Potsdam : Lennés Atem weht durch den Park

Nach dem Wiederaufbau der Villa Jacobs wird nun auch das Gartenkunstwerk rekultiviert

Erhart Hohenstein

Eins der bedeutendsten Potsdamer Bauwerke des Schinkel-Schülers Ludwig Persius steht wieder: die 1836 für den Zuckerfabrikanten Ludwig Jacobs am Jungfernsee errichtete Turmvilla. Der Nachbau zeigt sich in originalgerechter Form, aus asymmetrisch zusammengefügten kubischen Baukörpern und mit weithin sichtbarem Turm. Auch die Raumstruktur im Inneren wurde weitgehend wiederhergestellt. Zurzeit läuft noch der restliche Innenausbau.

Die Bauherren Stefan und Marianne Ludes, ein Architektenehepaar, haben gleichzeitig eine zweite große Aufgabe in Angriff genommen: die Rekultivierung des 45 000 Quadratmeter großen Parks. Am Mittwochnachmittag hatten sie ihr Gelände für eine Urania-Führung freigegeben, die wegen des großen Andrangs am Abend wiederholt wurde. Die Landschaftsarchitektin Britta Bauer vom beauftragten Ingenieur- und Sachverständigenbüro Ahner/Brehm aus Königs Wusterhausen erläuterte den Besuchern die Planungen. Dafür bildet eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1879 die Grundlage. Für den Park hatte Peter Joseph Lenné in den 1830er Jahren Entwürfe geliefert, die durch Hofgärtner Hermann Sello umgesetzt wurden.

Vor Beginn der Arbeiten wurden die etwa 700 Bäume des Parks erfasst und nach ihrer Schutzwürdigkeit, aber auch der Verkehrssicherheit bewertet. Dabei gab es eine enge Zusammenarbeit mit der Denkmal- und der Naturschutzbehörde, erläuterte Britta Bauer. Wildwuchs, so Spitzahorn und Robinie, wurde gerodet. Neben der Erhaltung wertvoller Bestände wie der als Zufahrt zur Villa führenden Lindenallee wird es Neupflanzungen geben, darunter seltener Arten wie dem Mammutbaum, und in der Nähe des Gebäudes eines so genannten Quincunxverbandes, bei dem jeweils fünf Linden zu einem Quadrat (wie die Fünf auf einem Würfel) angeordnet sind.

Begonnen haben die Arbeiten auch auf der ehemaligen Obstwiese, auf der wieder 100 Bäume historischer Sorten wachsen sollen. Seitlich wird sie von Terrassen begrenzt, die noch an die einstige Nutzung des Geländes als Lehmgrube erinnern. Am Nordrand wird gerade eine Stützmauer hochgezogen; oberhalb ist Weinanbau geplant. Der waldartig zugewachsene nördliche Parkteil, der nicht auf Lenné zurückgeht, soll behutsam dem Charakter der Gesamtanlage angepasst werden. Am Hang zum Jungfernsee ist die historische Wegeführung bereits weitgehend wiederhergestellt und das Gelände zur Bepflanzung vorbereitet. Die Springbrunnenanlage wird wiedererstehen.

Auch bei diesem Projekt spielen die Sichtachsen eine wichtige Rolle. Wie die Landschaftsarchitektin zeigte, wurden die hochgewucherten Eibenhecken zwischen den Bäumen der Lindenallee abgesetzt, um wieder den Blick auf den Jungfernsee zu öffnen. Ebenso ist die Sichtbeziehung zwischen Villa Jacobs und dem Casino im Schlosspark Glienicke schon wieder frei. Die Bauherren respektieren, dass der Uferweg am Jungfernsee öffentlich bleibt – an dieser Forderung waren zuvor Verkaufsverhandlungen mit dem Springer-Vorstandsvorsitzenden Matthias Döpfner gescheitert.

Das Ehepaar Ludes wird Gebäude und Grundstück privat nutzen und dort auch ein Büro einrichten. Der Park ist also nicht öffentlich zugänglich. Deshalb dankte Urania-Geschäftführerin Karin Flegel den Bauherren für die Möglichkeit der Baustellenführung. Stefan Ludes hat aber angekündigt, zu besonderen Anlässen wie dem Tag des Denkmals den Park dem Publikum zu öffnen.

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