• Mauerfall 1989: Entlang an der ehemaligen Grenze in Potsdam

Mauerfall 1989 : Entlang an der ehemaligen Grenze in Potsdam

Die Stelen entlang des Jungfernsees, mit denen an die einstige Grenze in Potsdam erinnert werden soll, lassen noch auf sich warten. Immerhin online kann man diese schon jetzt erkunden.

Die Grenze verlief auch entlang der Schwanenallee, wo sich Freiwillige zur Ausbesserung der Straße trafen. 
Die Grenze verlief auch entlang der Schwanenallee, wo sich Freiwillige zur Ausbesserung der Straße trafen. Foto: Stadtarchiv/Fotograf unbekannt

Potsdam - Die Stelen stehen noch nicht, immer noch nicht. Eigentlich hätten sie im Frühjahr dieses Jahres aufgebaut werden sollen: Informationstafeln, die an die frühere Grenze in Potsdam erinnern. Auch zum Jahrestag des Mauerbaus im August wurde nichts daraus, und der heutige Jahrestag des Mauerfalls wird ebenso ohne Einweihung verstreichen. Pünktlich zum 9. November ist jetzt aber immerhin die zugehörige Webseite grenze-potsdam.de veröffentlicht worden – mit vielen Informationen, eindrücklichen Bildern und teils bislang unveröffentlichtem Material.

Grafik: Pieper-Meyer/PNN

Der Pfad, den federführend das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) erarbeitet hat, wird von der Glienicker Brücke Richtung Norden bis zum Schiffsübergang Nedlitz führen. An acht Stationen sollen die Stelen aufgestellt werden. Sie sind längst fertig und mit Text, Bildern und Karten bestückt. Es fehlen allerdings noch ein paar letzte Abstimmungen, so ZZF-Historikerin Florentine Schmidtmann am Donnerstag auf PNN-Anfrage. Sie hat für das Projekt das Leben an der DDR-Grenze erforscht, Dokumente und Bilder zusammengetragen. Sie gehe aber davon aus, dass es noch dieses Jahr einen Termin geben wird. So lange können sich Interessierte online auf den Pfad begeben. Hier sind deutlich mehr Fotos als auf den physischen Stelen zu sehen, außerdem gibt es hier auch Videos und Dokumente. Kernstück der Seite ist eine interaktive Karte, auf der die künftigen Stelen-Standorte angeklickt werden können. Es gibt auch eine mobile Version für das Handy.

Glienicker Brücke wurde bereits 1952 für den Autoverkehr gesperrt

Los geht es an der Glienicker Brücke mit den Grenzanlagen am Jungfernsee. Ein Text beschreibt die Rolle der Brücke während der Teilung. Der Leser erfährt etwa, dass sie schon 1952 für den zivilen Autoverkehr gesperrt wurde, später als Grenzübergang für Diplomaten genutzt wurde und weltweite Berühmtheit durch den Austausch mehrerer Agenten zwischen den USA und der Sowjetunion erlangte.

Die Glienicker Brücke war schon ab 1952 für den zivilen Autoverkehr gesperrt.
Die Glienicker Brücke war schon ab 1952 für den zivilen Autoverkehr gesperrt.Foto: BStU

Mehr als ein Dutzend Bilder sind zudem von der Brücke zu sehen. Sie zeigen, wie Grenzerhäuschen und Schlagbäume das Bauwerk verunstalteten. Ebenso sind Grenzer bei der Kontrolle von Fahrzeugen zu sehen, Spuren von Fluchtversuchen und schließlich eine lange Kolonne von Autos, die sich Anfang 1990 über die nun offene Grenze nach West-Berlin schiebt. Auch einige Privatbilder sind darunter, zum Beispiel sind dort zwei Männer zu sehen, die mit einem Farbroller die Grenzmarkierung in der Mitte der Brücke nachziehen.

Auch von der Schwanenallee (Station 2) gibt es Bilder von imposanten Grenzanlagen, aber auch ein Privatbild von einem Freiwilligeneinsatz. Sechs Männer sind hier schwer beschäftigt, sie bauen einen Wasseranschluss. Offenbar ist es heiß, einige haben ihre Hemden ausgezogen.

Zerstörung historischer Parkanlagen durch den Mauerbau

Dann geht es hinauf zum Quapphorn im Neuen Garten. Dass auch dort in der Nähe der Eremitage eine Stele stehen kann, ist erst seit dem Frühjahr klar – die Schlösserstiftung hatte sich dagegen mit Verweis auf den Welterbestatus lange gewehrt. An dieser Station wird nun über die Zerstörung der historischen Parkanlagen durch den Bau der Mauer und die Wiederherstellung der Gartenflächen nach dem Mauerfall informiert.

So erfährt der Besucher, wie hier Pflanzen zerstört und Sichtachsen zugemauert wurden, wie Gebäude verfielen und die öffentliche Badestelle am Quapphorn geschlossen wurde. Zu lesen ist auch die Anekdote vom Besuch des UNO-Generalsekretärs Kurt Waldheim, der sich nach einem Aufenthalt in Schloss Cecilienhof über den Blick auf die Grenzanlagen beschwerte. Daraufhin sollten Kletterpflanzen die Hinterlandmauer verdecken – doch weil der Boden hier im Todesstreifen mit Unkrautvernichtungsmittel verseucht war, wollten die Pflanzen nicht so wie das Grenzregime.

Villen in der Bertinistraße wurden als Kaserne oder Lebensmittelladen genutzt

Über die damals fast verfallene Meierei (Station 4) führt der Pfad zu den Villen an der Bertinistraße, die zu DDR-Zeiten etwa als Kaserne, Altenheim oder Lebensmittelladen genutzt wurden. Als Beispiele werden die Villa Mendelssohn Bartholdy und die Villa Hagen genannt. 

Erstere diente zunächst als Seeschifffahrtsamt, später als Studentenwohnheim und Unterkunft für Arbeiter des VEB Bau- und Montagekombinats. Auf den Bildern ist zudem der Konsum zu sehen, der im ehemaligen Kutschstall untergebracht war. Die Villa Hagen diente hingegen als Rechenzentrum des VEB Informationsverarbeitung Potsdam – auch dies ist auf Bildern und einem Video auf der Webseite zu sehen.

Fluchten unter und auf dem Wasser sollten verhindert werden

Auf dem Grundstück der Villa Starck (Station 6) war die Bootskompanie der DDR-Grenztruppen stationiert, deren Aufgabe es war, alliierte und Westberliner Militär-, Polizei-, und Zollboote zu beobachten – und Fluchten unter und auf dem Wasser zu verhindern. Ein Stück weiter nördlich kam dann die Bertini-Engstelle (Station 7) und dann der Grenzübergang Nedlitz – die achte und letzte Station der Informationsstelen.

Sieben Kilometer der Grenze in Potsdam verliefen im oder entlang des Wassers.
Sieben Kilometer der Grenze in Potsdam verliefen im oder entlang des Wassers.Foto: BStU

Das Konzept für den Pfad wurde gemeinsam mit dem Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ erarbeitet, der sich seit Jahren für den Erhalt der letzten Zeugnisse der Mauer, die geschichtliche Aufarbeitung und die Dokumentation einsetzt. Gefördert wurde das Projekt vom Land Brandenburg und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

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