• Kritik an Verkehrslösung und Natureingriffen: Neuer Ärger zu Baugebieten im Norden

Kritik an Verkehrslösung und Natureingriffen : Neuer Ärger zu Baugebieten im Norden

Fahrland - Neuer Ärger in einem Wohngebiet des Wohnungsunternehmens Semmelhaack im schnell wachsenden Stadtteil Fahrland: Das Ortsbeiratsmitglied Stefan Matz fordert nun in einem Antrag für die nächste Sitzung des Gremiums am 4. Juli, dass die im Bebauungsplan „Am Upstallgraben“ als verkehrsberuhigt festgelegten Straßen auch entsprechend gekennzeichnet werden müssten. Nach einer Mitteilung der unteren Straßenverkehrsbehörde an einen Anwohner scheitere die Ausweisung als verkehrsberuhigter Bereich allerdings an der konkreten Umsetzung der Vorgaben des Bebauungsplans durch den Investor – also Semmelhaack.

Die Stadtverwaltung reagierte auf die Kritik von Matz. Eine Stadtsprecherin sagte auf PNN-Anfrage, die Leistungen aus den vertraglichen Verpflichtungen für das Wohngebiet seien noch nicht vollständig erbracht worden, „sodass auch eine Endabnahme noch nicht erfolgt ist“. Die Pflicht liege also noch beim Investor: „Es sind noch einige Arbeiten offen.“

Ähnliche Kritik wie Matz hatte zuletzt auch die vor Ort tätige Bürgerinitiative für mehr Infrastruktur in Fahrland geübt. Denn die Nichtumsetzung der Vorgaben des Bebauungsplans zur Verkehrsberuhigung hätten weitreichende Folgen, so die Initiative. Einerseits fehle es so an einem generellen Verbot des Parkens auf Straßenflächen, andererseits sei die Breite der Fahrbahn wegen der parkenden Autos zu gering, um Rettungskräften eine problemlose Anfahrt zu ermöglichen. „Tatsächlich musste die Freiwillige Feuerwehr Fahrland eine Einsatzübung im Dezember 2017 abbrechen, da sie durch parkende Autos nicht an den geplanten Einsatzort gelangen konnte“, so die Initiative. Das bestätigte die Stadtsprecherin – allerdings sei das unabhängig von der Einstufung der Straße als verkehrsberuhigter Bereich. „Der Appell der Feuerwehr geht daher in Richtung der Autofahrer, die dort unerlaubterweise parken.“

Seit Wochen wird über Bauplanungen in Fahrland gestritten, hatte etwa das Infrastrukturministerium das geplante Vorgehen von Rathaus und Semmelhaack für eine neue Siedlung an der Ketziner Straße vorerst gestoppt – dort muss nun langwierig ein Bebauungsplan ausgearbeitet werden (PNN berichteten).

Auch gegen das von der Investorenfirma Leonwert geplante Wohngebiet Am Friedhof gibt es Protest der Bürgerinitiative. Unterstützung dafür kommt von der parteilosen Oberbürgermeisterkandidatin der Linken, Martina Trauth. So lerne die Stadt „nicht aus ihren Fehlern“ und plane das besagte Neubauviertel ohne sozialen Geschosswohnungsbau, teilte sie am Montag mit. Zudem sei geplant, dass teils jahrzehntelang bewirtschaftete Pachtgärten überbaut werden – „ein massiver Eingriff in die Natur in unmittelbarer Nähe zum Landschaftsschutzgebiet“, wie Trauth kritisierte. 

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