• Mediengipfel in Potsdam: Putin-Gegner Nawalny erhält M100 Media Award

Mediengipfel in Potsdam : Putin-Gegner Nawalny erhält M100 Media Award

Nawalny gilt als schärfster Gegner des russischen Präsidenten. Derzeit verbüßt er eine Haftstrafe. Den Preis nimmt der engste Vertraute des Oppositionellen entgegen.

Alexei Nawalny verbüßt derzeit eine zweieinhalbjährige Lagerhaft.
Alexei Nawalny verbüßt derzeit eine zweieinhalbjährige Lagerhaft.Foto: dpa

Potsdam - Der inhaftierte russische Kremlgegner Alexei Nawalny und seine Antikorruptionsstiftung FBK erhalten in diesem Jahr den M100 Media Award. Der Preis wird am 6. Oktober im Schlosstheater des Neuen Palais in Potsdam im Rahmen des Mediengipfels M100 Sanssouci Colloquium verliehen. Das teilten die Veranstalter am Freitag mit. 

Nawalny gilt als der schärfste Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er war im Februar zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden, weil er gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland von einem Mordanschlag erholte. Das Urteil wurde international vielfach als politisch motiviert kritisiert.

"Nawalny ist ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit"

Die Laudatio wird der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner halten. „Alexei Nawalny ist ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit, Transparenz und Demokratie“, sagte Lindner. „Trotz rechtswidriger Haft kämpft er weiter für ein freies und demokratisches Russland. Es ist mir eine Ehre, die Laudatio beim M100 Media Award auf Alexei Nawalny halten zu dürfen.“

Den Preis nimmt nach Angaben der Veranstalter Leonid Volkov entgegen, der engste Mitarbeiter Nawalnys. Die Preisvergabe diene auch als Symbol für fast 400 politische Gefangene in Russland, für ermordete Politiker und Journalisten und für den Kampf gegen zunehmenden Autokratismus in Europa, hieß es in der Mitteilung.

„Ich bin geehrt und stolz, den M100 Media Award im Namen von Alexei Nawalny und der Anti-Corruption Foundation entgegenzunehmen“, sagte Volkov. „Es ist sehr wichtig, dass seine und unsere Aktivitäten, mit denen wir in den letzten zehn Jahren auf Korruption aufmerksam gemacht haben und die Botschaft von Freiheit durch soziale Medien verbreitet haben, auch in Europa anerkannt werden.“

Nawalny wurde im Januar verhaftet

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde auf Nawalny ein Mordanschlag verübt. Er war am 20. August 2020 auf einem innerrussischen Flug zusammengebrochen. Zunächst wurde er in Omsk behandelt, dann aber in die Berliner Charite verlegt. Dort wurde eine Vergiftung mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe festgestellt. 

Die Regierung in Moskau hat wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, russische Behörden könnten versucht haben, den Putin-Gegner zu töten. Nawalny wurde im Januar bei der Rückkehr in seine Heimat festgenommen. Derzeit verbüßt der 45-Jährige seine Haft in einer Strafkolonie östlich von Moskau. Seine Organisationen wurden als extremistisch eingestuft und verboten.

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Mit der Wahl Nawalnys setze der Beirat des M100 Sanssouci Colloquiums unter Vorsitz des Potsdamer Oberbürgermeisters Mike Schubert (SPD) ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der Verteidigung europäischer Werte durch eine unabhängige Opposition und Zivilgesellschaft, faire Justizverfahren und das Recht auf Ausübung grundlegender Menschenrechte, hieß es.

Der Preis M100 wird seit 2005 jährlich an Menschen vergeben, die sich für die europäische Verständigung sowie Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Im Vorjahr wurde der ungarische Journalist Szabolcs Dull mit dem Media Award ausgezeichnet. Weitere Preisträger sind unter anderem der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel, der Ex-Boxer und ukrainische Politiker Vitali Klitschko, der ehemalige FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher und das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo".

Mediengipfel als hybrides Format

Die internationale Medienkonferenz findet in diesem Jahr unter dem Titel „From Crisis in Perpetuity to Democratic Resilience“ (Von der Dauerkrise zu demokratischer Resilienz) statt, und zwar in einem hybriden Format. 

Rund 100 Medien- und Meinungsmacher:innen aus Europa und den USA diskutieren den Angaben zufolge über die Krisenfestigkeit der Demokratie, die Folgen der Corona-Pandemie, das Verhältnis von Politik, Wissenschaft und Medien, Gründe für ein Anwachsen antidemokratischer, autokratischer Herrschaftsformen sowie über Verantwortung und aktuelle Herausforderungen der Medien in dieser Gemengelage. (mit dpa/AFP)

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