• Kritik an der Stiftung Garnisonkirche: Zu wenig Platz für einen Lernort

Kritik an der Stiftung Garnisonkirche : Zu wenig Platz für einen Lernort

Er soll in eine "abgelegene Zwischenetage" und Platz sei zudem ebenfalls nicht genug: Kritiker des Wiederaufbaus der Garnisonkirche sind nicht mit den Plänen für den Lernort einverstanden. 

So sieht es derzeit auf der Garnisonkirchen-Baustelle aus.
So sieht es derzeit auf der Garnisonkirchen-Baustelle aus.Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Kritiker des Wiederaufbaus der Garnisonkirche sehen Defizite beim Nutzungskonzept für den derzeit im Bau befindlichen Kirchturm. Vor allem die Größe des geplanten Lernorts stößt nun auf Kritik. „Für den angeblichen Lernort stehen als Ausstellungsfläche lediglich 220 Quadratmeter netto mit drei Meter lichter Höhe auf einer abgelegenen Zwischentage zu Verfügung“, teilte der Architekturprofessor und frühere Leiter der Dessauer Bauhaus-Stiftung, Philipp Oswalt, mit. Im Vordergrund stehe die touristische Nutzung mit Aussichtsterrassen, Café und Shop sowie die Kapelle.

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Potsdam mangele es jedoch nicht an touristischen Einrichtungen oder Kirchenräumen. „Es mangelt an einem Lernort, der die überwiegend problematische Geschichte der Garnisonkirche von 1735 bis heute in ihren wesentlichen Dimensionen aufzeigt und vermittelt“, so Oswalt weiter. Er macht auch einen Vorschlag: Nach Fertigstellung des Kirchturms solle die temporäre Nagelkreuzkapelle bestehen bleiben und erweitert werden, um eine hinreichend große Ausstellung für den Lernort zu ermöglichen.“

Ausstellungskonzept bislang nur bruchstückhaft

Oswalt reagierte damit auf Ergebnisse eines Rundgangs durch die Baustelle am Freitag, bei dem die Stiftung über den Baufortschritt und das Bildungs- und Ausstellungskonzept berichten wollte. Letzteres fiel allerdings bruchstückhaft aus: Wie berichtet hatte der Kommunikationsvorstand der Stiftung, Wieland Eschenburg am Freitag mitgeteilt, dem Kuratorium der Wiederaufbaustiftung sei ein 40-seitiges Grundkonzept präsentiert worden, über das man aber noch nichts berichten wolle. Seit 2017 wird der im Zweiten Weltkrieg beschädigte und 1968 gesprengte Kirchturm wiederaufgebaut.

Außerdem hieß es am Freitag, die Stiftung halte am Bau des Kirchenschiffs fest. Das würde das Aus für das Rechenzentrum bedeuten. Dabei hatten die Stadtverordneten erst am Mittwoch einem Verfahren für „ein inhaltliches und gestalterisches Konzept für den Bereich Garnisonkirche und Rechenzentrum“ zugestimmt. Das schließt auch eine Option für den Erhalt des Rechenzentrums ein – allerdings unter der Bedingung, dass die Stiftung Garnisonkirche einverstanden ist. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Stiftung dem zustimmt“, sagte Eschenburg dazu.

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