• Magna Steyr schließt Werk in Potsdam: Automobilzulieferer muss kein Fördergeld erstatten

Magna Steyr schließt Werk in Potsdam : Automobilzulieferer muss kein Fördergeld erstatten

Magna Steyr ist in Potsdam nun Geschichte. Der österreichische Automobilzulieferer hat sein Werk am Hauptbahnhof geschlossen - und laut ILB Auflagen für Fördergelder weitgehend erfüllt.

Geschlossen. Das Werk von Magna Steyr neben dem Hauptbahnhof.
Geschlossen. Das Werk von Magna Steyr neben dem Hauptbahnhof.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der österreichische Automobilzulieferer Magna Steyr muss wegen seiner zum Jahresende geplanten Werksschließung in Potsdam offenbar doch nicht Fördermittel in beträchtlichem Umfang zurückzahlen. Das zumindest geht aus einer ersten aktuellen Einschätzung der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) hervor. „Magna Steyr hat den überwiegenden Teil der Auflagen erfüllt. Das Anhörungsverfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen“, teilte ILB-Sprecher Matthias Haensch jetzt auf PNN-Anfrage mit. Zu Details wollte sich Haensch mit Verweis auf das noch laufende Verfahren aber nicht äußern.

Magna Stayr verabschiedet sich nach nur vier Jahren aus Potsdam 

Die Auflagen für eine Förderung in Höhe von mehr als drei Millionen Euro hatte Magna Steyer wie berichtet 2011 mit der Übernahme des Standortes vom damals angeschlagenen baden-württembergischen Tanksystemespezialisten Erhard & Söhne aus Schwäbisch Gmünd übernommen. Vergangenen Juni hatte nun Magna Steyr, das am Standort unter anderem Druckluftbehälter für Bremssysteme fertigen ließ, angekündigt, sich nach nur vier Jahren ebenfalls aus Potsdam verabschieden zu wollen. Daraufhin hatte die ILB Zweifel geäußert, dass die mit der Förderung verbundenen Bindefristen bereits abgelaufen seien und ein Anhörungsverfahren eröffnet.

Die Hoffnung, dass sich für das Werk bis Jahresende noch ein geeigneter Käufer findet, hat sich offensichtlich zerschlagen. Am gestrigen Mittwoch war offiziell letzter Arbeitstag im Werk an der Friedrich-Engels-Straße. Mitarbeiter oder Fahrzeuge waren auf dem Gelände aber nicht mehr zu sehen.

60 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen

Produziert wird bei Magna in Potsdam womöglich schon seit anderthalb Wochen nicht mehr. Als letzter Produktionstag war dem Vernehmen nach der 11. Dezember vorgesehen. Am 17. Dezember lief der letzte Druckluftbehälter vom Band. Grund für die Aufgabe der Fabrik sei, dass der Vertrag mit dem Hauptkunden Daimler zum 31. Dezember 2015 auslaufe und nicht verlängert werden konnte, hatte ein Magna-Sprecher damals mitgeteilt. Insgesamt sind von der Werksschließung 60 Mitarbeiter betroffen, davon 50 Festangestellte und der Rest Zeitarbeiter.

Für die festen Mitarbeiter hatte Magna Abfindungen vorgesehen. Mitarbeiter, die bis zum Ende die restlichen Aufträge abarbeiten, sollten zudem eine Art Durchhalteprämie in Form einer Einmalzahlung bekommen. In einem Aushang in der Fabrik, die sich nahe dem Hauptbahnhof befindet, hatte das Unternehmen den Beschäftigten zugesichert, sie dabei zu unterstützen, „eine neue Beschäftigung bei einer anderen Magna-Gruppe zu finden“.

Bauteile für Trucks - aber Daimler ließ Vertrag auslaufen

Nach PNN-Informationen hat bislang kein Mitarbeiter ein Übernahmeangebot von einem anderen Magna-Standort erhalten. Die nächstgelegenen Magna-Steyr-Standorte in Deutschland befinden sich in Wolfsburg und in Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen, wobei in der niedersächsischen VW-Stadt nicht produziert, sondern nur entwickelt wird. Zudem ist dort eine Vertriebsstelle angesiedelt.

In Potsdam hat Magna Steyr in erster Linie Bauteile für die Daimler-Trucksparte hergestellt. Verbaut wurden die Komponenten vor allem in der äußerst erfolgreichen Daimler-Baureihe Actros. Erst Anfang 2014 hatte Magna nach eigenen Angaben mit einer Investition im oberen sechsstelligen Bereich die Fertigungsstätte am Potsdamer Hauptbahnhof modernisiert.

Was aus dem Standort wird, ist unklar

Was aus dem Standort wird, ist unterdessen völlig unklar. Alle Bemühungen Magnas, einen Nachnutzer für die Produktionsstätte zu finden, waren nach PNN-Informationen bisher erfolglos. Gesprochen worden war dem Vernehmen nach unter anderem mit der ebenfalls aus Österreich stammenden Frauenthal Automotive GmbH. Die hat aber dann doch abgewunken. Nun will Magna Steyr angeblich die Produktionsanlagen separat verkaufen. Ein türkischer Automobilzulieferer soll Interesse haben. Auf PNN-Anfrage teilte Magna Steyr mit, man sei bezüglich der Immobilie noch in Gesprächen und sei „guter Hoffnung, hier eine Folgeregelung“ zu finden.

Noch vor vier Jahren wurde Magna Steyr in Potsdam als Retter gefeiert – weil die Österreicher die „Erhard & Söhne“- Belegschaft vor der Arbeitslosigkeit bewahrten und gleichzeitig den Traum vom Industriestandort Potsdam am Leben hielten. Damals stand „Erhard & Söhne“ kurz vor der Insolvenz. Rund 50 Mitarbeitern drohte die Kündigung. Als das Familienunternehmen 2008 sein Interesse am ehemaligen Gelände des Reichsbahnausbesserungswerkes bekannt gab, wurde die beabsichtigte Werksgründung als zweite große industrielle Wiederansiedlung nach Katjes gefeiert.

Wenige Mitarbeiter bleiben noch für "Endarbeiten"

An der Eröffnung im September 2009 hatten neben Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) auch der damalige Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) und der frühere Finanzminister Rainer Speer (SPD) teilgenommen. Rund 20 Millionen Euro hatte „Erhard & Söhne“ eigenen Angaben zufolge in den Standort investiert, dafür die genannte Förderung erhalten. Wann das Anhörungsverfahren abgeschlossen ist, ist noch unklar.

Ganz abgeschlossen ist das Kapitel „Magna Steyr in Potsdam“ auch für die Belegschaft noch nicht. Zumindest eine Handvoll Leute sollen dem Vernehmen nach noch für ein paar Monate bleiben und die Endarbeiten koordinieren. Spätestens Ende Juni 2016 sollen dann in der Friedrich-Engels-Straße endgültig die Lichter ausgehen. (mit mar)