• Kontrollen im Potsdamer Welterbe: Mehr Wachpersonal zum Schutz der Schlossparks
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Kontrollen im Potsdamer Welterbe : Mehr Wachpersonal zum Schutz der Schlossparks

Die Schlösserstiftung will zum Schutz ihrer Potsdamer Unesco-Parks mehr Wachpersonal einstellen. Auch beim jetzigen Winterwetter zeigt sich aus Sicht der Welterbehüter, wie wichtig zusätzliche Kontrollen wären.

Nicht jeder hält sich an das Rodelverbot der Stiftung im Park Sanssouci
Nicht jeder hält sich an das Rodelverbot der Stiftung im Park SanssouciFoto: Andreas Klaer

Potsdam - Nach Jahren mit immer mehr Schlagzeilen über Vandalismus und Müllmassen in den Potsdamer Unesco-Welterbeparks will die Schlösserstiftung in der anstehenden Freiluftsaison verstärkt zusätzliche Ordnungskräfte einsetzen. Das sagte Frank Kallensee, der Sprecher der Stiftung, den PNN jetzt auf Anfrage. „Sie sind befugt, Verstöße gegen die Parkordnung mit entsprechenden Verwarngeldern zu ahnden.“

Eierberge vor Sanssouci mit Flatterband gesperrt

Wie nötig das aus Sicht der Stiftungsspitze um Generaldirektor Christoph Vogtherr ist, zeigt auch das aktuelle Winterwetter und damit verbundene Verstöße gegen die Regeln in den Parks, die aus Sicht ihrer Hüter „ein Gartenkunstwerk von Weltrang“ darstellen. So hatte die Stiftung vor wenigen Tagen angesichts des vielen Schnees auch auf das schon lange bestehende Rodelverbot zum Schutz ihrer Anlagen und der Grasnarbe hingewiesen, woran sich augenscheinlich aber viele Potsdamer eben nicht halten. Am Freitag ließ die Stiftung dann die sogenannten Eierberge am Schloss Sanssouci mit Flatterband sperren, wie Sprecher Kallensee bestätigte.

Auch das Rodeln am Ruinenberg ist aus Sicht der Stiftung eigentlich verboten
Auch das Rodeln am Ruinenberg ist aus Sicht der Stiftung eigentlich verbotenFoto: Andreas Klaer

Dieses Verbot erfolge auch aus Sicherheitsgründen, weil die Schlitten dort zu hohe Geschwindigkeiten erreichen könnten. Problematisch sei das Rodeln aber zum Beispiel auch an Hängen im Park Babelsberg, gerade bei wenig Schnee würden darunter befindliche Vegetationsschichten geschädigt, was wiederum die Erosion im Sommer begünstige.

Rodeln schon lange verboten

So seien Aktivitäten wie Rodeln, Skifahren oder Eislaufen auch immer schon Verstöße gegen die Parkordnung, die durch die Ordnungskräfte der Stiftung mit Verwarngeldern zwischen 5 und 55 Euro geahndet werden könnten. Dabei orientiere man sich am Bußgeldkatalog des Potsdamer Ordnungsamts. Auf Seen in den Parks würden Schlittschuhläufer zum Beispiel auch die Ufervegetation schädigen und auch Ruhezonen für freilebende Tiere stören. Am Samstag meldete die Stadtverwaltung, im Park Babelsberg auf dem Kindermannsee hätten auch Mitarbeiter des Ordnungsamts auch Eishockeyspielern ihre Aktivität untersagt. "Bei Eishockey handelt es sich um einen Kontaktsport." In der Folge gab es laut Stiftung  verstärkt Kontrollen.
Solche und andere Verstöße sollen in der nächsten Freiluftsaison mit extra Personal geahndet werden. Gegebenenfalls seien auch Schwerpunktkontrollen mit der hauseigenen Fridericus-Servicegesellschaft (FSG) geplant, sagte Kallensee. Genaue Zahlen, wie stark das Sicherheitspersonal aufgestockt werden soll, nannte Kallensee noch nicht. Das könne man erst nach den Bewerbungsverfahren für die Stellen tun. Derzeit gibt es 2,5 Stellen für Ordnungskräfte – „hier soll signifikant aufgestockt werden“. Dazu kommt das FSG-Personal, dort geht es ebenfalls um drei Wachmänner: „Auch hier wird aufgestockt“.

Mit Flatterband versucht die Stiftung das Rodeln im Park Sanssouci zu unterbinden.
Mit Flatterband versucht die Stiftung das Rodeln im Park Sanssouci zu unterbinden.Foto: Andreas Klaer

Nachts soll man nicht mehr so leicht in die Parks kommen

Dazu sollen die Parks in den Nächten schlechter zugänglich sein – nach diversen aufgelösten Partys im vergangenen Sommer, gerade im Babelsberger Park. Hier solle die „Verschließbarkeit der Park- und Gartenanlagen in den Nachtstunden weiter optimiert werden, um die Schadensfälle in diesen einzigartigen Garten- und Naturräumen zu reduzieren“, kündigte der Stiftungssprecher an. So sind bekanntlich auch das Sonnen und Baden außerhalb der ausgeschilderten Liegewiesen verboten. Die einzig offiziell ausgewiesene Badestelle im Neuen Garten bleibe aber erhalten, sagte Kallensee.

"Die Appelle blieben ungehört"

Die Verschärfungen begründete der Stiftungssprecher mit dem vermehrten Vandalismus der vergangenen Jahre. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten habe die Potsdamer:innen „immer wieder auf die Zustände in ihren Parkanlagen hingewiesen und entsprechend um rücksichtsvolles Verhalten gebeten“, sagte Kallensee. Solche Appelle seien aber bislang ungehört verhallt. „Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen bitten wir um Verständnis – aber die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher findet dort ihre Grenze, wo der historische Bestand gefährdet wird. Diese Grenze wurde und wird inzwischen vielfach überschritten“, bedauerte Kallensee.

Solche Müllmassen hatte die Stiftung im Sommer im Neuen Garten gefunden
Solche Müllmassen hatte die Stiftung im Sommer im Neuen Garten gefundenFoto: Schlösserstiftung

Hoher Sachschaden

Viele Schäden – zum Beispiel durch Graffiti, Müll oder zerstörte Bänke – müssten im laufenden Pflegebetrieb behoben werden. Für die Wiederherstellung von zum Beispiel zerstörten Uferarealen am Heiligen See oder am Tiefen See bedürfe es längerer Planungsvorläufe und vor allem entsprechender Finanzmittel. Die jährlichen Schadenssummen lassen sich laut Kallensee für den Park Sanssouci mit 148.000 Euro, für den Neuen Garten mit zuletzt rund 276.000 Euro und für den Park Babelsberg mit 990.000 Euro beziffern.

Eine lange Debatte

Seit Jahren wird schon über die Folgen von Radfahren, Baden, Grillen und Picknicken in den Welterbeparks debattiert. Denn einmal steigt in der wachsenden Stadt auch die Zahl der Menschen, die ihre Freizeit im Freien verbringen wollen – andererseits waren beliebte Grünflächen in den vergangenen Jahren geschrumpft, etwa im kostenpflichtigen Volkspark im Bornstedter Feld. Zugleich muss die Stiftung seit Jahren mit den immer gravierenderen Folgen des menschengemachten Klimawandels kämpfen.

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