• Milchstraße, Mars und ISS: So abwechslungsreich wird der Sternenhimmel über Potsdam

Milchstraße, Mars und ISS : So abwechslungsreich wird der Sternenhimmel über Potsdam

Woher hat die Milchstraße ihren Namen? Wieso ist der Mars rot? Der Urania-Planetariumschef gibt einen Überblick über den Sternenhimmel im Herbst - und Tipps zum "Spazierensehen".

Simon Plate
Unwirtlicher Planet: Der Mars mit dem Grabensystem Valles Marineris.
Unwirtlicher Planet: Der Mars mit dem Grabensystem Valles Marineris.Foto: NASA/JPL-Caltech

Potsdam - Am Dienstag, dem 22. September, hat die Sonne den Himmelsäquator auf dem Weg nach Süden überschritten. Dies ist der Zeitpunkt des astronomischen Herbstanfangs. In Potsdam bemerken wir vor allem den sich rasch verkürzenden Tagbogen der Sonne und ihre stetig abnehmende Mittagshöhe. Ein Beobachter auf dem Erdäquator hingegen kann die Sonne nun zur Mittagszeit genau im Zenit betrachten, während Bewohner der Südhalbkugel die Sonne sogar ein wenig in Himmelsrichtung Nord sehen. Der 22. September heißt auch "Tagundnachtgleiche". Die Sonne geht um 7 Uhr morgens auf und um 19 Uhr abends unter, so dass wir einen genau zwölf Stunden langen lichten Tag und eine zwölf Stunden lange Nacht erleben können. Und was für eine Nacht!

Der Sternenhimmel über Potsdam im Herbst (klicken für das ganze Bild).
Der Sternenhimmel über Potsdam im Herbst (klicken für das ganze Bild).Grafik: Stellarium.org/Urania-Planetarium

Quer über den abendlichen Sternenhimmel zieht sich das leuchtende Band der Milchstraße. Wir sehen unsere heimatliche Galaxis – eine Sterneninsel aus circa 200 Milliarden Sternen – von innen heraus. Tatsächlich wäre sie von außen betrachtet eine Spiralscheibe, die durch ihre Rotation abgeflacht wie ein Diskus ist. In den kommenden frühen Herbstnächten können wir noch einige letzte Blicke in Richtung der Ebene unserer Milchstraße genießen, ehe die Sonne gen Winter diese Himmelsregion wieder überstrahlen wird.

Woher hat die Milchstraße ihren Namen?

Simon Plate ist seit 2016 der Leiter des Urania-Planetarium Potsdam.
Simon Plate ist seit 2016 der Leiter des Urania-Planetarium Potsdam.Foto: Ottmar Winter

Doch woher kommt der eigentümliche Name unserer Heimatgalaxie? Ein Blick in die Mythologie der griechischen Antike führt uns zur Göttin Hera: Ihre Muttermilch sollen wir als leuchtenden Streifen, als Milchstraße am Nachthimmel sehen. Solch starkem Tobak misstraute schon vor über 2000 Jahren der Gelehrte Demokrit und nahm an, die Milchstraße sei eine Ansammlung aus unzähligen Sternen – womit er ins Schwarze traf. Dem schlechten Auflösungsvermögen unserer Augen ist es geschuldet, dass wir ohne optisches Hilfsmittel keine Einzelsterne, sondern nur einen nebligen Streifen am Himmel sehen. Bereits ein kleines Fernglas offenbart die wundervolle Sternenfülle der Milchstraße. Nehmen Sie sich also – gern mit Fernglas ausgerüstet – in den kommenden Nächten die Zeit für etwas "Spazierensehen" am Nachthimmel. Ihre Augen benötigen etwa eine halbe Stunde, bis sie perfekt an die Dunkelheit angepasst sind. Sie werden überwältigt sein, welchen Unterschied diese kurze Anpassungszeit bei der Beobachtung macht.

Mars – ein roter Planet für die ganze Nacht

Mit bloßem Auge und auch ohne lange Anpassungszeit sind unsere drei äußeren Nachbarplaneten am Abendhimmel zu erspähen. Kurz nach Sonnenuntergang zeigen sich im Süden die Gasriesen Jupiter und Saturn auf Abschiedstournee, ehe sie im kommenden Januar für eine Weile von der Himmelsbühne abtreten. Der Star unter den Planeten ist im Herbst 2020 der kleine Mars. Unser roter Nachbarplanet strahlt trotz seiner geringen Größe – er besitzt nur etwa den halben Erddurchmesser – in glänzendem Licht. Grund genug, ihn näher unter die Lupe zu nehmen.

Die "Curiosity" erkundet die Marsoberfläche - und sendete sensationelle Bilder zur Erde.
Die "Curiosity" erkundet die Marsoberfläche - und sendete sensationelle Bilder zur Erde.Foto: via REUTERS

Ob Horus, der Rote im alten Ägypten, Angaraka (Glühende Kohle) im Sanskrit oder eben Mars, der Kriegsgott – die rote Farbe dieses Planeten spiegelte sich stets in der Namensgebung wieder. Ein Teleskop ist nicht vonnöten, um Mars als roten Himmelskörper wahrzunehmen. Ursächlich für seine Färbung ist das in seinem Oberflächengestein reichlich vorkommende Eisenoxid – mit seinen 4,5 Milliarden Jahren ist Mars eben ein wenig eingerostet.

Durch Fernrohr zeigen sich Wolkenbildungen und gewaltige Staubstürme

Seine diesjährige Helligkeit im astronomischen Herbst verdankt er einer Oppositionsstellung im sonnennächsten Punkt seiner Bahn. Er ist damit erstens die ganze Nacht über zu sehen, da er der Sonne genau gegenüber steht. Zweitens trennen Erde und Mars in diesen Tagen eben "nur" etwa 60 Millionen Kilometer: Seine Umlaufbahn ist elliptisch mit einem ausgeprägten sonnenfernen und sonnennahen Punkt. Da unsere Erde gerade jetzt zwischen Mars und Sonne steht, ist der rote Planet auch der Erde besonders nah. Er erscheint heller und – bei der Betrachtung durch ein Fernrohr – größer. Erst in 13 Jahren wird sich eine ähnlich günstige Sichtbarkeit für den irdischen Beobachter ergeben. Ein Blick zum Mars durch ein kleines Fernrohr lohnt sich: Dunkle Tiefebenen und weiße Polkappen sind sichtbar. Das überraschend dynamische Wettergeschehen offenbart uns spontane Wolkenbildungen und gewaltige Staubstürme, die den ganzen Planeten umfassen können.

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Fantastische Details werden uns hoffentlich drei Raumsonden liefern, die zurzeit auf dem Weg zum roten Planeten sind. "El Amal", der erste Marsorbiter der Vereinigten Arabischen Emirate, soll dessen Atmosphäre genauer durchleuchten, während der chinesische Rover "Tianwen" und der US-amerikanische Rover "Perseverance" Gestein und Atmosphäre unmittelbar auf der Oberfläche untersuchen. "Perseverance", die mittlerweile vierte Generation der fahrbaren Marsrover, soll seine Bodenproben übrigens in Depots lagern – für einen möglichen späteren Rücktransport zur Erde. Alle drei Raumfahrzeuge erreichen Mars im Februar 2021. Sie werden einen wüstenhaften Planeten vorfinden, mit Durchschnittstemperaturen von -55 Grad Celsius an seiner Oberfläche und einer Atmosphäre, die dünner ist als die Luft auf dem Mount Everest. Sollten eines Tages einmal Menschen zum Mars reisen, so wäre ein Überleben an solch einem unwirtlichen Ort nur mit Schutzanzug und Atemgerät möglich. Eine "neue Heimat" für uns Menschen ist der rote Planet nicht.

Die Internationale Raumstation kreuzt den Nachthimmel

Zurück am Potsdamer Nachthimmel haben Raumfahrtfans ihre Freude daran, einen Überflug der Internationalen Raumstation (ISS) zu beobachten. Als hell leuchtender Punkt zieht sie in wenigen Minuten von West nach Ost über den Nachthimmel. Neben vielen weiteren Zeitfenstern in den kommenden Wochen bieten sich besonders folgende Gelegenheiten zur Beobachtung der ISS am Himmel über Potsdam an: am Samstag, dem 26. September, ab 20.11 Uhr; am Sonntag, dem 27. September, ab 21 Uhr und am Montag, dem 28. September, ab 20.13 Uhr. Details zu den Überflügen und weitere Zeitfenster unter www.astroviewer.net

Diesen Herbst heißt es „Mars im Fokus“ im Urania-Planetarium in der Gutenbergstraße 70/71. Am 7. Oktober um 18 Uhr erhalten Besucher in einer Sonderveranstaltung Informationen zur guten Sichtbarkeit des Mars und zu den Raumfahrtmissionen, die  dorthin unterwegs sind.

Immer freitags um 19.30 Uhr erklären Planetariumsmitarbeiter den Anblick des aktuellen Sternenhimmels. Alle Veranstaltungsformate und Termine unter www.urania-planetarium.de 

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