• Zusätzlicher Polizeischutz für Potsdamer Moschee

Nach Anschlag in Neuseeland : Zusätzlicher Polizeischutz für Potsdamer Moschee

Die Polizei verstärkt nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland ihre Präsenz vor der Potsdamer Moschee. Allerdings besteht keine konkrete Gefahr, heißt es. 

Ein Gemeindemitglied betet in der Al-Farouk-Moschee in Potsdams Innenstadt. Dort wird der Schutz nun verstärkt.
Ein Gemeindemitglied betet in der Al-Farouk-Moschee in Potsdams Innenstadt. Dort wird der Schutz nun verstärkt.Foto: Paul Zinken/dpa

Innenstadt - Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland wird auch die Al-Farouk-Moschee in der Potsdamer Innenstadt zusätzlich geschützt. In den kommenden beiden Wochen würden Polizisten vor dem Gebäude verstärkt Präsenz zeigen, sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Montag auf PNN-Anfrage. „Es geht hier um das subjektive Sicherheitsgefühl“, betonte Mörke. Auch das werde ernst genommen.

Wie berichtet hatte die islamische Gemeinde in Potsdam nach dem Anschlag mit 50 Toten Sorgen geäußert. Es gebe auch in Deutschland Menschen, die Hass auf Muslime verbreiten, sagte Imam Kamal Mohamad Abdallah den PNN. Vor allem beim Freitagsgebet, wenn rund 500 Gläubige in der Landeshauptstadt zusammenkommen, sei er besorgt.

Brandenburger Polizei hält Rücksprache mit Bundeseinrichtungen

Eine konkrete Gefährdung für muslimische Einrichtungen in Brandenburg bestehe derzeit nicht, betonte Mörke. Nach dramatischen Ereignissen wie dem Terroranschlag in Neuseeland bewerte das Bundeskriminalamt die Lage in Deutschland. Auf der Grundlage dieser Einschätzung führe das Landeskriminalamt dann seine Bewertung durch. Darüber hinaus sei die Brandenburger Polizei ständig in Sicherheitsgesprächen mit den entsprechenden Einrichtungen im Land. Die Sicherheitslage werde fortlaufend neu bewertet und dann entschieden, ob ein Objektschutz oder ein Schutz für bestimmte Personen nötig ist. „Die Polizei ist laufend dabei zu schauen, ob eine Schutznotwendigkeit besteht“, erklärte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Ähnliches gilt für die jüdischen Einrichtungen im Land. Auch für diese gibt es fortlaufend Sicherheitsüberprüfungen.

Die muslimischen Gebetsräume in Potsdam waren bereits mehrfach Ziel rassistischer Taten, die aufsehenerregendste: Im Oktober 2016 hatten Unbekannte einen Schweinekopf vor dem Eingang abgelegt. Die Täter konnten nie ermittelt werden, obwohl der Innenminister zwischendurch davon gesprochen hatte, dass es eine heiße Spur gebe.

Die muslimische Gemeinde in Potsdam dürfte neben der in Cottbus die größte im Land sein. Da sich die Betenden der Gemeinden nicht eintragen und diese wiederum nicht beim Kulturministerium registriert werden, gibt es keine genauen Zahlen. Nach Schätzungen des Potsdamer Instituts für Jüdische Studien und Religionswissenschaften leben derzeit rund 25.000 Muslime in Brandenburg, das entspricht etwa einem Prozent der märkischen Bevölkerung. Ausgebildete Imame gibt es derzeit nur in Potsdam und Cottbus. Eine weitere Gemeinde existiert beispielsweise in Frankfurt (Oder).

Der Verein der Muslime in Potsdam wurden 1998 gegründet und als gemeinnützig anerkannt. „Wir praktizieren und lehren den klassisch-sunnitischen Islam, dem die Mehrheit der Muslime angehört“, heißt es auf der Homepage. Der Verein verfolge ausdrücklich keine politischen oder nationalistischen Ziele und distanziere sich von Gewalt und von Personen oder Gruppen, die dazu aufrufen.