• Kurzporträts: Wer sind die neuen Erstsemster-Studenten?

Kurzporträts : Wer sind die neuen Erstsemster-Studenten?

5500 Erstsemester-Studenten gibt es an den Potsdamer Hochschulen. Die PNN haben mit fünf von ihnen gesprochen. Wo kommen sie her? Wo wollen sie hin? Und was erwarten sie von ihrer Hochschule?

Willkommen im Studentenleben (Symbolbild).
Willkommen im Studentenleben (Symbolbild).Foto: Uwe Zucchi/dpa

ALEXA LANGE, 20, studiert Politik und Wirtschaft an der Universität Potsdam.

Alexa Lange.
Alexa Lange.Foto: Ottmar Winter

Da komme ich her
Ich komme aus Berlin, nach dem Abitur hatte ich angefangen in Greifswald Jura zu studieren und hatte das dann hier in Griebnitzsee fortgesetzt. Aber das hat nicht gepasst. Das Studium war zu zeitaufwendig. Ich arbeite nebenher und habe noch ein Privatleben – das war mit dem Lernpensum nicht mehr zu vereinbaren. Nun bin ich zu Politik und Wirtschaft gewechselt. Ich hoffe, dass ich wenigstens am Wochenende mal nicht lernen muss.

Da will ich hin
Ich habe mir viele Wege überlegt, habe aber noch nichts Konkretes. Ich habe vor, schon während dem Studium bei einer Logistikfirma zu arbeiten. Dort könnte ich im internen Bereich assistieren. Ich würde auch gern in die Welt hinausziehen – aber nicht dauerhaft. Ich habe gerne einen Bezug zu meinem Zuhause hier in der Region.

So lief die Bewerbung
Das war relativ simpel. Ich hatte mich zunächst in dem NC-beschränkten Studiengang online immatrikuliert, wurde dann abgelehnt – und habe vor zwei Wochen doch eine Zusage bekommen. Ich hatte mich noch an der HU und FU Berlin beworben, wollte aber lieber in Potsdam bleiben. Weil ich aus Spandau mit dem Auto besser nach Potsdam kommen als zu den Berliner Unis. Mir gefällt Potsdam richtig gut. Ich finde es schön, dass ich nicht jeden Morgen durch Berlin fahren muss.

Das erwarte ich von der Hochschule
Ich gehe erst einmal ohne große Erwartungen in das Studium. Das finde ich besser. Ich hoffe, dass das Studium nicht zu verschult ist. Ich bin gerne mein eigener Chef, habe gerne meinen eigenen Lernrhythmus. Ich muss auch nicht immer zu Wort kommen, wenn ich zu etwas nichts zu sagen habe. Ich finde Hausarbeiten am besten, habe aber auch nichts gegen Präsentationen und Referate. Ich finde, dass man in einer Hausarbeit Themen besser aufarbeiten kann als in einer zwei-Stunden-Klausur. Neben dem Studium werde ich viel unterwegs sein – und viel arbeiten, abends in der Gastronomie. Ich hoffe, dass ich viele nette Menschen kennenlerne, mir reicht schon, wenn ich unter 300 Leuten zwei, drei finde.


TONI LORENZ, 23, studiert Restaurierung an der Fachhochschule Potsdam.

Toni Lorenz.
Toni Lorenz.Foto: Andreas Klaer

Da komme ich her
Ich komme aus Chemnitz. Vor dem Studium haben ich Abitur und eine Lehre zum Metallbildner gemacht. Ich studiere nun, weil es in der Ausbildung keinen Meister mehr gibt. Das Studium ist der Abschluss mit der höchsten Qualifizierung. Meine Familie hat eine Firma, die Kronleuchter herstellt, rekonstruiert und restauriert. Insofern ist das für mich alles miteinander verwoben. Potsdam ist eine der letzten Fakultäten in Ostdeutschland, die Metallrestaurierung noch anbietet.

Da will ich hin
Ich will später als Restaurator unser Familienunternehmen übernehmen. Wir agieren europaweit, unter anderem in den Niederlanden, Belgien, Österreich und der Schweiz. Das Arbeitsfeld ist sehr exklusiv, es gibt immer weniger Firmen, die so etwas noch anbieten. Unter anderem sind es Schlösser, Kirchen und Museen, für die wir arbeiten. Jetzt lege ich den Fokus erst einmal auf das Studium, nebenher jobbe ich noch im Bereich Veranstaltungstechnik.

So lief die Bewerbung
Ich war zum Tag der offenen Tür und dann noch zur Summer School der FH. Die Bewerbung lief dann ohne große Aufregung ab. Der Test war sehr gut, alles war sehr entspannt.

Das erwarte ich von der Hochschule
Ich erwarte vom Studium, dass ich ein großes Fundament bekomme, gerade für das wissenschaftliche Arbeiten, wie man an Dokumentationen herangeht. Auch will ich viel zur Kulturhistorik lernen, zum Städtebau und der Architektur. Bei unserer Firma leitet sich viel von der Architektur auf die einzelnen Objekte ab, die wir bearbeiten. Mir geht es darum, einen soliden Grundstock aufzubauen. Wie sich das dann mit dem späteren Leben vereinbaren lässt, muss ich dann sehen. Wir sind ein sehr kleiner Studiengang mit nur 27 Leuten, da erwarte ich, dass man mit jedem einzelnen in die Tiefe gehen kann, ohne dass jemand auf der Strecke bleibt. Ich hoffe, dass wir ein gutes Team bilden, dass man sich untereinander unterstützt und Lerngemeinschaften bilden kann. Freizeit und Sport sind mir auch wichtig, aber da ich an den Wochenenden in Chemnitz sein werde, wird bei mir alles zeitlich etwas gerafft sein. Das Studium soll im Mittelpunkt stehen, ich will das ohne Ehrenrunde durchziehen.


CLEMENS JESSE, 19, studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Potsdam. 

Clemens Jesse.
Clemens Jesse.Foto: Ottmar Winter

Da komme ich her
Ich komme aus Kladow und habe an der Martin-Buber-Oberschule in Staaken Abitur gemacht. Im Sommer habe ich gearbeitet. Eigentlich wollte ich eine Ausbildung als Veranstaltungstechniker machen. Im Praktikum habe ich aber gemerkt, dass 40 Stunden die Woche doch etwas viel ist. Ich arbeite nun privat nebenher ein wenig in dem Bereich, das ist Beleuchtung und Ton für Veranstaltungen.

Da will ich hin
Ich habe ein Interesse für das Finanzielle. Vielleicht will ich mit dem Abschluss mal eine Firma für Veranstaltungstechnik gründen. Das hatte ich schon an unserer Schule gemacht. Ich kann mir auch Management vorstellen oder auch digitales Marketing. Berlin finde ich nicht so schön, deswegen bin ich nach Potsdam gekommen. Zur Uni fahre ich jeden Morgen mit der Fähre über den Wannsee. Das ist total schön.

So lief die Bewerbung
Ich hatte mich für VWL, Politik und BWL beworben, ausschließlich in Potsdam – und beide Zusagen bekommen. Bei BWL hatte ich dann mehr Zukunftschancen gesehen.

Das erwarte ich von der Hochschule
Dass ich eine gute Ausbildung bekomme. Einen guten Leitfaden für das Arbeitsleben. Ich habe lieber Frontalunterricht, aufschreiben und zuhause noch einmal nacharbeiten. Von der Potsdamer Uni hatte ich zuvor Gutes gehört.


LEONIE BRAND, 20, studiert Architektur an der Fachhochschule Potsdam 

Leonie Brand.
Leonie Brand.Foto: Andreas Klaer

Da komme ich her
Ich komme aus Schönefeld. Vergangenes Jahr war ich nach dem Abitur für neuen Monate in Australien. Dort habe ich Work and Holiday gemacht – Arbeiten und Reisen. In der Schule hatte ich ein Praktikum beim Messe- und Eventbau absolviert – und hatte in meiner Freizeit viel gezeichnet.

Da will ich hin
Das will ich erst noch sehen. Ich möchte nun ausprobieren, wie Architektur ist – und mich später dann spezialisieren. Aus der Region will ich wahrscheinlich nicht wegziehen, weil ich einen engen Bezug zu meiner Familie habe.

So lief die Bewerbung
Als erstes haben ich die Formulare eingeschickt und wurde dann zur Eignungsprüfung eingeladen. Die lief ziemlich gut. Es waren sehr nette Professoren, es gab ein Gespräch und ich habe meine Mappe vorgestellt.

Das erwarte ich von der Hochschule
Ich erwarte, dass ich im Bereich Architektur viel gezeigt bekomme, dass ich viel lerne wie man Häuser gestaltet und so baut, dass die Gebäude standhaft sind. Aber auch, dass ich Spaß daran habe, dass ich Herausforderungen erhalte, die ich lösen kann. Ich erwarte, dass die Dozenten Respektspersonen sind, die mir etwas beibringen, dass es gleichzeitig aber auch einen freundlichen Umgang gibt – und vielleicht auch eine geringere Distanz wie zu den Schullehrern, damit es sich besser arbeiten lässt. Ich hoffe, dass die Ausbildung praktisch ist, der Praxisbezug war ein Hauptgrund, warum ich die Fachhochschule gewählt habe. Von den Studierenden erwarte ich, dass wir aufeinander eingehen und miteinander arbeiten. Und, dass man vielleicht auch Beziehungen knüpft, die später im Leben halten. Der Weg zur Potsdamer FH wird für mich etwas mühsam, ich pendele täglich aus Schönefeld – das sind zwei Stunden Fahrt. Daher werde ich versuchen, in Zukunft hier ein Studentenzimmer zu bekommen.


ATILIM ÜRGÜN, 20, studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Potsdam. 

Atilim Ürgün.
Atilim Ürgün.Foto: Ottmar Winter

Da komme ich her
Abitur habe ich in Berlin gemacht. Im vergangene Jahr hatte ich angefangen Deutsch und Englisch auf Lehramt zu studieren. Das hatte mir nicht so zugesagt. Jetzt gehe ich in eine andere Richtung.

Da will ich hin
Ich kann mir auch ohne Lehramts-Studium einen Beruf mit Lehrfunktion vorstellen, etwa als Business-Coach. Mein großer Traum ist aber ein anderer: So erfolgreich zu sein als Unternehmer, dass ich alles in eigenen Läden bekommen kann – vom Frisör bis zur Bar. Viele kleine Projekte mit Startkapital, damit es nie langweilig wird. Gerne auch in Berlin, ich liebe diese Stadt.

So lief die Bewerbung
Bei den Formularen hat mir eine Bekannte geholfen. Eine Eignungsprüfung gab es nicht, es zählte nur die Note.

Das erwarte ich von der Hochschule
Dass mich das Studium fördert und fordert, dass es mir Spaß macht und ich die Motivation beibehalte. Dabei will ich definitiv lieber an der langen Leine geführt werden, ich möchte nicht bemuttert werden, mir muss auch nichts vorgekaut werden. Wenn aber doch mal ein kleiner Hilfeschrei kommt, hoffe ich, dass jemand da ist. Sonst hoffe ich, dass es gute Studentenpartys gibt und dass ich viele nette Leute treffe. Ein bisschen Freude im Leben in den grauen Uni-Wänden.

Einen Leitfaden zum Studentenleben in Potsdam finden Sie hier >>>

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