• Laut, kalt, einzigartig „Rhythm against Racism“ auf dem Luisenplatz

Potsdam : Laut, kalt, einzigartig „Rhythm against Racism“ auf dem Luisenplatz

Oliver Dietrich
Gute Tradition. „Rhythm against Racism“ am Sonntag auf dem Luisenplatz.
Gute Tradition. „Rhythm against Racism“ am Sonntag auf dem Luisenplatz.Foto: S. Gabsch

Es gibt ja so einige Traditionen in Potsdam, das Festival „Rhythm against Racism“ gehört dazu: Seit 2001 gibt es immer am 30. April ein Konzert auf dem Luisenplatz bei freiem Eintritt. Der Zweck: ein lautstarkes Zeichen zu setzen gegen Rassismus und für Toleranz. Das passt perfekt zu der Stadt, die sich ein Selbstverständnis verpasst hat, besonders bunt und weltoffen zu sein. Handlungsbedarf gibt es dennoch genug, jedenfalls solange in Potsdam noch Rechtsrock-Konzerte stattfinden. Potsdams Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) rief am Sonntagabend zum Zusammenhalt auf: „Vorgestern haben wir die Hooligans in unserem Karl-Liebknecht-Stadion gehabt“, schimpfte er auf der Bühne – und betonte, dass Potsdam weiterhin seine Weltoffenheit demonstrieren werde, so wie gegen Pogida: „In Potsdam ist Willkommenskultur wirklich gelebt worden.“ Viel Einigkeit auf dem Luisenplatz also.

Und viel Musik natürlich. Zum Beispiel die Potsdamer Footprint Project, die cool-jazzigen Trip-Hop mit Big-Band-Charakter spielen, der gern auch mal in Ska ausbricht – eigentlich die Entdeckung des Tages. Beatbox und zwei Saxofonisten sind schon eine eher ungewöhnliche Komposition, zusammen mit der großartigen Sängerin war das jedoch eine Wucht. Und ein passendes Statement gab’s auch: „Das Einzige, was man Hass entgegensetzen kann, ist Liebe. Bei uns die Liebe zur Musik!“ Ja, die merkte man. Da hatte es die Rock-Pop-Combo Meine danach schwieriger: Ein wenig zu sanft als Nachfolger, aber durchaus in Ordnung für einen sonnigen Tag.

Währenddessen füllte sich der Luisenplatz und es wurde deutlich kälter – April eben. Geduldiges Warten vor den Getränkeständen, dagegen der Stand der Zeitung „Junge Welt“ weniger frequentiert. Großer Andrang jedoch am Stand der Spaßpartei „Die Partei“: Kevin Pengel, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes, wusste auch wieso: „Wir haben Wlan!“

Auf der Bühne spielte unterdessen die Alte-Herren-Fraktion von Polkaholix. Keine schlechte Wahl, diese Partyband: Die zimmerte nämlich die großen Hits der Musikgeschichte zu Polka und Ska zusammen, und Tanzen war bei zunehmender Dunkelheit das beste Mittel, um gegen die unangenehme Kälte anzukommen. Da wurde Kiss genauso wie Kraftwerk verwurstet, aber Ska passt ja immer.

Als letzte Band spielten dann noch alte Bekannte aus Potsdam: Maggies Farm gibt es schon mehr als zehn Jahre, und für eine reine Coverband gibt es ordentlich was zu hören. Dass die amerikanischen Crossover-Götter Rage Against The Machine noch so weit über die 90er-Jahre ausstrahlen können, das ist schon bemerkenswert. Aber Maggies Farm sind eben Perfektionisten: Den Unterschied zum Original bemerkte man nur optisch, was da aus den Boxen kam, hörte sich bis ins kleinste Detail nach dem Original an. Und viel zu schnell war das Festival wieder vorbei: Jetzt heißt es wieder ein Jahr warten. Oliver Dietrich

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