• Kulturstandort in Potsdam: Sanierung der Schiffbauergasse vor dem Abschluss

Kulturstandort in Potsdam : Sanierung der Schiffbauergasse vor dem Abschluss

Nach 15 Jahren steht die Sanierung des Kulturstandorts Schiffbauergasse vor dem Abschluss. Neben einer öffentlichen Toilette nimmt derzeit auch ein Spielplatz Gestalt an.

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03.05.2018 22:30

Potsdam/Berliner Vorstadt - Schon in der bronzezeitlichen Kultur der Minoer, haben Archäologen herausgefunden, kannte man sie: Im antiken Palast von Knossos auf Kreta gab es vor rund 4000 Jahren schon Toiletten mit Wasserspülung. Nun steht auch für Besucher der Schiffbauergasse eine öffentliche Toilette zur Verfügung. Ab morgen kann sie im Offizze genannten Gebäude zwischen Waschhaus und fabrik aufgesucht werden. Für viele Besucher dürfte das Örtchen eine große Erleichterung darstellen. Denn bisher gab es für Gäste von Veranstaltungen im Freien keine Toilette.

Nach mehr als 15 Jahren geht die Sanierung des Kulturstandortes Schiffbauergasse nun dem offiziellen Ende entgegen. Im Jahr 2020 könnte die Sanierungsmaßnahme beendet werden. Rund 100 Millionen Euro wurden seit dem Start im Jahr 2002 investiert, so Sanierungsträgerchef Bert Nicke. 24,4 Millionen Euro davon waren Städtebaufördermittel. Nach der Potsdamer Mitte ist die Schiffbauergasse finanziell die zweitgrößte Sanierungsmaßnahme in der Stadt.

Trotz der hohen Investitionen wird der Kunst-, Kultur- und Gewerbestandort vielfach als zu steril kritisiert. Deshalb hatte der kommunale Sanierungsträger 2016 im Auftrag der Stadt eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die zeigen sollte, wie mehr Gäste in die Schiffbauergasse gelockt werden können. Diese sogenannte Verdichtungsstudie empfahl die Schaffung einer zentralen Serviceeinrichtung, in der Besucher unkompliziert Tickets kaufen und sich direkt über aktuelle Veranstaltungen informieren können.

Kulturstandort Schiffbauergasse: Spielplatz und Toilette nehmen Gestalt an

Zu diesem Zweck wurde seitdem das sogenannte Offizze umgebaut. Zuvor waren dort Lager- und Technikräume sowie zwei Gewerbebetriebe untergebracht. Nun strahlen die Innenräume des Backsteingebäudes in frischem Weiß. 400 000 Euro hat der Umbau gekostet – finanziert aus Fördermitteln. Wie der Infopoint genau ausgestattet sein wird und wann er eröffnet, steht indes noch nicht fest. „Aktuell laufen die konzeptionellen Planungen“, so eine Stadtsprecherin. Eine gemeinsame Kasse werde derzeit mit den Kulturhäusern diskutiert.

Tatsächlich Gestalt nimmt – abgesehen von der öffentlichen Toilette – derzeit auch ein Spielplatz an. Bisher hatte es auf dem Areal keinen gegeben. Bagger und Baumaterial sind auf der Grünfläche neben dem Beachvolleyballfeld zu sehen. Ende Juni soll der Spielplatz fertig sein. Auch dafür werden 400 000 Euro ausgegeben. Im März 2017 hatte es einen Ideen-Workshop für Kinder gegeben. Die Gestaltung wird sich um das Thema Wasser drehen. Deshalb werden sogenannte Spielflöße errichtet. Geplant ist außerdem ein Wipfelhaus mit Röhrenrutsche und Wasserschlange zum Durchkriechen. Auch ein Trampolin ist vorgesehen.

Keine Lösung für die kaum bespielte Open Air Bühne

Auch für ein weiteres Problem gibt es inzwischen eine Lösung. Jahrelang lag ein Grundstück zwischen dem Parkhaus und dem Volkswagen Design Center brach. Der schmale Streifen galt mit seiner Ausrichtung nach Norden als zu unattraktiv. Doch nun hat sich ein Investor gefunden. Die Fläche sei verkauft, so Nicke. Ein Potsdamer Steuerberater will dort ein Büro- und Geschäftshaus errichten. Noch in diesem Jahr soll der Bau des viergeschossigen Gebäudes beginnen. Im Erdgeschoss soll nach Angaben des Sanierungsträgers ein Fitnessstudio eröffnen.

Keine Lösung gibt es hingegen für die kaum bespielte Open Air Bühne. Die bisherigen Formate sollen fortgesetzt werden, ließ das Kulturamt auf Nachfrage mitteilen. In diesem Jahr ist unter anderem ein Konzert des Elektropop-Duos Glasperlenspiel am 28. Juli geplant. Außerdem soll die Bühne im Rahmen des Kinosommers genutzt werden. Weitere Maßnahmen sind laut Potsdams Baubeigeordnetem Bernd Rubelt (parteilos) nicht vorgesehen. Einen neuen Impuls könnte die von der Stadt angedachte Übernahme der von der Bundespolizei genutzten Garde-Husaren-Kaserne bringen. Wann es dazu kommt, ist noch offen.

„Lebendige Bauten – von der Brache zum Quartier“

Auf die Geschichte des Ortes und die Sanierungsarbeiten blickt ab Samstag eine neue Ausstellung im künftigen Besucherzentrum auf dem Areal zurück. Anlässlich des Tages der Städtebauförderung wird sie um 15 Uhr von Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) eröffnet.

Die multimediale Ausstellung unter dem Titel „Lebendige Bauten – von der Brache zum Quartier“ gibt einen detailreichen Überblick über die wechselhafte Nutzung des zwölf Hektar großen Kasernen- und Industriegeländes. Sie kann bis zum 1. Juli besucht werden. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Potsdamer Kommunikationsdesignerin Britta Bungard, der Autorin Katrin Reiling und der Ausstellungsarchitektin Kerstin Meyer-Ebrecht. Einen Schwerpunkt bildet die Entwicklung seit der Wiedervereinigung vom wilden Kulturprojekt zum etablierten Kulturstandort.