichtig. Finanziell sei die Situation in den vergangenen Wochen eine große Belastung gewesen. „Zwei oder drei Wochen länger und wir hätten für immer zumachen müssen“, so der Ladeninhaber. Er findet auch Lob für die staatliche Unterstützung der Läden: „Das hat wirklich gut funktioniert.“

Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Potsdam begrüßte am gestrigen Mittwoch die Lockerung der Regeln: „Mit der Wiedereröffnung von Läden bis zu einer bestimmten Größe zeigt sich der erste Silberstreif am Horizont.“ Nun gehe es darum, dem Einzelhandel Möglichkeiten einzuräumen, entgangenes Geschäft wieder aufzuholen. Tobias’ Empfehlung ist es, die Ladenöffnungszeiten zu liberalisieren. „Wir fordern eine unkomplizierte Lockerung der Sonn- und Feiertagsregelung bis mindestens Ende kommenden Jahres“, sagte der IHK-Chef. Man müsse den Selbstheilungskräften der Wirtschaft alle Chancen geben.


Die Potsdamer Neuesten Nachrichten stellen die Online-Berichterstattung über die Coronavirus-Pandemie kostenfrei zur Verfügung. Wir bitten Sie jedoch, ein Abonnement zu erwägen, um unsere journalistische Arbeit zu unterstützen. 

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.