• Kreativ in der Coronakrise: Potsdamer startet lokalen Lieferdienst für Händler

Kreativ in der Coronakrise : Potsdamer startet lokalen Lieferdienst für Händler

Marian Menzel will Potsdamer Händlern in der Coronakrise helfen. Am Samstag organisiert er außerdem die erste virtuelle Party der Stadt.

Marian Menzel hat die Internetplattform www.potsdamliefert.de ins Leben gerufen.
Marian Menzel hat die Internetplattform www.potsdamliefert.de ins Leben gerufen.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - In Potsdam formiert sich ein Lieferdienst für lokale Händler und Gastronomen, die von der Coronakrise betroffen sind. Der Potsdamer Marian Menzel hat in den vergangenen Tagen die Internetplattform www.potsdamliefert.de ins Leben gerufen, über die Potsdamer Unternehmen einen Lieferdienst organisieren können. Der 32-Jährige ist auf Onlinehandel spezialisierter IT-Dienstleister. In Potsdam hat er unter anderem die Onlineshops für das Waschhaus oder den Club Pirschheide gebaut, er ist der Kopf hinter den Veranstaltungsseiten "Hello Potsdam" und "Potsdam Nights", wie er den PNN sagte. "Ich habe viel IT-Infrastruktur und die Möglichkeit, schnell eine Handelsplattform im Digitalen zu bauen", erklärt er: "Ich möchte dem Handel meine Unterstützung anbieten."

Mittagsverpflegung für Kinder zum bestellen

Der erste Anbieter auf der neuen Seite ist "Die Karlotte" aus Bornstedt, die normalerweise Kindertagespflegestellen und Tagesgruppen in und um Bornstedt mit Mittagessen versorgt. Über potsdamliefert.de können Eltern nun Speisen nach hause bestellen, für 3,50 Euro pro Gericht. Spätzle mit Champignon-Möhren-Pfanne steht in dieser Woche auf dem Plan, oder Nudel-Gemüsepfanne mit Thüringer Bratwurstegröstel. Für Eltern sei die Betreuung der Kinder zuhause eine echte Herausforderung, auch wenn es um die Zubereitung von täglichem Mittagstisch geht, sagt Marian Menzel.

Die "Karlotte" ist der Anfang, bald werden auf der Seite noch weitere Potsdamer Unternehmen und Gastronomen auftauchen. Er sei mit der Bar Fritz'n im Gespräch, dem Craftbeerladen Bierlese, dem vietnamesischen Streetfood-Restaurant Le's Cyclo, dem Craddock, der italienischen Genusswerkstatt im Filmmuseum, Waikiki Burger und dem Sushi-Restaurant Happy Sumo.

Auch gemeinsame Lieferungen können koordiniert werden

Die Plattform sei aber nicht nur auf Speisen und Getränke beschränkt. "Das soll ein Online-Shop für die Stadt werden", sagt Marian Menzel. So sei er beispielsweise auch mit einem Floristen im Gespräch, der dann Blumensträuße versenden könnte. "Letztendlich kann ich jeden aufnehmen, der in der Lage ist, eine Abholung oder einen Versand anzubieten", sagt er. Wenn sich das Angebot herumspricht und gut angenommen wird, könnten Händler über die Seite auch Lieferungen in gemeinsamen Fahrzeugen koordinieren, um nochmal Kosten zu sparen. "Vor allem die Geschäfte brauchen jetzt jeden Cent", sagt Menzel.

Für die Unternehmen bietet er den Dienst kostenlos an, lediglich die fünf Prozent Transaktionsgebühren pro Bestellung, die von den Zahldienstleistern wie Pay Pal oder Amazon Pay erhoben werden, reicht er weiter. "Es gibt keine Grundgebühr, keine Werbungskosten - ich möchte nur nicht auf meinen eigenen Kosten sitzenbleiben", sagt er. Wieso Marian Menzel das Angebot macht, obwohl er damit nichts verdient? "Um den Handel zu stärken und am Leben zu erhalten", erklärt er. "Ich lebe selbst seit Jahren von dem Handel." Sein erstes Projekt sei der Aufbau eines Online-Shops für den Gartenmarktkette Pflanzen Kölle gewesen, erzählt er. 2016 schloss Menzel sein Studium Onlinemedien mit Schwerpunkt Online-Handel ab.

Eine Party am Smartphone für bis zu 100 Gäste

Die Coronakrise fördere die Digitalisierung ungemein, ist seine Beobachtung. Darüber geredet werde seit Jahren, "jetzt findet das endlich Gehör". Nun würden auch kleine Einzelhändler die Möglichkeiten nutzen. Auch für den Schulbereich wünscht Menzel sich dringend mehr digitale Angebote.

Und auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen. Für Samstag plant Marian Menzel eine erste Online-Homeparty. Unter dem Motto "Alone Together" soll "Potsdams Phirst Pandemic Phone Party" um 20 Uhr starten. Zum Einsatz kommt eine Telekonferenz-Software, erklärt der Unternehmer: "Wir nutzen das im Businessbereich ganz viel." Bei der Party kann jeder über sein Smartphone von zuhause aus in einen gemeinsamen virtuellen Raum eintreten, in dem jeder jeden sieht und man miteinander chatten und sich unterhalten kann. Es wird Musik geben, für Drinks muss jeder selbst zuhause sorgen. Teilnehmen können maximal 100 Gäste, über die Facebook-Veranstaltungsseite kann man sich anmelden und bekommt dann den Link zum Einwählen. "Wir werden jeden rausschmeißen, der mit mehr als zwei Leuten vor dem Handy sitzt", macht er auch klar. Das Angebot soll die gebotene soziale Distanzierung in der Coronakrise schließlich nicht zunichte machen.


Kontakt zu Marian Menzel über Telefon (0331) 900 88 661, 0173 49 85 931 oder [email protected]

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