Potsdam : Kuben auf der Fallobstwiese

Gestaltungsrat lobt Pläne für Einfamilienhäuser. Baudezernent Klipp fordert mehr Offenheit

Ecken und Kanten. Entwurf für Wohnhäuser in der Fritz-Rumpf-Straße.
Ecken und Kanten. Entwurf für Wohnhäuser in der Fritz-Rumpf-Straße.Foto: Andreas Klaer

Berliner Vorstadt - Mit einem Plädoyer für mehr Offenheit begann am Dienstag der öffentliche Teil der Sitzung des Gestaltungsrats. Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp (Grüne) forderte Bauherren größerer Projekte dazu auf, ihre Pläne von dem Expertengremium öffentlich diskutieren zu lassen. „Sie vergeben sich sonst Chancen“, so Klipp. Angst vor Kritik sei fehl am Platz. Hintergrund ist, dass der Gestaltungsrat öffentlich erneut lediglich über Einfamilienhausprojekte beriet. Bei der nächsten Sitzung soll sich das ändern, so Klipp.

Dass das Gremium, das Bauherren in Potsdam im Hinblick auf die städtebauliche und architektonische Qualität ihrer Projekte berät, auch loben kann, zeigte sich am Dienstag. Es ging um Einfamilienhäuser in der Berliner Vorstadt. Die beiden Projekte befinden sich in der Fritz-Rumpf-Straße, einer zwischen den Neubauten Charlotte & Luise von der Berliner Straße abzweigenden Sackgasse. Namensgeber dieser 2009 benannten Straße ist der 1927 verstorbene Maler Fritz Rumpf. Er gehörte zu den Initiatoren des 1909 gegründeten Potsdam-Museums und setzte sich als Stadtverordneter für den Erhalt des Stadtbildes ein. Um das Stadtbild ging es auch diesmal: Weil die moderne Architektur von der geltenden Gestaltungssatzung abweicht, ist die Zustimmung einer Jury notwendig. Diese gab der Gestaltungsrat. „Sie zeigen, wie es geht“, so das Lob der Vorsitzenden Ulla Lutter.

Der Bauplatz befindet sich auf der rechten Seite der Fritz-Rumpf-Straße auf einer ehemaligen Fallobstwiese und ist in drei gleichgroße Grundstücke unterteilt. Die Bauten sollen den Plänen zufolge in ihrer Höhe abfallen und so einen Übergang von der fünfgeschossigen Bebauung an der Berliner Straße zum Blockinneren schaffen. Geplant sind drei langgezogene, kubische Baukörper mit den Stirnseiten zur Straße. Das erste Haus weist ein Staffelgeschoss als dritte Etage auf und wurde im nichtöffentlichen Teil der Sitzung besprochen.

Als mittleres Gebäude soll ein zweigeschossiges Einfamilienhaus des Potsdamer Architekten Benjamin Ahrens auf einer Grundfläche von neun mal 20 Metern entstehen. Besonderheit sind die fast fensterlosen Wände zu den Nachbargrundstücken, die nur auf der Südseite durch einen Lichthof unterbrochen werden. Große Fensterflächen gibt es hingegen an den Stirnseiten, wo sich Wohn- und Schlafräume befinden. „Ein neuzeitliches, schön zu bewohnendes Haus“, so das Urteil von Lutter.

Etwas kleiner und von der Straße zurückgesetzt soll das dritte Gebäude werden. Der ebenfalls schlicht gehaltene Entwurf sieht im Erdgeschoss ein um zwei Treppenstufen abgesenktes Wohnzimmer und im Obergeschoss einen großen Durchgangsraum mit Oberlicht vor, von dem Schlaf- , Kinder und Badezimmer abgehen. Schmale Fenster gliedern die Fassade vertikal. Beiden Bauherren gab der Gestaltungsrat auf den Weg, möglichst homogene Materialien zu verwenden und vom kubischen Grundgedanken wenig abzuweichen. Marco Zschieck