• Künstlerhaus Scholle 51: „Scholle“ sieht ihre Existenz bedroht

Künstlerhaus Scholle 51 : „Scholle“ sieht ihre Existenz bedroht

Die Stadtverwaltung kündigte an, den Bebauungsplan zu ändern.

Keine Kunst mehr? Die Scholle 51.
Keine Kunst mehr? Die Scholle 51.Foto: Manfred Thomas

Für die Künstler im Atelierhaus „Scholle 51“ in der Geschwister-Scholl-Straße wird es eng. Denn eine neue Entscheidung der Stadtverwaltung sorgt dafür, dass ein Investor das Haus nun doch zu einer Senioreneinrichtung umbauen könnte – die Kunstschaffenden müssten sich eine neue Bleibe suchen. Davor warnte am Montag der in dem Gebäude ebenfalls ansässige Verein Stadtteilnetzwerk Potsdam-West: „Es steht wieder sehr ernst um unser Atelierhaus.“

Schon länger ist das seit vier Jahren als Künstlerhaus und Begegnungszentrum genutzte Gebäude in seiner Existenz bedroht, bereits 2012 hatte die evangelische Heilig-Kreuz-Gemeinde das Areal an den bundesweit aktiven Veritas-Pflegedienst verkauft. Allerdings waren diese Pläne mit dem geltenden Bebauungsplan für das Gebiet kollidiert, die Geschwister-Scholl-Straße 51 war als Gemeinbedarfsfläche mit der Zweckbestimmung „Kindertagesstätte“ festgesetzt. Das soll sich jetzt ändern: Wie Stadtsprecher Jan Brunzlow am Montag bestätigte, will dieVerwaltung die für das Grundstück geltenden Bestimmungen des Bebauungsplans aussetzen – also Ausnahmen erlauben. Das bisherige Planungsziel „Kita“ sei für das Areal funktionslos geworden, denn in dem Stadtteil bestehe kein zusätzlicher Bedarf an Kita-Flächen. Zudem sei das Grundstück wegen mangelnder Freiflächen ohnehin als Kita ungeeignet. Daher habe man sich entschlossen, die baulichen Vorhaben für das Grundstück nicht mehr vor dem Hintergrund des Bebauungsplans zu beurteilen: „In diesem Bereich ist nun eine andere Nutzung als eine Kita möglich.“ Bei Veritas war zu den Plänen für die Scholle am gestrigen Abend niemand mehr zu erreichen.

Das Stadtteilnetzwerk kündigte derweil für den Mittwoch ab 17 Uhr eine kreative Protestaktion auf dem „Scholle“-Gelände an, mehr als 30 Künstler haben dort ihre Arbeitsräume. Sprecher Daniel Zeller kritisierte gegenüber den PNN, erst auf Nachfrage sei man von der Stadtverwaltung über die geplante Änderung informiert worden. Seit Monaten wird in Potsdam schon über stetig schwindende Freiräume für Kulturschaffende aus der freien Szene debattiert.