• Kritiker verlieren Mitgliedschaft: Oberlinhaus in Potsdam schließt Ex-Chefs aus

Kritiker verlieren Mitgliedschaft : Oberlinhaus in Potsdam schließt Ex-Chefs aus

Ehemalige, namhafte Geschäftsführer von Tochtergesellschaften des Oberlinhauses wurden auf einer Mitgliederversammlung mehrheitlich aus dem Verein ausgeschlossen.

Alexander Fröhlich
Foto: Sebastian Gabsch

Babelsberg - Der Verein Oberlinhaus hat am Donnerstag auf seiner Mitgliederversammlung mehrheitlich drei Mitglieder ausgeschlossen. Es handelt sich um frühere, namhafte Geschäftsführer von Tochtergesellschaften, die im Sommer 2017 gemeinsam mit anderen Ex-Geschäftsführern in einem Brief an den Aufsichtsrat erklärt hatten, dass das Vertrauen in die Vorstände Matthias Fichtmüller und Andreas Koch zerstört sei. Die Geschäftsführer hatten den Vorstand für den Umgang mit Kritikern und dessen Umbaupläne kritisiert. Der Vorstand sei menschlich und fachlich nicht in der Lage, den Verein zu führen.

Ein brisanter Brief

Den Vereinsmitgliedern war nach eigenen Angaben nun vorgeworfen worden, den Brief an die Presse lanciert zu haben. Zudem waren ihnen enorme Kosten infolge der Querelen vorgehalten worden. Die Geschäftsführer haben die Vorwürfe stets bestritten. Sie werfen dem Vorstand vor, den besagten Brief selbst an die Öffentlichkeit gegeben zu haben. Zudem hätten sie erst im März vor Gericht eine Mediation zum Vereinsausschluss erwirkt, die noch nicht abgeschlossen sei.

Der Brief hatte schwere Turbulenzen ausgelöst, die Geschäftsführer waren abgemahnt, gekündigt, zum Teil waren einvernehmliche Vereinbarungen getroffen worden. Die Geschäftsführer hatten einen Mangel an Fehlerkultur beklagt, aber auch das Finanzgebaren des Vorstands kritisiert. Infolge der Querelen verließen 2018 der Chefarzt der Oberlinklinik und weitere Mediziner das Haus. Das Oberlinhaus brach Kooperationsgespräche mit dem Bergmann-Klinikum Ende 2017 ab. Jetzt soll die Oberlinklinik 2020 mit dem St. Josefs-Krankenhaus fusionieren – zu den „Christlichen Kliniken Potsdam“.

Der Vorstand hat daneben Ende 2017 Ermittlungen ausgelöst: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruptionsverdachts gegen den früheren Chefarzt der Oberlinklinik, der Orthopädie-Chefarzt am Bergmann-Klinikum ist, und gegen den Ex-Oberlinklinik-Geschäftsführer wegen Beihilfe. Das Oberlinhaus prüft Schadenersatz – wegen angeblich überteuerter Prothesen. Das Oberlinhaus ließ eine PNN-Anfrage zur Mitgliederversammlung am Freitag unbeantwortet.