Potsdam : Mobil und barrierefrei

Die Start-Up-Firma Yopegu entwickelte eine Plattform für Potsdam-Audioguides – auch für Gehörlose

Daniela Guhde Lukas Regeler

Wem das Lesen von Reiseführern oder Fachliteratur zu trocken ist, wer Potsdam spontan und ganz in Ruhe erkunden möchte und Besitzer eines iPhones ist, der kann sich seit dem Juli das kostenlose Mini-Programm „Yopegu“ aus dem Appstore im Internet herunterladen. Das Besondere: Integriert ist auch eine Fassung für Hörgeschädigte. Für alle angebotenen Touren gibt es Videos in Gebärdensprache. Yopegu – der Name kürzt das englische „Your Personal Guide“ ab – ist damit der erste Anbieter für barrierefreie Audioguides, betonten die Entwickler.

Drei Mitarbeiter und einige Praktikanten hat das Start-Up-Unternehmen mit Sitz in einer Bürogemeinschaft an der Bertinistraße derzeit. „Potsdam ist eine überschaubare Stadt, dennoch beherbergt sie viele Sehenswürdigkeiten und verzeichnet daher jedes Jahr hohe Besucherzahlen – der perfekte Ort also, um einen ersten Versuch zu starten“, erläutert Mitgründer und Software-Entwickler Kevin Lücke die Idee, an der die Firma bereits ein Jahr arbeitet. Geplant sei, das Angebot Schritt für Schritt auf ganz Deutschland auszuweiten. Es gebe bereits Interesse aus Großstädten wie Hamburg oder Dresden. Auch eine Version für Andoid-Smartphones sei denkbar.

Finanzielle Unterstützung für das Projekt gebe es nicht, betont Lücke. Die Firma will sich stattdessen durch die Beteiligung an den Umsätzen der Guide-Anbieter finanzieren. Denn auch wenn die neue App für die Nutzer kostenlos ist, sind es die darin aufgelisteten Stadtführer nicht unbedingt. „Jeder Anbieter entscheidet selbst, was die Freischaltung seines Audioguides kostet“, erklärt Tobias Dombrowski, der im Team für die betriebswirtschaftliche Seite zuständig ist: „Yopegu ist nur eine Plattform, die all diese Anbieter unter einen Hut bringen will.“ Bevor man als Potsdam-Spaziergänger für einen Audioguide zahlt, kann man jedoch probehören - oder -sehen. Die Übersetzung in die Gebärdensprache übernahm die Gebärdendolmetscherin Nadine Lehmann.

Derzeit im Angebot sind etwa eine von der Potsdamer Schülerin Josefine Markarian entwickelte Führung zu den „Stolpersteinen“ – Mini-Gedenksteinen für ermordete jüdische Potsdamer, ein Führer zum Kulturstandort Schiffbauergassen, den die Stadtführerin Susanne Fienhold Sheen erarbeitet hat.

Die Entwicklung der Plattform sei vor allem durch die Zusammenarbeit mit großen Partnern möglich geworden, berichten die drei Jungunternehmer. Der Audioguideanbieter „tomis“ zum Beispiel hatte bereits einige Touren für die Landeshauptstadt im Programm, die nun über die Yopegu-Plattform abrufbar sind. „Mit dem Verkehrsbetrieb Potsdam planen wir ebenfalls gerade einen Audioguide zu den verschiedenen Fahrlinien und deren Historie“, so Lücke. Zur Zeit seien zwölf weitere Audioguides für Potsdam in Planung, darunter Stadtrundgänge zum Thema „Leitbautenkonzept“ oder zur Wasserlandschaf

Tobias Dombrowski ist zuversichtlich, dass sich das Angebot auch auf Dauer etablieren wird: Schon eine Woche nach dem Start sei das Programm 150-mal heruntergeladen worden, betont der 26-Jährige. Derzeit stehe es im Appstore unter dem Stichwort „Audioguides“ sogar auf Platz eins. „Anders als bei einem Reiseführer erfährt man viel Insider-Wissen, weil unsere Audioguides von Stadtführern, aber auch von Zeitzeugen besprochen werden“, meint Kevin Lücke.

Daniela Guhde/Lukas Regeler