• Nach Corona-Ausbruch am Klinikum: Experten untersuchen die Unternehmenskultur
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Nach Corona-Ausbruch am Klinikum : Experten untersuchen die Unternehmenskultur

Die vom Bergmann-Aufsichtsrat eingesetzte Expertenkommission soll herausfinden, welche Faktoren den schweren Corona-Ausbruch im März im Klinikum begünstigt haben. Dazu werden nun Mitarbeiter befragt.

Das Bergmann-Klinikum in Potsdam
Das Bergmann-Klinikum in PotsdamFoto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Die Expertenkommission, die den schweren Corona-Ausbruch im März am Potsdamer "Ernst von Bergmann"-Klinikum untersuchen soll, nimmt ihre Ermittlungen vor Ort auf. Im internen Newsletter des städtischen Gesundheitsunternehmens, der den PNN vorliegt, werden die Mitarbeiter zu freiwilligen Gesprächen gebeten, die ab Mittwoch (26.8.) und bis zum 11. September stattfinden. Dabei soll es um die Unternehmenskultur und die interne  Zusammenarbeit gehen. Die Kommission wolle sich einen Eindruck verschaffen, wie Mitarbeiter „die Zusammenarbeit, Kommunikation und den Umgang mit Patientensicherheit, Hygiene sowie unerwarteten Situationen im Klinikum erleben und erlebt haben“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf von Geschäftsführung und Betriebsrat.

45 Minuten pro Gespräch

Für die Gespräche sind jeweils 45 Minuten angesetzt, sie werden den Angaben im Newsletter nach nicht aufgezeichnet. Es gehe dabei nicht um individuelles Verhalten oder Schuldfragen, so die Klinikspitze, und die Gespräche würden auch keine negativen Konsequenzen nach sich ziehen. Ziel sei vielmehr die Verbesserung der internen Zusammenarbeit. Dafür wollen einzelne Experten der Kommission mit Vertretern aller Ebenen sprechen - beispielsweise mit Führungskräften der Verwaltung, Ärzten, Pflegern, Reinigungskräften und Küchenhilfen. Zur Frage der Vertraulichkeit der Gespräche heißt es in dem Schreiben, dass diese anonym geführt würden - allerdings führe die Arbeitszeiterfassung „notgedrungen“ dazu, „dass sie Ihre Anonymität aufhebt“. Das müssten die Mitarbeiter für sich persönlich entscheiden.

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Es geht "um Rahmenbedingungen, die den Ausbruch begünstigt haben"

Die Kommission unter der Leitung der früheren Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) und des Virologen Frank T. Hufert soll laut dem Newsletter die „organisatorischen Rahmenbedingungen in den Blick nehmen, die den Ausbruch begünstigt haben“. Die Ergebnisse der Gespräche würden dem Aufsichtsrats als Auftraggeber der Untersuchungen zur Verfügung gestellt.

Im Potsdamer Klinikum hatte es im März und April einen heftigen Corona-Ausbruch gegeben. Insgesamt rund 350 infizierte Patienten und Mitarbeiter zählte das Krankenhaus. 47 Patienten starben im Bergmann mit oder an Corona. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei leitende Mediziner und die vormalige, beurlaubte Geschäftsführung unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Es agiert nun eine Interims-Geschäftsführung; erst einige Monate nach dem Ausbruch konnte das Unternehmen nun in einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren.

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