• Leserpost zu Feuerwerksdebatte in Potsdam: „Rücksichtslose Böller- und Raketenregen“

Leserpost zu Feuerwerksdebatte in Potsdam : „Rücksichtslose Böller- und Raketenregen“

Sollte privates Feuerwerk in Potsdam verboten werden? Jetzt schalten sich PNN-Leser in die Debatte ein.

Was von Silvester bleibt.
Was von Silvester bleibt.Foto: Marijan Murat/dpa

Die Potsdamer Stadtverwaltung prüft ein „punktuelles Verbot von privatem Feuerwerk“. Darüber haben die PNN am Donnerstag berichtet und in einem „Pro & Contra“ von Peter Könnicke und Marco Zschieck auch Meinungen der Redaktion dazu veröffentlicht. Unsere Leser haben wir gebeten, uns ihre Meinungen zu einem „Böllerverbot“ mitzuteilen. Hier sind ihre Zuschriften.

Ich stimme der Argumentation von Peter Könnicke zum Böllerverbot zu und bin über die opportunistischen Äußerungen von Stadtpolitikern verwundert. Von wegen Kulturgut! Gerade die zu Silvester mit Sicherheit eintretenden Verletzungen Unbeteiligter sowie von Kindern sprechen für sich, von der Feinstaubmenge ganz zu schweigen. Wer den Neujahrsmorgen mit einem Lauf – oder wie ich – mit einer Radtour beginnt, muss zwischen den Scherben Slalom fahren.

Manfred Kruczek, Potsdam


Es ist dringend geboten, bei der Diskussion um Feuerwerksverbote auch an Landschafts- und Naturschutzgebiete in den umliegenden Ortsteilen Potsdams zu denken. Die wenigsten dieser selbsternannten Feuerwerker bedenken bei ihrem sinnfreiem Silvestervergnügen den Brandschutz für angrenzende Wälder und Wiesen oder die Qualen der Tiere, das gehetzte Wild in jener Nacht.

Ich lebe mit meiner Familie in Fahrland, einem Ortsteil Potsdams, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Döberitzer Heide. Auf einer an unser Grundstück angrenzenden Koppel hat in diesem Jahr ein Pferd diesen rücksichtslosen Böller- und Raketenregen nicht überlebt und ist an den Folgen dieser Silvesternacht am Neujahrstag qualvoll verendet. Das macht uns hier unendlich traurig und zugleich wütend, weil alljährlich – im Wissen um die dort naturnah gehaltenen Tiere – Raketen und Böller in unmittelbarer Nähe zur Weide rücksichtslos abgeschossen werden. Da alljährliche Aussprachen und Diskussionen mit den Akteuren hier vor Ort bislang ohne Effekt blieben, sehe ich nur in einer Feuerwerksverbotszone rund um Landschafts- und Naturschutzgebiete ein wirksames und nachhaltiges Mittel, dieser Verantwortungslosigkeit entgegenzuwirken.

Uta Kotulla, Potsdam


Marco Zschieck räumt ein, dass die Silvesterknallerei schmutzig, unvernünftig und gefährlich ist. Dennoch ist er gegen ein privates Verbot mit dem Argument, es sei eine Tradition. Traditionen haben einen Ursprung. Hier gehen wir zurück auf die zwölf Rauhnächte. In vorchristlicher Zeit glaubten die Menschen, dass in diesen Nächten böse Mächte wirkten, dass die Toten und die Geister Ausgang hätten. Diese bösen Geister galt es auszutreiben, etwa durch das Besprengen von Feldern mit Weihwasser, durch Lärm, durch Maskenumzüge und, seit dem Mittelalter, durch die Sternsinger. Fragen wir doch einmal die oft Jugendlichen, die böllerschmeißend durch die Straßen ziehen nach den Traditionen, die sie da ausüben. Ich bin überzeugt, nicht einer hätte etwas Geistreiches dazu zu sagen.

Ursula Zimmermann, Potsdam


Die Böller und das Feuerwerk zu Silvester sollte nach Meinung von uns nur auf einigen zentral gelegenen Plätzen erlaubt werden. Ein Verbot müsste dann sehr konsequent überwacht werden. Die Gesundheit, der Schutz von Rettungskräften und Weltkulturerbe sowie unsere Umwelt sollte Priorität haben.

Annette und Norbert Jahn, Potsdam


Ich wäre überglücklich und zutiefst erleichtert, wenn das Geböllere an Silvester (und den Tagen davor und danach) endlich ein Ende hätte. Abgesehen von schlimmen Verletzungen leiden Haustiere unter dem Lärm, Kinder können nicht einschlafen oder müssen sich vor Angst übergeben (das gibt es in der Tat, das habe ich mir nicht ausgedacht). Mein 90-jähriger Vater fühlt sich an den Zweiten Weltkrieg mit Bombenangriff auf Berlin erinnert, und ich selbst denke auch: das ist Bürgerkrieg!

Ich finde es rücksichtslos, dass sich unter dem Deckmantel der Tradition, böse Geister zu vertreiben, Jahr für Jahr Millionen Bundesbürger wie Pyromanen aufführen – vielleicht wollen die Brandenburgerinnen und Brandenburger durch die Knallerei die jahrhundertealte Unterdrückung durch preußische Vorherrschaft abschütteln? Mal Luft verschaffen! Endlich mal die Sau rauslassen! Endlich mal explodieren, wo man doch sonst immer so brav und fleißig sein muss?!

Ist man spaßfeindlich, wenn man das verbietet? Ich denke, nicht. Ich denke, es stünde uns als Gesellschaft gut zu Gesicht, diese Art von Spaß zu verbannen, bescheidener aufzutreten, die Luft nicht mit Feinstaub zu belasten, den Müllmännern einen Ruhetag zu gönnen, den Rettungssanitätern, Polizisten und Ärztinnen nicht noch mehr Schichten und Notfälle aufzubürden. Ich glaube nicht, dass es ratsam ist, nur Teile einer Stadt zu sperren, z.B. das Holländische Viertel in Potsdam. Ich würde es begrüßen, private Feuerwerke ohne Wenn und Aber ganz zu verbieten. Ich halte viel davon, das Feuerwerk in professionelle Hände zu legen. Das sollte dann ohne Eintritt an einem zentralen Platz stattfinden – ich denke, die Kosten dafür sind ein Bruchteil dessen, was die Folgen von schlimmen Verletzungen, Feinstaub und Müll kosten.

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Annette Weiß, Potsdam