• Lachyoga in Potsdam: Es geht auch ohne Humor

Lachyoga in Potsdam : Es geht auch ohne Humor

Mareike Jagszent bietet ab sofort wöchentlich eine kostenlose Lachyoga-Stunde im Volkspark an. Jeder kann teilnehmen, ein Witze-Repertoire braucht man aber nicht.

Rita Orschiedt
Mareike Jagszent zeigt den Teilnehmerinnen beim Lachyoga hilfreiche Übungen unter freiem Himmel.Alle Bilder anzeigen
Foto: A. Klaer
19.05.2015 22:10Mareike Jagszent zeigt den Teilnehmerinnen beim Lachyoga hilfreiche Übungen unter freiem Himmel.

Potsdam - Es ist Mittwochnachmittag um 16.30 Uhr und es treffen sich zehn Frauen im Park. Eine Stunde später sind sie fix und fertig, aber nicht etwa weil sie gemeinsam Sport getrieben haben – sondern vom Lachen.

Die Gruppe findet sich an diesem Nachmittag spontan zusammen: Einige kennen sich schon, zwei Spaziergängerinnen stoßen hinzu, nachdem sie das Hinweisschild im Park gesehen hatten. Manche kommen mit Yogamatten, manche nicht ganz so sportlich. Aber was machen wir denn jetzt?

"Zeit zu lachen"

Vorneweg: Wer Yoga praktiziert und hier ähnliches erwartet, wird enttäuscht. Auch Witze erzählt man sich beim Lachyoga nicht. Der Ablauf: Der Körper wird mit Atem- und pantomimischen Übungen zunächst gelockert. Es folgen Lachübungen, um ins Lachen zu kommen. Beendet wird die Stunde mit einer Lachmeditation.

Und los geht’s: Wir stehen zu zehnt im Kreis. Lachyoga-Lehrerin Mareike Jagszent begrüßt alle, wir stellen uns mit Namen und einem Lachlaut der Reihe nach vor. Es folgen zahlreiche Übungen, zum Beispiel läuft man durcheinander und fragt den anderen: „Wie viel Uhr ist es?“ Das Gegenüber antwortet: „Zeit zu lachen.“ Manche müssen sich erst einmal an das gezwungene Lustigsein gewöhnen, andere brechen sofort in schallendes Gelächter aus. Dann erfinden wir – während die Zunge zwischen Unterlippe und Vorderzähnen klebt – der Reihe nach in Einzelsätzen eine Geschichte oder schütten imaginäres Lachbenzin in ein Motorrad, mit dem wir dann herumfahren und lachen. Man sieht den Teilnehmerinnen an, dass sie sich mitunter tatsächlich komisch vorkommen – aber alle scheinen offen für die Erfahrung zu sein. Etwas ernster wird es, als sie sich ihr eigenes Spiegelbild vorstellen und Fehler an sich finden sollen. Diese werden dann „zerhackt“ und ausgelacht. Der Sinn ist laut Jagszent, sich selbst mit seinen Fehlern anzunehmen und über sich selbst lachen zu können.

Lachyoga stammt aus Indien

Was man bei den Übungen aber vor allem lernt, ist den Körper zu überlisten. Der merke nämlich nicht, wenn es sich nicht um ein echtes Lachen handle – er schütte genauso viele Endorphine aus. Die Übungen und Lachtechniken sollen vor allem dabei helfen, vom aufgesetzten in ein „echtes“ Lachen zu kommen. Am besten klappt das bei der abschließenden Lachmeditation. Alle liegen mit den Köpfen zusammen im Kreis auf dem Boden und lachen über fünf Minuten am Stück – das ist so viel, wie der Deutsche durchschnittlich pro Tag lacht –, bis alle völlig erschöpft im Gras liegen. Manche lachen so ansteckend und laut, dass man gar nicht anders kann. Tatsächlich aber kann die Reaktion auch anders ausfallen: Das Lachen könne auch zum Nachdenken anregen und aufwühlen, es habe, so Jagszent, Teilnehmer gegeben, die sich bei dieser Übung zurückzogen und Zeit für sich allein brauchten. Nicht jedem ist beim Lachyoga auch auf Knopfdruck zum Lachen zumute, manchmal lösen sich dadurch auch andere Emotionen.

Die Idee des Lachyoga stammt, wie das Yoga an sich, aus Indien. Verbreitet wurde es insbesondere von dem indischen Arzt Madan Kataria, der ausgewählte Yogatechniken mit Lachübungen verband. Heute wird es weltweit sehr unterschiedlich praktiziert, teils in mehr als 6000 Lachklubs, teils – wie hier – als lose Zusammenkunft in der Natur.

Zum Lachen in den Park

Mareike Jagszent lernte Lachyoga bereits vor acht Jahren kennen, verfolgte es aber nicht weiter. Vor anderthalb Jahren dann traf sie sich mit ihrer Freundin Anne und deren Tochter Maya, 14, in unregelmäßigen Abständen zum Lachen im Park – auch sie sind heute als fester Kern mit dabei. An einem Wochenende erwarb sie dann das Zertifikat zur Lachyoga-Trainerin und möchte die gelernte Freude jetzt regelmäßig mit anderen teilen. Jagszent ist hauptberuflich als Umweltbildnerin tätig, sie gibt Workshops und Seminare auch zum Thema Lachen – für mehr Gesundheit und Wohlbefinden.

Überwindung gehört bei der Teilnahme ihrer Lachyoga-Stunde sicher dazu. Humor und ein Witzerepertoire braucht man dagegen nicht – grundloses Lachen geht auch ohne viele Zutaten. Die Treffen finden von Mai bis September immer mittwochs von 16.30-17.30 Uhr statt. Zu den Stunden ist jeder herzlich willkommen. Treffpunkt ist das offene Basketballfeld im Waldpark Potsdam. Die Teilnahme ist bis auf den Parkeintritt kostenlos. Rita Orschiedt

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