• Kreativität in der Coronakrise: Das Rückholz plant eine "Fahrbar"

Kreativität in der Coronakrise : Das Rückholz plant eine "Fahrbar"

Rückholz-Betreiber Alexander Michel weiß nicht, ob seine Bar die Coronakrise übersteht. Doch sein Optimismus ist ungebrochen und die Kreativität groß, wie seine aktuelle Idee zeigt.

Rückholz-Betreiber Alexander Michel.
Rückholz-Betreiber Alexander Michel.Foto: Ottmar Winter (Archiv, Frühjahr 2019)

Potsdam - Die Coronakrise trifft die Gastronomie hart – und dort vor allem die Bars und Kneipen. Können Restaurants noch einen Liefer- oder Abholservice anbieten, wird es für die Kneipen mit frisch gezapftem Bier oder einem gepflegten Drink schon schwieriger. Und nach den aktuellen Beschlüssen der Bundesregierung und der Landeschefs ist noch keine Ende der Einschränkungen in Sicht, die Ausgehbeschränkungen dauern an. Das bekommt auch die Kiez-Kneipe Rückholz in der Brandenburger Vorstadt, zu spüren.

Für Alexander Michel, seit Mai 2014 Betreiber der Bar, ist unklar, ob die Bar Rückholz in seiner jetzigen Form den Sommer übersteht. Derzeit sollten die Gästezahlen steigen, das Geschäft anlaufen – doch dann kam ist das Virus. Die Bar musste vorerst schließen. 

Es ist der zweite Rückschlag für die Kiezkneipe innerhalb von etwas mehr als einem Jahr. Im Dezember 2018 musste die Bar wegen eines Wasserschadens zumachen. Monatelang arbeitete man an der Wiedereröffnung. Im Frühjahr 2019 war es dann soweit. 

Im Zuge der Wiedereröffnung und Neustrukturierung gründete Michel zudem mit Paul Jahnke die Friedemanns GmbH. Neben dem Rückholz und dem Restaurant in der Seniorenresidenz Kurfürstenstift bieten sie noch Catering an, vermieten die Wanderbar und veranstalten kleine Konzerte mit regionalen Künstlern im Rückholz. 

"Da schluckt man schon"

Michel sagt, dass sie gut aufgestellt waren und im Sommer bereits für viele Catering-Veranstaltungen gebucht waren - "und jetzt bricht beides weg. Da schluckt man schon". Es sei "so ernüchternd, jetzt fast alles brach liegen zu sehen, wofür man so lange gearbeitet hat". Aber aufgeben sei keine Option, "da muss man kreativ werden", so der 44-Jährige. 

Zunächst wurde eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen und die Soforthilfe vom Land beantragt, um die Löhne und die Miete für April und Mai sicher zu haben. "Als erstes ist es schwer, die Synchronisation zwischen dem Neu, dem Alt und den bekannten Parametern hinzubekommen, und ja, es ist eine finanzielle Belastung, die noch nicht einmal abschätzbar ist. Und das macht nicht nur vielen Menschen Angst, sondern auch mir. Aber durch die Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens, vor allem durch Scheitern und dann wieder aufstehen, lernt, ist, dass Angst ein schlechter Begleiter ist. Und ist die Angst überwunden, ist erst Raum für die Idee". Und die hat er, seinen "Notausgang", wie er sagt. 

Drinks vom Fahrrad

Als nächsten Schritt hat er am Mittwoch ein Lastenfahrrad ersteigert, um alsbald eine "Fahrbar" aufzumachen. Wie früher die Eiswagen möchte er mit bimmelnder Glocke jeweils zum Bergfest zwischen 19-22 Uhr und samstags, als Lieferdienst, im Kiez unterwegs sein. Einmal angehalten, soll dann kurzerhand mit Sprühkreide oder Klebeband der Zwei-Meter-Abstand hergestellt und für etwas "Rückholzfeeling" gesorgt werden. Beim Gewerbeamt habe er bisher niemanden erreicht, aber er hofft, dass bei Einhaltung aller Auflagen der Eindämmungsverordnung "eine solche, frische 'Straßenzubereitung' als Lieferdienst vor dem Haus neu zu bewerten ist, damit der Unternehmensbereich, der wohl als letztes wieder öffnen darf, eine minimale Chance behält, mit seinen Kunden, mit seinen Menschen, mit seiner Aufgabe, im Kontakt zu bleiben". 

Das Rückholz soll weiterleben

Gerade dieser Kontakt sei ihm wichtig. Diese Nähe mit den Gästen im Rückholz, die vielen unterschiedlichen Menschen, die sich dort freundschaftlich begegnen, das fehle ihm sehr. Und wohl auch den Menschen im Kiez, so sein Eindruck. Zudem haben ihm die Bewohner dort den Rücken gestärkt und ihn "fantastisch unterstützt", sagt Michel. Für die Zukunft bleibt er trotz der schwierigen Lage optimistisch: "Auf welche Weise auch immer, aber die Bar Rückholz wird weiterleben!"

> Das Rückholz unterstützen auf www.startnext.com/bar-rueckholz-potsdam.


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