• Leerstehendes Gebäude in Potsdam: Baustart für Lokschuppen erneut verschoben

Leerstehendes Gebäude in Babelsberg : Baustart für Lokschuppen erneut verschoben

Der Investor für das Industriedenkmal muss umplanen – es fehlen die Mieter. Wann es jetzt weitergeht, ist derzeit unklar.

Der Lokschuppen in Babelsberg.
Der Lokschuppen in Babelsberg.Foto (Archiv): Sebastian Gabsch/ PNN

Potsdam - Die Sanierung des denkmalgeschützten Lokschuppens in Babelsberg verschiebt sich weiter. Es sind umfangreiche Umplanungen notwendig, weil der Investor neue und vor allem potente Ankermieter suchen muss. Das bestätigte Eigentümer Jürgen Wowra, der seine Rettungspläne für das marode Industriedenkmal im Herbst 2016 publik gemacht hatte, auf PNN-Anfrage.

Die Sanierungsarbeiten waren bereits mehrfach verschoben worden, zuletzt war der Beginn für dieses Jahr angekündigt.

Ein Unternehmen sprang wieder ab

Doch daraus wird nichts. Ursprünglich hatte Wowra sein Unternehmen Paranet dort ansiedeln wollen – ein international tätiger Anbieter von Traglufthallen, etwa für Flüchtlingsunterkünfte. Dieser sollte im Lokschuppen zum Beispiel Flächen für Modellbau, Ingenieure und Lager erhalten. Allerdings habe sich dieser Plan nicht mit der weiteren Absicht vertragen, darüber hinaus noch ein Hotel oder Büros am Standort unterzubringen. Daher habe Paranet nun in Kloster Lehnin eine ehemalige Armeeanlage erworben und baue dort, erklärte Wowra.

Daher sucht er als Privatinvestor nun neue Partner für den 1899 errichteten Lokschuppen: „Dabei verhandeln wir derzeit mit einigen Mietinteressenten und prüfen deren Raumprogramm.“ Sobald das alles abgestimmt sei, werde man mit dem Bau- und dem Denkmalamt diskutieren, inwiefern die Pläne genehmigungsfähig sind. Zu den Branchen der Interessenten machte Wowra keine Angaben. Es gehe aber um größere, noch nicht in Potsdam angesiedelte Unternehmen. Bekanntlich fehlen in Potsdam zum Beispiel Büroräume für IT-Firmen und Start-ups – die Stadt gilt auch dank des Hasso-Plattner-Instituts und anderer Unternehmen als Zukunftsstandort für die Digitalwirtschaft.

Vom Tisch ist laut Wowra die Idee, dass neben der Lokfabrik ein Hotel angebaut werden könnte. „Die restliche Konzeption, mit ausschließlicher Büronutzung und gegebenenfalls auch einer Schulungseinrichtung, bleibt aber bestehen.“ Damit werde sich auch das Investitionsvolumen vermutlich „etwas reduzieren“. Details, auch zum geplanten Aussehen, könne man erst bekannt geben, wenn die neuen Ankermieter gefunden seien, so Wowra. Bisher war unter der markanten Hallenkuppel eine filigrane Stahl- Glas-Konstruktion für die Büros vorgesehen.

Genauer Baubeginn ist unklar

Einen Termin für den Baubeginn am Lokschuppen gibt es daher aktuell nicht – einige Monate dürfte es laut Wowra in jedem Fall noch dauern. „Mich drängt nichts“, sagte der Investor. Man habe derzeit bei Paranet genügend Aufträge zu bearbeiten, müsse schon Kundenanfragen priorisieren. „Daher setze ich meine persönliche Liebhaberei für die Lokfabrik an zweiter Stelle – ob wir dabei etwas mehr Zeit brauchen, spielt nicht die entscheidende Rolle.“ Sein Hauptinteresse liege darin, „dass alles reibungslos und ohne Korrekturen abläuft. Das faszinierende Bauwerk schläft schon seit über 20 Jahren, da sollten wir nichts überstürzen“.

Im Oktober 2016 hatte der Investor das Großprojekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der von einem Glücksfall sprach. Denn viele Jahre lang stand der denkmalgeschützte sechseckige Lokzirkus mit der markanten Dachkonstruktion leer. Zahlreiche Versuche, Investoren für die Nutzung des Gebäudes des einstigen Lokomotivherstellers Orenstein & Koppel zu begeistern, waren gescheitert, auch ein Abriss des Hauses im Gewerbepark zwischen Großbeeren- und Wetzlarer Straße war zwischenzeitlich diskutiert worden.

Zuletzt wurde das Gebäude nur noch als Filmkulisse genutzt

Mitte 2017 präzisierte dann Wowra seine Pläne weiter, bei einer Pressekonferenz war von einer 45-Millionen-Euro-Investition und einem Baubeginn noch 2018 die Rede. Der verschob sich dann aber immer weiter, unter anderem wegen Abstimmungen mit den Bauämtern und der komplexen Planungen, wie Wowra erklärt hatte. Ende 2018 hatte die Wirtschaftsförderung im Rathaus schließlich in der Antwort auf eine Anfrage der CDU erklärt, man rechne mit einem Baustart noch in der ersten Jahreshälfte 2019. Allerdings ist Wirtschafts- und Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) wegen der erneuten Verzögerung nicht beunruhigt, sagte er den PNN auf Nachfrage. Es handele sich eben um ein langfristiges Projekt.

Genutzt wurde die ansonsten leer stehende und marode Halle zuletzt nur noch als Filmkulisse – etwa 2007 für eine spektakuläre Schießerei im Politthriller „The International“ von Tom Tykwer: Handwerker von Studio Babelsberg bauten im Lokzirkus damals das New Yorker Guggenheim-Museum nach.