Potsdam : Mutters Ratschläge

Liebeskomödie letzter Akt: Iris Berben und Johanna Wokalek haben in Babelsberg für ihren neuen Kinofilm gedreht

Tobias Reichelt
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15.07.2011 21:50

Babelsberg - Mütterliche Ratschläge kommen manchmal ungebeten. Zu den Themen Sex und Glück ist das fast immer der Fall. Wenn die Mutter aber auch dann mit ihren Ratschlägen nicht zu stoppen ist, wenn sie schon lange unter der Erde liegt, dann läuft etwas gewaltig schief.

In den Filmstudios Babelsberg wurde am gestrigen Freitag der Streifen „Anleitung zum Unglücklichsein“ abgedreht. Seit Ende Juni waren Iris Berben („Die Patriarchin“, „Buddenbrooks“) und Johanna Wokalek („Der Baader Meinhof Komplex“, „Die Päpstin“) hier auf dem Studiogelände für ihre neue Kinokomödie zu Gange. Ab Montag zieht der Filmtross unter der Regie von Sherry Hormann („Wüstenblume“) und der Mitwirkung der Schauspieler David Kross, Richy Müller und unter anderem auch Benjamin Stadler für letzte Außenaufnahmen weiter nach Berlin-Kreuzberg in die Fidicinstraße und anschließend nach Köln. Der Großteil des Films ist jedoch bereits im Kasten. Die Aufnahmen sind in aufwendig gestalteten Filmkulissen in den Babelsberger Studios entstanden.

Im Mittelpunkt des Films steht Tiffany Blechschmids Feinkostladen, ein Berliner Eckgeschäft, aufgebaut in der Marlene-Dietrich-Halle auf dem Studiogelände. Johanna Wokalek spielt hier die schüchtern, verträumte Inhaberin, die fest daran glaubt, vom Unglück verfolgt zu sein. Jede Ampel schaltet auf Rot, wenn sie um die Ecke biegt, nie findet sie einen Parkplatz und es regnet immer dann, wenn sie keinen Schirm dabei hat. Als würde das nicht reichen, erscheint ihr außerdem regelmäßig ihre tote Mutter (Iris Berben), die sie ungefragt mit Ratschlägen überschüttet – besonders als plötzlich gleich zwei neue Männer in das Leben von Tiffany treten. Die Vorlage zum Film gab der gleichnamige „Glücksratgeber“ von Paul Watzlawick.

„Es ist untypisch für den deutschen Film, fast ausschließlich in Studios zu drehen, weil es zu teuer ist“, erklärte Produzent Peter Herrmann („Nirgendwo in Afrika“) am Freitag in Babelsberg. Für die „Anleitung zum Unglücklichsein“ gelte das nicht, die Filmemacher konnten sich im Wesentlichen auf zwei Kulissen beschränken: Den Feinkostladen und Tiffanys Wohnung, die leicht umgebaut und umdekoriert auch als Kulisse für die Wohnung der Eltern und als Wohnung eines Nachbarn diente. „So haben wir mit einfachen Mitteln völlig neue Locations geschaffen.“ Gedreht wurde damit in Theateratmosphäre. Am Ende werden die Studioszenen mit den Außenaufnahmen von Berlin und Köln zusammengeschnitten. „Der Zuschauer wird nicht mehr erkennen, was Studio und was Original ist“, verspricht Herrmann. Das Filmbudget beläuft sich auf fünf Millionen Euro. Einen Teil davon – die genaue Summe ist unbekannt – haben die Babelsberger Filmstudios beigesteuert, sie treten als Co-Produzenten auf.

Eingelebt in Babelsberg hat sich während der Drehzeit auch Jungschauspieler David Kross („Der Vorleser“). Im Film spielt er Benno, den autistischen Küchenjungen. Viel Text gab es nicht zu lernen, erzählte Kross, dafür konnte er sich voll und ganz auf seine Rolle einlassen. Lange Zeit beobachtete er dafür autistische Kinder in einem Jugendheim. Im Film hat sich Benno, der einen Sockentick hat, auf das Schnitzen von Möhren spezialisiert. „Das ist das Schöne an der Rolle, dass man sich ausleben kann“, so Kross.

Produzent Herrman verspricht den Zuschauern eine ungewöhnliche Komödie – „leise Töne, Tragik, aber auch viel Humor“. Mit einer Iris Berben, die sich von einer „ungeahnten Seite“ zeige. Ab dem 8. März 2012 soll der Film in den deutschen Kinos zu sehen sein.