Potsdam : Konfrontation mit Neonazis

Moderatorin Mo Asumang stellt Film vor.

Keine Scheu. Moderatorin Mo Asumang hat Neonazis interviewt.
Keine Scheu. Moderatorin Mo Asumang hat Neonazis interviewt.Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Was passiert, wenn eine schwarze Frau einen strammen Neonazi interviewt? Sie bekommt Sätze an den Kopf wie diesen: „Ihr Vater hat die Gene ihrer Mutter entführt, um seine eigenen Gene zu veredeln, um seine Rasse aufzuwerten“, sagt Tom Metzger der afrodeutschen Moderatorin und Filmemacherin Mo Asumang ins Gesicht. Der einflussreiche amerikanische Neonazi mit dem Cowboyhut ist nur einer von vielen Rechtsextremen, die sich selbst „Arier“ nennen, und deshalb von Asumang für die Dokumentation „Mo und die Arier“ interviewt wurden.

Am Donnerstag stellte Asumang den Film und das gleichnamige Buch vor rund 100 Besuchern in der Potsdamer „Heinrich von Kleist“-Schule vor. Die Tochter einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters wurde 1963 in Kassel geboren und war Deutschlands erste afrodeutsche TV-Moderatorin („Liebe Sünde“).

Die Morddrohung der Neonaziband „White Aryan Rebels“ hatte sie dazu gebracht, sich mit dem Thema zu beschäftigen: „Die Kugel ist für dich, Mo Asumang!“, heißt es in einem Song der Band. „Das zog mir den Boden unter den Füßen weg“, liest Asumang aus dem ersten Kapitel ihres Buches, in dem sie schildert, dass sie sich manchmal kaum nach Hause traute, aus Angst, überfallen zu werden.

„Ich musste diese Leute greifen und mit ihnen sprechen, um diese Angst los zu werden“, sagt Asumang. Im Film ist zu sehen, wie sie auf der Demo „Junge Nationale“ in Wismar versucht, mit den Teilnehmern ins Gespräch zu kommen: „Wogegen demonstrieren Sie hier?“, fragt Asumang freundlich. „Geht dich einen Scheiß an, geh nach Afrika!“, lautet die Reaktion. Auch Gespräche mit dem Rechtsesoteriker Axel Stoll, Burschenschaftlern oder dem NPD-Politiker Ronny Zasowk fördern allerhand rassistische Denkmuster zu Tage.

Oft schafft es Asumang, die Absurdität des Weltbildes ihrer Gegenüber zu entlarven, etwa als sie ein Ku-Klux-Klan-Mitglied fragt, was der Klan eigentlich bei seinen nächtlichen Treffen tue? „Wir zünden ein Kreuz für Jesus Christus an“, so die Antwort. „Aber Jesus liebt doch auch Schwarze?“ Schweigen. „Ich war vermutlich die Erste, die ihm diese Frage gestellt hat“, sagt Asumang. „Solche Fragen müssen von außen kommen, sonst können sich diese Leute nicht verändern.“

Letztlich habe sie durch die Gespräche einen Teil ihrer Angst verloren. „Wenn ich nur denke: ‚Scheiß Nazi!’, dann wird sich nichts verändern. Wenn man solchen Leuten auf der Straße begegnet, muss man versuchen, mit ihnen zu reden.“ Diskutieren helfe aber nichts, so Asumang: „Ich versuche, Neonazis durch einfache Fragen in eine Reflektion zu treiben, dann werden die manchmal wach.“

Asumang bekommt den zunehmenden Rechtsruck seit dem Aufstieg der AfD zu spüren: „Man sieht es vielen heute äußerlich nicht mehr an, dass sie Nazis sind“, sagt sie. „Aber die bösen Blicke, die mir zugeworfen werden, sind mehr geworden. Die gibt es jetzt richtig viel.“