Potsdam : Mehr Honig und weniger Stiche

Bienen sind heute braver und fleißiger als früher – 150 Jahre Imkerverein Groß Potsdam e.V.

Auch heute noch wandern Imker mit ihren Bienenwagen in die Baumblüte. Etwa ein Dutzend hat der „Wanderobmann“ des Imkervereins Groß Potsdam e.V., Kurt Brose, jährlich zu betreuen. Er teilt ihnen das Revier zu und organisiert die Aufenthalte. Aus Potsdam ist der erfahrene Imker allerdings mit seiner Familie der einzig verbliebene „Wanderer“. Die meisten Anmeldungen kommen aus den alten Bundesländern.

Kurt Brose gehörte zu den Vereinsmitgliedern, deren ehrenamtliches Engagement gestern Nachmittag durch den Vorsitzenden des Verbandes Brandenburgischer Imker, Reiner Gabriel, gewürdigt wurde. Anlass dafür bot das 150-jährige Bestehen des Imkervereins. Am 19. Mai 1858 war er unter dem Vorsitz eines Oberstleutnants von Wedel gegründet worden und hatte in Hofgärtner Emil Sello und dem Reformpädagogen Schulrat Wilhelm von Türk äußerst prominente Paten. Zu den Mitgliedern zählten Lehrer und Pastoren, denen der Honigverkauf eine Aufbesserung ihrer schmalen Gehälter brachte.

In seinem geschichtlichen Rückblick schilderte Friedrich-Wilhelm Kroop, seit 34 Jahren Vereinsvorsitzender, das Auf und Ab der Potsdamer Imkerei, die manch kritische Phase überstehen musste. Dazu zählte das Schrumpfen der Bienenweide, als mit der preußischen Agrarreform in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Ödland wieder unter den Pflug genommen wurde, vor und nach dem Kriegsende 1945 der Mangel an Zucker als Nahrung für die Honigsammlerinnen und ab den 80er Jahren dann Bienenseuchen, die bis heute ganze Völker dahinraffen können.

Die Potsdamer Imker haben darauf stets offensiv reagiert. In Emil Preuß, Rechnungsrat am Kaiserlichen Rechnungshof, und dem aus einer Gärtnerfamilie stammenden Max Kuntzsch brachten sie zwei Größen der deutschen Imkerei hervor. Preuß war 1882 auf seinem Grundstück in der Persiusstraße ein Bienenschwarm zugeflogen. 1899 setze er mit seinem Fachbuch „Meine Betriebsweise“ (1899) neue Maßstäbe für eine moderne Bienenwirtschaft. Gleiches gelang Kuntzsch mit dem Titel „Imkerfragen“ (1912). Sein Nowaweser Bienenstand in der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße galt als Muster an Zweckmäßigkeit. Diesen Traditionen folgen die Vereinsmitglieder bis heute. So haben sie einen hartnäckigen Kampf geführt, um Ameisensäure als wirksames Mittel gegen die Bienenseuche durchzusetzen.

Durch die Zucht haben sie dazu beigetragen, dass es die für die 50er und 60er Jahre typischen angriffslustigen Bienen nicht mehr gibt. Heute sind sie wenig angriffslustig und außerdem viel fleißigere Honigsammlerinnen als vor fünf Jahrzehnten, erklärte Kroop. Wer in der Nachbarschaft eines Imkers lebe, habe keinen Bienenstich mehr zu befürchten.

Problem auch der Potsdamer Imker ist, dass ihre Zahl seit der DDR-Zeit erheblich geschrumpft ist. Damit sind auch die für die Landwirtschaft wichtigen Bestäubungsleistungen durch die Bienen zurückgegangen. Der Vereinsvorsitzende drückte deshalb die Hoffnung aus, dass die Imkerei künftig vom Bund und den Ländern wieder stärker gefördert wird.