• Mauerfall: Interaktive Ausstellung in der Lindenstraße

Mauerfall : Interaktive Ausstellung in der Lindenstraße

In der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam können sich Schulklassen und andere Besucher in einer neuen Schau mit der Grenze, dem Warenverkehr, Flucht und dem Mauerfall beschäftigen.

Sophie Laass
Einsatz erwünscht. In der Lindenstraße erinnert man an die Mauer.
Einsatz erwünscht. In der Lindenstraße erinnert man an die Mauer.Andreas Klaer

Die Revolution braucht ihre Kinder: Konrad und Theodor Kietzmann machen in der Gedenkstätte Lindenstraße möglich, dass sich ihre Eltern aus DDR und BRD treffen können. Mit einem Holzstück lenken die beiden eine pfeilförmige Menschenmasse gegen den antifaschistischen Schutzwall. Graue Betonwände fallen um wie Dominosteine. „Die Mauer zum Einsturz bringen – das könnt ihr gut“, sagen auch ihre Eltern.

Die deutsch-deutsche Familie ist zu Besuch in einer neuen Ausstellung der Gedenkstätte Lindenstraße zur Berliner Mauer, die am Donnerstag eröffnet hat. Interaktive Materialien zu Grenzübergang, Warenkontrolle, Verkehr, Flucht und Mauerfall sollen Kinder und Erwachsene ins Gespräch bringen. „Komm doch mal rüber“ lautet ihr Titel – in den zwei Sackgassen der Berliner Chausseestraße wie auch im nahen Potsdam damals schwer umzusetzen. Stiftungsleiterin Uta Gerlant und Susanne Kschenka, Referentin des Landes Brandenburgs zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, wollen mit der Ausstellung zu mehr Bewusstsein anregen. „Gerade ältere Generationen wissen oft nicht, wie sie mit ihrer Familie über die Mauer reden sollen“, sagt Kschenka. Für eine Diskussion über die Teilungserfahrung gebe es wenig Anknüpfungspunkte: „Hier bekommen sie einen Grund dazu.“

Wege und Irrwege der Flucht

So können Familien in der Lindenstraße testen, welche Voraussetzungen es brauchte, um einen Verwandten in West- oder Ostberlin zu besuchen. Auch die verschiedenen Wege und Irrwege einer Republikflucht werden aufgezeigt. Fotografien von der Chausseestraße sowie ein kurzer Text beschreiben die damaligen Lebensverhältnisse. Es sind wenige Informationen – dafür aber solche mit Erinnerungswert.

Die Ausstellung macht Erinnerung in Form von Projektwerkstätten auch für Schulklassen erlebbar und ist als Leihgabe des Berliner Forums für Geschichte und Gegenwart e.V. noch bis zum 17. November zu sehen. Konrad und Theodor können so nicht nur die Mauer zum Einsturz bringen, sondern auch verstehen, warum sie das tun. Besucher wie Organisatoren finden das wichtig in einer Zeit, in der mental bereits neue Grenzen gezogen würden.