• Potsdam: Neues Café auf der Brandenburger Straße

Miss Green Bean : Neues Café auf der Brandenburger Straße in Potsdam

Im neuen Café Miss Green Bean trifft Nachhaltigkeit auf Wiener Kaffeehauskultur - und mit eigener Tasse gibt es Rabatt.

Stefanie Schuster
Julia von La Chevallerie
Julia von La ChevallerieFoto: Ottmar Winter

Potsdam - Eine Woche lief bei Miss Green Bean der Kaffee im Probebetrieb, am 15. August 2019 wurde das neue Café in der Brandenburger Straße 34 offiziell eröffnet. „Ein Glück, dass wir so zeitig begonnen haben“, sagt Besitzerin und Ex-TV-Journalistin Julia La Chevallerie und lacht. „So konnten wir alles, was schiefgehen wollte, vor der Eröffnung abarbeiten.“ Nun scheint alles reibungslos zu laufen: Die Eismaschine spuckt Würfel, die handgerührten Overnight-Oats im Glas stehen bereit und alle Mitarbeiterinnen wissen, wie man richtigen Milchschaum für den Kaffee schlägt.

Foto: Ottmar Winter

Vor dem Café weisen drei kleine Tische mit unterschiedlichen Stühlen auf die neu Location hin, 40 weitere Plätze gibt es im Innenraum: Einige am großen Tresen vor dschungelgrüner Wand, im hinteren Bereich eine Lounge mit altrosa Sitzlandschaften. Samtig, weich, waschbare Bezüge. Wer lieber im Café sitzt als in einem Büro findet zudem Steckdosen und Wlan.

Ein Blick ins Café "Miss Green Bean"
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1 von 14Foto: Ottmar Winter
16.08.2019 14:08

Das Obergeschoss von Miss Green Bean dominiert eine historische Kirchenbank in Hellgrau, vor der gleich mehrere Tische stehen. Hat die Chefin auf Ebay entdeckt. „Sie stammt aus einer Kirche in der Nähe von Kassel, die nach Jahrhunderten einer flexibleren Kirchen-Bestuhlung Platz machen“, sagt La Chevallerie. Ein Händler habe sie nach Potsdam gebracht, sei aber zunächst daran gescheitert, sie ins obere Stockwerk zu hieven. Erst der im Laden arbeitende Maler mit seinen Freunden habe es geschafft, sie über das hinter dem Hause liegende Remisendach und das obere Fenster an ihren jetzigen Standort zu heben, berichtet die Chefin.

Die Bilder an der Treppe erzählen aus den Lebensstationen der Besitzerin.
Die Bilder an der Treppe erzählen aus den Lebensstationen der Besitzerin.Foto: Ottmar Winter

An der Treppe, zwischen Lounge- und Banketage illustriert eine Bildergalerie Stationen aus dem Leben der Besitzerin: eine Zeichnung aus Japan, Erbstücke, Fotos aus der Hand eines Schulkameraden. „Jedes Bild hat seine Geschichte“, sagt Julia La Chevallerie. „Diesen Spruch hänge ich vielleicht auch noch auf.“

Vorerst aber wirkt die Mutter von vier Kindern erstmal zufrieden. Für ihren Traum vom eigenen Café hat sie ihre Karriere beim Fernsehen sausen lassen. „Irgendwann hat man wirklich jede Geschichte mal erzählt“, sagt sie. Zuletzt war sie Chefin vom Dienst beim Reportermagazin „Akte“ bei dem Fernsehsender Sat1. Als die Sendung im vergangenen Jahr von Berlin nach München verlegt wurde, beschloss die Journalistin das ewige Pendeln einzustellen und ein Café aufzumachen, und zwar in ihrer Wahlheimat Potsdam. Die Leidenschaft dafür habe sie aus Wien mitgebracht, erzählt sie – auch dort ist sie aufgewachsen. „Ich liebe es, im Café Leute zu treffen und mindestens den Kellner zu kennen.“ Vieles der wienerischen Kaffeehauskultur hat sie übernommen. So stehen Wasserkrüge und Gläser kostenlos bereit. „An Leitungswasser muss ich nun wirklich nichts verdienen“, sagt sie.

Der Kaffee wird nebenan beim "Buena Vida Coffee Club" geröstet
Der Kaffee wird nebenan beim "Buena Vida Coffee Club" geröstetFoto: PNN / Ottmar Winter

Zum Konzept gehört auch Nachhaltigkeit: „Am liebsten verwende ich gute Qualität aus der Region, wo immer möglich.“ Der Kaffee kommt daher aus der Potsdamer Rösterei "Buena Vida Coffee Club" (fast) nebenan, es gibt nachhaltig und fair produzierten Tee und einen Kakao, der von Berlin aus vertrieben wird und nebenbei Schimpansen-Häuser finanziert. Auf der Speisekarte stehen kleine, vor Ort angerichtete Mahlzeiten nach eigenem Fusionkitchen Rezept: Bowls (Schüsseln) mit gesundem Inhalt, aber auch Toast und Bagels. Vieles ist in einer veganen Variante erhältlich.

Alles gibt es auch umweltfreundlich verpackt zum Mitnehmen: Bowls und Müsli werden in Weckgläsern serviert und gegen Pfand mitgegeben, es gibt Bambus-Becher zu kaufen für To-go-Kaffeefreunde. Wer will, kann seinen eigenen Becher füllen lassen. „Macht dann 50 Cent Rabatt pro Getränk“, verspricht die Chefin.

Die Preise stehen auf einer alten Schultafel
Die Preise stehen auf einer alten SchultafelFoto: Ottmar Winter

„Miss Green Bean“ – das ist sie selbst; Dutzende von Namensvorschlägen hat sie mit ihrer Familie geprüft. Immerhin stand im Zentrum ihrer Entscheidung, wieder näher dran zu sein am Leben ihrer Schulkinder. Apropos: Eine alte Schultafel, selbst herbeigeschafft aus Brandenburg, listet das Tagesangebot samt Preisen.

Geöffnet hat Miss Green Bean werktags zwischen 8 und 20 Uhr, am Sonntag von 9 bis 19 Uhr.