Potsdam : „Längst nicht mehr so umstritten“

Burkhart Franck über seine Arbeit als neuer Fördervereinschef für den Wiederaufbau der Garnisonkirche

Burkhart Franck, Fördervereinschef und Oberst a.D. der Bundeswehr.
Burkhart Franck, Fördervereinschef und Oberst a.D. der Bundeswehr.Foto: Andreas Klaer

Herr Franck, Sie sind neuer Vorsitzender der Fördergemeinschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Warum engagieren Sie sich für dieses umstrittene Projekt?

Nach meiner Pensionierung habe ich mir gesagt, dass ich kein Geld mehr verdienen muss, sondern mich um andere Dinge kümmern sollte. Und Potsdam ist eine schöne Stadt – das Wesen der Stadt kulminiert in der Garnisonkirche. Dieses Gebäude besitzt eine einmalige Mischung aus Prunk und Bescheidenheit, dazu kommen das schöne Glockenspiel und die wechselvolle Geschichte. Sich für den Wiederaufbau einzusetzen, ist eine schöne und anspruchsvolle Aufgabe. Was ich noch bemerken möchte: So umstritten ist das Projekt längst nicht mehr.

Glauben Sie, dass eine Mehrheit der Potsdamer für den Wiederaufbau ist?

Ich möchte sagen, eine Mehrheit der interessierten Potsdamer ist es bestimmt. Nachdem das Projekt vor allem in der Anfangszeit überwiegend auf Ablehnung stieß, ist die Zustimmung heute sehr viel größer – sowohl in Bevölkerung als auch in der evangelischen Kirche.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Menschen stimmen einer Sache eher zu, wenn sie sehen, worum es genau geht. Und die Garnisonkirche fasziniert. Zwar ist sie natürlich immer noch mit dem Tag von Potsdam verbunden, als Hitler und Reichskanzler Hindenburg sich vor der Kirche die Hand gaben. Aber die Lesart des Tages als nationalsozialistisch dominierte Veranstaltung war eher ein nachträglicher Erfolg der NS-Propaganda, weil der Tag selbst eher monarchisch geprägt war. Und dies ist nur eine Facette der Geschichte der Kirche. Insofern finde ich den Wiederaufbau auch anspruchsvoller als etwa den der Frauenkirche in Dresden, weil es eben nicht nur um Architektur, sondern auch um unsere ja nicht ganz einfache Geschichte geht.

Kritiker des Wiederaufbaus wie der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer sagen, die „braune Asche“ lasse sich nicht von der Kirche abwaschen …

Man kann solche Ansichten haben – ich teile sie aber nicht und halte sie auch nicht für begründbar.

Warum soll das nicht begründbar sein?

Weil an einem Gebäude nicht die Asche eines Besuchers kleben kann. Das halte ich für abwegig. Dann müsste man alle Gebäude sprengen, in denen Hitler jemals gewesen ist.

Sie haben in einem Interview nach Ihrer Wahl gesagt, dass Sie Max Klaar, der schon mehr als sechs Millionen Euro für den Wiederaufbau gesammelt hat, wohl nicht verklagen werden. Doch Klaar hält seine Spenden zurück, weil er die Garnisonkirche nicht als ein Versöhnungszentrum aufgebaut sehen will. Nun sagen Sie, dass Sie mit ihm „irgendwann wieder in einem Boot sitzen wollen“. Wie soll das bei so verschiedenen Positionen funktionieren?

Herr Klaar hat ja damals seine Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel aufgelöst, weil er sonst gezwungen gewesen wäre, sich mit dem Geld am Wiederaufbau zu beteiligen – nun hat er es an seine Stiftung Preußisches Kulturerbe überwiesen. Ob und wann die Spenden nun überführt werden, ist also eine Sache zwischen dieser Stiftung und unserer Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Ich habe bei Klaar den Eindruck, dass es bei ihm eine Art religiösen Fundamentalismus bezüglich der künftigen Nutzung der Kirche gibt. Und seine Positionen ändern sich. So behauptet er, dass wir die Garnisonkirche als eine Art Volkshochschule missbrauchen wollen, in der ständig über die deutsche Kriegsschuld geredet wird, um das deutsche Volk in Bußfertigkeit zu halten. Das wird es nicht geben. Auch das internationale Versöhnungszentrum, das Klaar immer kritisiert, spielt längst keine Rolle mehr. Das weiß er auch.

Wie soll die Garnisonkirche genutzt werden, wenn sie wieder aufgebaut ist?

Wir finden den Ansatz der Evangelischen Kirche richtig, die Kirche dreifach zu nutzen. Einmal als normale Stadtkirche, in der auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Zugleich ist sie wegen ihrer besonderen Geschichte als preußischer Identitätspunkt auch eine Symbolkirche – als Ort der Vereinigung der Reformierten und der Lutheraner zu unserer heutigen unierten Kirche, als Ort des Elends unserer Geschichte, als Kirche der Offiziere des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944, als am Ende des Krieges zerstörte, von einer treuen Zivilgemeinde wieder genutzte und später von der SED abgerissene Kirche. All das waren brennpunktartige Geschehnisse, die sich an der Garnisonkirche festmachen lassen. Und jede Generation muss sich ihre Geschichte und ihre Fragen dazu neu erarbeiten – gerade dafür ist ein möglichst originalgetreuer Wiederaufbau gut geeignet.

Und ein internationales Versöhnungszentrum soll es nicht mehr geben?

Nein. Das wäre zu anspruchsvoll – wir können in so einer Kirche zum Beispiel nicht die Probleme von Palästinensern und Israelis lösen. Die Kirche soll aber ein Ort für Friedens- und Versöhnungsarbeit sein, die für uns naheliegend und erreichbar sein sollte, auch um Gegensätze in Religion und Gesellschaft zu überwinden. Und es wird auch um die Frage der Versöhnung mit der eigenen deutschen Geschichte gehen.

Die Stiftung Garnisonkirche hat gerade eine Millionenspende einer Stiftung aus dem Umfeld der Siemens-Familie erhalten – für den Baustart reicht das Geld aber noch nicht. Was ist Ihr Ziel als neuer Chef der Fördergemeinschaft?

Vor allem möchte ich in einem Jahr einen jüngeren Nachfolger haben.

Sie sehen sich als Übergangslösung?

Wir wollen in unserer Fördergemeinschaft jüngere Gesichter, die für den Wiederaufbau werben.

Davon gibt es zu wenige?

Wir haben einen sehr guten Zuspruch, vor allem aber von älteren Menschen, die Kenntnisse von der Architektur und der Geschichte besitzen – oder die die Garnisonkirche noch erlebt haben und an ihr hängen. Das liegt in der Natur der Sache. Als junger Mensch habe ich mich auch nicht für alte Kirchen interessiert.

Zuletzt ein verwandtes Thema: Sie sind auch Chef des Fördervereins „Militärmuseum Brandenburg-Preussen“, der den Aufbau eines Museums zur Darstellung der brandenburgisch-preußischen Militärgeschichte in Potsdam voranbringen will. Wie steht es darum?

Leider werden wir den Verein auflösen müssen, weil wir kein Gebäude für ein Museum finden. Unsere Ausstellungsstücke schenken wir dem Potsdam Museum und gründen dort einen Arbeitskreis Militärgeschichte. Mit dem Museum hatten wir ein ähnliches Anliegen wie mit der Garnisonkirche – dieses Wegdrücken der Geschichte von Potsdam zu verhindern, obwohl gerade Preußen diese Stadt geprägt hat. Und das Beste, damit sich dieser Sache keine unerwünschten Leute bemächtigen, ist eben eine faire Darstellung in einem Museum.

Das Interview führte Henri Kramer

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