• Leserpost: Frühkindliche Bildung und moderne Verwaltung

Leserpost : Frühkindliche Bildung und moderne Verwaltung

Das meinen PNN-Leser: Leserpost zur frühkindlichen Bildung und zur modernen Verwaltung in Potsdam.

Zum Interview "Zentral ist, dass man feinfühlig ist" mit der Sozialwissenschaftlerin Frauke Hildebrandt vom 6. Oktober


„Zentral ist, dass man feinfühlig ist“, sagt Frauke Hildebrandt. Das gilt auch gegenüber den Pädagogen, die täglich in Brandenburger Kitas mit ihrer ganzen Persönlichkeit, mit Herzblut, pädagogischer Professionalität, mit viel Engagement und Freude Kindern begegnen. Sie begleiten Kinder, die manchmal noch jünger sind als ein Jahr, wenn sie in der Kita ankommen, damit die Eltern ruhigen Herzens ihrer Arbeit, Ausbildung oder anderer Verpflichtung nachgehen können. Sie tun das in einer quantitativen Quote, die mit den Umständen in den meisten anderen Bundesländern nicht zu vergleichen ist. Natürlich ist die Fachkraft-Kind-Relation entscheidend für die Interaktionsqualität! Die Forderung nach Feinfühligkeit in Interaktionen mit Kindern mutet zusammen mit der Einschätzung, oft DDR-typische Homogenisierung in heutigen Kitas anzutreffen, wie eine derbe Provokation an. Die Gespräche in den Morgenkreisen, auf dem Spielplatz oder beim Mittagessen gehen im Übrigen oftmals über Fragestellungen, warum Tassen Henkel haben, weit hinaus. Wir erkennen die besonderen Bedürfnisse von Kindern, deren Eltern sich erbittert streiten oder die einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt sind. Und wir wenden viele Schicksale durch behutsame Gestaltung von Räumen, Auswahl von Materialien, durch achtsame Kommunikation und feinfühlige Impulse – täglich, immer wieder neu. Wir tun das unter Rahmenbedingungen, die es erfordern, dass wir das für oft mehr als zehn Kinder unter drei Jahren und auch für 20 Kinder über drei Jahren gleichzeitig schaffen. Das verlangt Kreativität und Engagement über die Dienstzeit hinaus. Wir brauchen personelle Rahmenbedingungen in Kitas, an denen wir in Brandenburg jedenfalls noch arbeiten müssen. Wir brauchen Zeit für Vorbereitung und Reflexion, für Elternarbeit, Fort- und Weiterbildung, für Austausch und Vernetzung, für Praxisanleitung und auch für professionelle Leitungstätigkeit. Sicher ist der Weg für das Land Brandenburg ein teurer. Er ist aber mit Blick auf begehrte Fachkräfte, Qualitätsentwicklung und gute Bildungschancen für die Jüngsten der Richtige.

Julia Meike, Potsdam

(Hoffbauer Kinder gGmbH)


Zum Leitartikel „Potsdam braucht einen Aufbruch“ vom 15. Oktober

Respekt, ein sehr guter und sachlich zutreffender Kommentar zur OB-Stichwahl am vergangenen Sonntag in Potsdam. Die geringe Wahlbeteiligung bei beiden Wahlgängen mag ein Indiz für die Politikverdrossenheit vieler Bürger sein, zumal die von der Partei Die

Linke aufgestellte Kandidatin und der von der SPD aufgestellte

Kandidat im Grunde nur eine Fortführung bisheriger politischer Ausrichtung bedeuten. Es mangelt in Potsdam an einem Paradigmenwechsel und wirklich wählbaren alternativen Kandidaten. Frau Trauth steht letztlich für Die Linke, und die ist für viele Bürger aus sehr unterschiedlichen Gründen unwählbar. Herr Schubert als hofierter Insider der Behördenadministration erscheint da als das kleinere Übel. Im Grunde war es keine Wahl, sondern ein Festschreiben der bisherigen politischen Machtverhältnisse.

Demzufolge darf sich auch niemand wundern über das Weiterso. Die Stadtverwaltung wird es freuen, denn niemand muss um seinen Posten bangen, ja weiter so. Aber dies ist ein fataler Irrtum, denn Potsdam entwickelt sich zunehmend zu einer Mittelstadt, die in der Verkehrs- und Wohnungspolitik eine neue Ausrichtung braucht. Und vor allen Dingen braucht Potsdam eine moderne und leistungsfähige sowie bürgerfreundliche Verwaltung.

Reinhard Peterson, Potsdam

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