• Mehr Kandidaten als jemals zuvor: Warum sich so viele Potsdamer für den Migrantenbeirat bewerben

Mehr Kandidaten als jemals zuvor : Warum sich so viele Potsdamer für den Migrantenbeirat bewerben

So viele waren es noch nie: In diesem Jahr treten 30 Kandidaten für den Migrantenbeirat an. Aber was macht das Gremium eigentlich?

Naima Wolfsperger
23 der 30 Kandidaten für die Wahl zum Potsdamer Migrantenbeirat haben sich am Montag vorgestellt.
23 der 30 Kandidaten für die Wahl zum Potsdamer Migrantenbeirat haben sich am Montag vorgestellt.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Starke Mütter geben ihre Kraft und ihr Wissen an Kinder weiter, findet Melanie Klockmann. Deshalb will sich die 37-Jährige im Potsdamer Migrantenbeirat vor allem für Mütter einsetzen. Die Frau mit mexikanischen und deutschen Wurzeln arbeitet in dem Verein Mamis Moviemento, der ein Netzwerk für spanischsprechende Mütter bildet. „Es ist wichtig, die Frauen zu stärken und zu bilden. Meist haben sie weniger Zeit für Sprachkurse, darauf muss man gezielt eingehen und etwas daran ändern“, sagt sie bei der Vorstellung der Kandidaten für die Wahl des Migrantenbeirates im Quartierstreff im Staudenhof am Montag.

Der Migrantenbeirat ist ein beratendes Gremium, das seit 1994 parallel zur Kommunalwahl gewählt wird – so auch dieses Jahr am 26. Mai. Aufgabe des Rates ist es, den Potsdamern mit ausländischem Pass, die nicht an regulären Wahlen teilnehmen dürfen, eine Stimme zu geben. Gewählt werden können Menschen, die mindestens seit drei Monaten in Potsdam leben und mindestens 18 Jahre alt sind – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.

„Geflüchtete haben oft Probleme mit den bürokratischen Prozessen in Deutschland. Weil ich es selbst erlebt habe, möchte ich sie unterstützen und helfen, Hürden zu überwinden“, sagt Kandidat Baghlani Hassibullah. Der Fachinformatiker aus Afghanistan arbeitet unter anderem ehrenamtlich als Dolmetscher. „Ich will mich dafür einsetzen, dass es zwischen Migranten und Deutschen nicht mehr diese unsichtbare Grenze gibt“, sagt der 26-Jährige.

So viele Kandidaten wie noch nie

Mit 30 an der Zahl stehen für diese Wahl so viele Kandidaten auf der Liste wie noch nie. Eine logische Konsequenz, schließlich gibt es mit rund 16 000 Wahlberechtigten mit ausländischer Staatsbürgerschaft fast doppelt so viele wie noch 2014. Deshalb ist für die Wahl in diesem Jahr auch die Zahl der Mitglieder des Gremiums von neun auf elf angehoben worden.

Auf einen dieser elf Plätze bewerben sich nun 30 Kandidaten aus 13 Nationen, darunter 17 Frauen. Neben Menschen aus Afghanistan, Syrien und Russland sind auch Deutsche, eine Italienerin und eine Amerikanerin vertreten. Die Vielfalt macht deutlich, dass die Arbeit des Beirats nicht nur, aber auch die Interessen Geflüchteter vertritt.

Für ein freundschaftliches Miteinander

Folgt man den Begründungen der Kandidaten, warum sie sich im Beirat engagieren möchten, steht der gesellschaftliche Aspekt, ein freundschaftliches Miteinander, klar im Zentrum. Das ist auch für Abdallah Fouad ein Anliegen. Der 45-Jährige aus dem Libanon ist seit knapp 20 Jahren in Deutschland und schon längst eingebürgert. Bei der Kommunalwahl 2014 hat er für die Potsdamer Demokraten bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung kandidiert. Heute ist er SPD-Mitglied. Die Parteimitgliedschaft spielt im Beirat aber keine Rolle, betont er, die Mitglieder engagierten sich ehrenamtlich. Fouad würde gerne die Bildungschancen für Kinder mit Migrationshintergrund verbessern. Außerdem wünscht er sich eine stärkere Sichtbarkeit des Migrationsbeirats. Bisher sei zu wenig getan worden: „Wer sich nicht genug engagiert, den kennt auch keiner“, sagt er und kritisiert damit, als einer der wenigen, die Arbeit des Beirats in der vergangenen Legislaturperiode.

Marco Savatzky ist einer der deutschen Kandidaten, die sich für die Wahl aufgestellt haben: Der 43-Jährige arbeitet im Flüchtlingscafé Babelsberg. Er findet nicht, dass der Migrantenbeirat zu wenig getan hat: „Ich kandidiere, um die gute Arbeit des Beirats zu unterstützen und dabei zu helfen, sie auszubauen.“

Die Kandidaten stellen sich in den kommenden Wochen öffentlich vor: Am 2. Mai (16.30 Uhr) im Projekthaus Babelsberg, am 11. Mai (16 Uhr) im Quartierstreff Staudenhof, am 14. Mai (17 Uhr) im Begegnungszentrum Oskar und am 22. Mai (17 Uhr) beim Verein Soziale Stadt Potsdam e.V.


Superwahltag am 26. Mai

Wenn man so will, ist der 26. Mai ein Superwahltag, denn die Wahl zum Migrantenbeirat findet gleichzeitig mit der Kommunal- und Europawahl statt. Bei der Kommunalwahl werden Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Wahlberechtigt sind Deutsche und EU-Bürger, die älter als 16 Jahre sind und ihren ständigen Wohnsitz seit mindestens drei Monaten in Potsdam haben. Das gilt auch für die Wahl der Ortsbeiräte. Wahlberechtigt für die Europawahl sind Deutsche und EU-Bürger ab 18 Jahre, die in Potsdam gemeldet sind. 

Den Migrantenbeirat dürfen alle Potsdamer ab 16 Jahren mit ausländischem Pass wählen, die mindestens drei Monate in der Landeshauptstadt gemeldet sind. Das gilt auch für Deutsche mit einer zweiten Staatsangehörigkeit. Die Wahl findet in Form einer Briefwahl statt. Die Unterlagen werden am 26. April versandt. Zwischen 29. April und 26. Mai können die Wahlunterlagen per Post an das Wahlbüro der Landeshauptstadt Potsdam gesandt oder abgegeben werden. Zusätzlich werden an mehreren Stellen in der Stadt Wahlurnen aufgestellt. Eine entsprechende Liste, wo die Urnen zu finden sind, soll noch veröffentlicht werden. Der Wahlbrief kann aber auch am Tag der Kommunal- und Europawahl in allen Wahllokalen der Stadt abgegeben.

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