Potsdam : Leben im Matsch

Am Freitag wird die Babelsberger Notunterkunft bezogen. Flüchtlinge haben kaum Platz und viel Schlamm

Stefan Engelbrecht
Sandscholle im Matsch. Rund um die Leichtbauhallen ist der Boden derzeit aufgeweicht. Laut Elona Müller-Preinesberger sollen bis zum Einzug am Freitag noch Bretter ausgelegt oder Kies aufgeschüttet werden, damit der Weg zu den Duschen begehbar ist.
Sandscholle im Matsch. Rund um die Leichtbauhallen ist der Boden derzeit aufgeweicht. Laut Elona Müller-Preinesberger sollen bis...Foto: A. Klaer

Babelsberg – Wer sich in Babelsberg nicht auskennt, wird die neue Notunterkunft für Flüchtlinge an der Sandscholle nur schwer finden. Nur die vielen Lastwagen und Halteverbotsschilder zeigen den Weg zum Zugang in der Seitenstraße Am Sportplatz. Und im Hintergrund, auf einem früheren Parkplatz für Anwohner, schimmern die weißen Großzelte zwischen den winterlich entlaubten Bäumen hindurch. „Junge, Junge, Junge, ne, ne, ne“, sagte ein älterer Herr am Mittwoch und verließ schlecht gelaunt das Gelände, auf dem künftig 96 Menschen in Leichtbauhallen für Monate ihr Zuhause haben werden. Er macht sich Sorgen, dass zu viele Flüchtlinge in Potsdam aufgenommen werden.

Einfach haben diese es hier nicht. Die Hallen sollen am Freitag bezugsfertig sein, doch noch stehen nur die äußeren Metallwände der rund 40 Meter langen und rund vier Meter hohen Hallen. Viele Anwohner nutzten den Tag der offenen Tür und schauten sich neugierig um. Zwölf Zimmer wird jede der beiden Hallen haben – abgetrennt durch Pappwände, die nicht bis zur Decke reichen. In jedes Zimmer kommen vier Menschen, wie Stadtsprecher Jan Brunzlow sagte. Beheizt wird durch ein Außengebläse. Der frühere Parkplatz bietet gerade Platz, um die zwei Wohnhallen sowie ein Gemeinschaftszelt unterzubringen. Der Raum dazwischen ist etwa drei Meter breit, der sandige Boden hat sich durch den Regen der vergangenen Tage in Matsch verwandelt.

Hier müsse noch etwas getan werden, sagte auch Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos). Vielleicht würden Holzplatten ausgelegt für den Außenweg von den Duschen in die Zimmer. Oder Kies aufgeschüttet. Geplant sei, dass die Flüchtlinge zwei bis drei Monate hier untergebracht und dann in andere Einrichtungen verlegt würden. Der Aufenthalt könne auch länger dauern.

Nicht nur der ältere Herr ist wenig begeistert von der Entscheidung der Stadt, im dicht bebauten Gebiet in Babelsberg die Notunterkunft zu errichten. Auch Stefanie Schumann, fünffache Mutter, macht sich Sorgen. Der Ort und die Unterbringung seien völlig unangebracht. Auch habe sie Angst um ihre Kinder. Sie kritisierte zugleich die Informationspolitik der Stadt. Über Nacht seien die komplette Straße gesperrt und überall Halteverbotsschilder aufgestellt worden. Zudem seien die Bewohner wohl anders als angekündigt alle männlich und meist jünger. Sie bezog sich dabei auf Angaben der Stadt in der Anwohnerversammlung im November, die zunächst wegen zu großen Interesses abgebrochen und in der Metropolishalle nachgeholt werden musste. 1200 Menschen waren damals gekommen, um sich über die Planungen zu informieren.

„Es wird wohl schwierig, ein Miteinander hinzubekommen“, so Schumann, die direkt neben den Hallen wohnt. Ob sie sich engagieren wolle? Sie müsse sich um ihre Kinder und den Beruf kümmern.

Aber es gibt auch Besucher, die den Menschen eine Chance geben wollen. Die Flüchtlinge würden doch zugeteilt, entgegnet ein älteres Paar, als sich einer beschwert, dass „so viele reingelassen“ würden. „Lassen Sie doch einfach ihr Herz sprechen“, rufen die beiden energisch. Ohne Erfolg.

Die Stadtverwaltung hat bislang viel Lob für ihre Flüchtlingspolitik erhalten. Es werde alles getan für ein gutes Miteinander, sagte Müller-Preinesberger. So gebe es Angebote eines Sportvereins für ein gemeinsames Training. Auch würden Deutsch-Kurse angeboten. Die Notunterkunft sei offen, jeder könne künftig in das Gemeinschaftszelt kommen und dort Kontakte knüpfen, sagte die Geschäftsführerin des Trägers Arbeiterwohlfahrt (awo), Angela Basekow. Dennoch: Es wird ein hartes Stück Arbeit, die Anwohner mitzuziehen.Stefan Engelbrecht