• Mehr Rückstellungen: Potsdamer Kinder bleiben länger in der Kita

Mehr Rückstellungen : Potsdamer Kinder bleiben länger in der Kita

Mehr als in den Vorjahren: 220 Potsdamer Kinder bleiben länger in der Kita und werden erst später eingeschult. Die Gründe dafür sind verschieden.

Mehr Kinder in Potsdam bleiben länger in den Kitas.
Mehr Kinder in Potsdam bleiben länger in den Kitas.Foto: Monika Skolimowska/dpa

Potsdam - Im Winter ist jene Jahreszeit, in der Eltern eine Entscheidung treffen müssen: Schicken sie ihre Kinder, die das Grundschulalter erreicht haben, in die Schule oder lassen sie sie wegen vorhandener Defizite noch ein Jahr in der Kita?

Die Zahl dieser sogenannten Rückstellungen ist in den vergangenen Jahren in Potsdam gewachsen. Das zeigt jetzt eine Aufstellung des Bildungsministeriums, die der Landtagsabgeordnete Steeven Bretz (CDU) mit einer Kleinen Anfrage angefordert hat. Demnach lag der Anteil der Kinder, die in ihrer Altersklasse zurückgestellt werden, vor rund zehn Jahren noch bei Werten zwischen sieben und neun Prozent – Mitte 2016 und Mitte 2017 lagen die Werte bei 14,2 und 12,3 Prozent. In absoluten Zahlen betreffe das rund 220 Kinder, die noch ein Jahr länger in die Kita gehen. Landesweit habe die Quote der Rückstellungen zuletzt 15,8 Prozent betragen, in Brandenburg a.d. Havel waren es sogar 17,9 Prozent.

Welche Rolle spielt das beitragsfreie letzte Kitajahr?

Die Gründe für diese Entscheidung seien laut Ministerium vor allem Defizite bei der Sprache, der Ausdauer oder etwa emotionale beziehungsweise motorische Entwicklungsverzögerungen. Die Stadt müsse die Rückstellerquote auch bei ihren Kitaplanungen berücksichtigen, merkte das Land an. Bretz fragte auch, ob das beitragsfreie letzte Kitajahr eine Rolle bei der steigenden Quote spielt – denn Eltern, die nach Absprache mit Ärzten und Stadtverwaltung zurückstellen lassen, müssen nun zweimal keinen Beitrag mehr zahlen. Doch dieses Thema „dürfte“ laut Ministerium keinen Einfluss auf die Entscheidung haben – schon mit Blick auf das Kindeswohl. Daran zweifelt Bretz: „Woher die Landesregierung diesen Optimismus nimmt, bleibt unklar.“ Das Land müsse die Stadt beim Problem der Kitaplätze in Potsdam generell stärker unterstützen.

Stadt beobachtet die Entwicklung

Potsdams Bildungsdezernentin Noosha Aubel teilte wiederum auf PNN-Anfrage mit, man beobachte zusammen mit dem Land und dem Gesundheitsamt die Entwicklung – sowohl die steigende Zahl der Rückstellungen als auch die Abnahme vorzeitiger Einschulungen. Dieser Anteil lag zuletzt bei nur noch 1,2 Prozent. In den 2000er Jahren lag er noch bei 2,9 Prozent. Zur Motivation der Eltern für die Entscheidung zur Rückstellung oder vorzeitigen Einschulung lägen keine detaillierten Angaben vor, etwa aus Befragungen. Aubel sagte, Veränderungsspielräume lägen ausschließlich aufseiten des Gesetzgebers, also des Landes.

Autor