• Meldeportal Maerker: Potsdamer meckern über Straßen, Müll und Abstandsregeln

Meldeportal Maerker : Potsdamer meckern über Straßen, Müll und Abstandsregeln

Die Stadt Potsdam hat Bilanz ihres Beschwerdemanagements gezogen - und die beliebtesten Beschwerdethemen genannt. Das Portal Maerker ist nach sechs Monaten nun wieder am Netz.

Illegaler Sperrmüll im Wohngebiet "Am Schlaatz" in Potsdam.
Illegaler Sperrmüll im Wohngebiet "Am Schlaatz" in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Sie wollen einen Falschparker melden? Dann rufen Sie unter Tel.: (0331) 289 16 42 das Ordnungsamt an. Für unliebsamen Glasbruch auf der Straße gibt es unter Tel.: (0331) 289 40 00 das Scherbentelefon. Für den störenden Poller vor dem Haus, die dauerkaputte Ampel oder den immer weiter wachsenden Sperrmüllhaufen hingegen ist das Online-Beschwerdeportal Maerker Potsdam zuständig.

Seit zehn Jahren ist das so, und es wäre auch 2020 so gewesen. Allerdings habe das Portal erst wegen des Cyberangriffs auf das Rathaus und danach wegen der Coronakrise offline gestellt werden müssen, sagte Dieter Jetschmanegg (SPD), Dezernent für Zentrale Verwaltung, am Mittwoch vor Journalisten. Seit Wochenbeginn ist es wieder verfügbar – und die Stadt zog eine Bilanz der Nutzung des Beschwerdeportals. Freilich nicht für 2020, sondern für 2018.

Dass man nicht aktueller sein konnte, sei ebenfalls der Coronakrise geschuldet, sagte Stefan Schulz, der Interims-Fachbereichsleiter für Kommunikation und Partizipation. Viele Kollegen hätten in anderen Bereichen aushelfen müssen, daher hinke man bei der Auswertung aktuell noch hinterher.

Dauerbrenner Straße und Müll

Insgesamt 2681 Bürgerhinweise sind 2018 auf Maerker eingegangen, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Massiv gestiegen ist die Zahl der anonymen Hinweise, die allein 85 Prozent der Gesamtsumme ausmachten. Inhaltlich sind die Dauerbrenner von 2018 dieselben wie in den Vorjahren – nämlich die „Straßen und Wege“ sowie das Thema „Abfall/Müll“. Allein in diesen beiden Kategorien wurden jeweils gut 1000 Probleme gemeldet. Für den größten Verdruss sorgten in ersterem Themenbereich die Falschparker, Probleme auf Gehwegen, mit der Beschilderung oder mit Fahrbahnmarkierungen sowie Straßenschäden. 

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In der zweiten Kategorie stehen Sperrmüllhaufen und generell „diverse Müllablagerungen“ einsam an der Spitze des Ärgernis-Rankings. In den Augen der Bürger hat sich das Müllproblem offenbar dramatisch verschärft: Die Anzahl der Hinweise hat sich gegenüber 2017 fast verdoppelt. Weitere Problemfelder betrafen, allerdings mit deutlichem Abstand zu den beiden Spitzenreitern, öffentliche Grünanlagen und Spielplätze (gut 200 Hinweise), Vandalismus (110), Straßenbeleuchtung (76) sowie Geruchs- und Lärmbelästigung (62). Die meisten Hinweise betrafen den Schlaatz, in den beiden Vorjahren war es die Innenstadt.

Teils lange Bearbeitungszeit

Gehapert hat es 2018 mit der Dauer der Bearbeitung. Zwar konnte gut ein Drittel der eingegangenen Hinweise innerhalb einer Woche bearbeitet werden, höher war mit 36 Prozent aber der Anteil, bei dem die Bearbeitung länger als vier Wochen gedauert hat. Zumindest zum Teil lasse sich das mit der „Komplexität der Vorgänge“ erklären, sagte Schulz. In diesen Fällen hätten zur Lösung des Problems oft dritte Parteien befragt werden müssen, etwa der Verkehrsbetrieb ViP, die Bahn oder der Landesbetrieb Straßenwesen.

Noch ausbaufähig ist die Beteiligung der Potsdamer auf dem Portal Maerker Plus. Es wurde 2017 eingerichtet, dient aber nicht der Meldung akuter und konkreter Probleme, sondern als Diskussionsplattform, auf der zu bestimmten Themen auch Verbesserungsvorschläge gemacht werden können. Auf von der Stadt selbst eingestellte Forenthemen zu Orts- oder Stadtteildialogen im Norden, am Schlaatz oder in Potsdam-West, gab es wenig bis keine Reaktionen.

Beschwerden in der Coronakrise

In diesem Jahr galt das Hauptaugenmerk im Beschwerdemanagement der Stadt der Coronakrise. Fast 1200 Bürgeranfragen und -anliegen beantwortete die eigens eingerichtete Corona-Beschwerdestelle zwischen April und Ende Juni. Die meisten betrafen die Öffnungen von Geschäften, Restaurants, Sportanlagen und Spielplätzen, Hygienebestimmungen oder ganz generell die Regelungen der jeweils geltenden Eindämmungsverordnungen des Landes.

Neun Mitarbeiter hatte die Corona-Beschwerdestelle zu ihren Hochzeiten, jetzt, in Zeiten geringerer Infektionszahlen, sind es nur noch zwei. Ebenso viele kümmern sich übrigens auch um die Bearbeitung der Maerker-Beschwerden. Ob und wann die Beschwerdestelle aufgelöst wird, hänge nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie in Potsdam ab, sagte Jetschmanegg. Bei Bedarf könne sie personell auch wieder aufgestockt werden. 

Ohnehin habe sich die Stelle bewährt, weil sie sehr eng an den Sorgen und Nöten der Bürger dran gewesen sei, so der Dezernent. Man habe sich bei der Beantwortung der Fragen auch sehr um Empathie bemüht und darauf geachtet, nicht in Amtsdeutsch zu antworten, sagte Antje Burke von der Beschwerdestelle. Dort meldeten sich übrigens auch Touristen, die sich darüber wunderten, dass in manchen Restaurants der Stadt die Bedienung keine Masken trägt oder Abstandsregeln nicht eingehalten würden. Solche Hinweise meldet Burke direkt weiter ans zuständige Ordnungsamt.

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