• Potsdams Bergmann-Klinikum soll Krankenhaus der Zukunft werden

Kommunales Klinikum in Potsdam : Bergmann soll Krankenhaus der Zukunft werden

Mithilfe der Hasso-Plattner-Stiftung soll das kommunale Bergmann-Klinikum in Potsdam zum Vorzeigehaus in Sachen Digitalisierung werden. Die Kommunalpolitik zeigt sich hocherfreut.

Das Bergmann-Klinikum.
Das Bergmann-Klinikum.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Das in den vergangenen Monaten in schwere Turbulenzen geratene kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ erhält eine wichtige Zukunftschance. Es könnte mit Hilfe von Potsdam-Mäzen und Softwaremilliardär Hasso Plattner ein bundesweites Vorzeigekrankenhaus in Sachen Digitalisierung werden. Die Pläne dazu hat Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Mittwochabend dem Hauptausschuss der Stadtverordneten bei einer digitalen Sitzung des Gremiums vorgestellt. „Das ist eine einmalige Chance für die Weiterentwicklung unseres Krankenhauses“, so Schubert. Diese Entscheidung habe eine große Tragweite für die kommenden Jahre.

"Next Generation Hospital"

Demnach wird das Klinikum ein Partner im Projekt „Next Generation Hospital“ der Plattner-Stiftung. So sollen Themen wie die Echtzeitanalyse von Gesundheitsdaten, die Nutzung von künstlicher Intelligenz sowie neue Prozess- und Arbeitsabläufe entwickelt und künftig an klinischen Standorten umgesetzt werden. Schubert sagte, von den Ergebnissen des zunächst für rund ein Jahr angelegten Projekts könnten Mitarbeiter und Patienten des Klinikums im Alltag profitieren.

Der Unternehmer und Potsdam-Mäzen Hasso Plattner.
Der Unternehmer und Potsdam-Mäzen Hasso Plattner.Foto: Sören Stache / dpa

Die Liste der Partner ist hochkarätig. Mit im Boot sind unter anderem Plattners Softwarefirma SAP und sein in Potsdam ansässiges Hasso-Plattner-Institut (HPI), dazu der Konzern Siemens und dessen Gesundheitszweig, aber auch das Bundesgesundheitsministerium. Beteiligt sind auch die Charité in Berlin und das Uni-Klinikum in Heidelberg, sowie das Mount Sinai Hospital in New York, eines der ältesten und renommiertesten Krankenhäuser der Vereinigten Staaten. Demnach wäre das Bergmann-Klinikum deutschlandweit das einzige teilnehmende kommunale Krankenhaus.

Hochkarätige Projektpartner

Projektleiter Moritz Matthey sagte im Ausschuss, für die Plattner-Foundation sei es bei der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems ein zentrales Anliegen, die Bedürfnisse der Bürger in den Mittelpunkt zu rücken. Unter anderem wolle man auf Erkenntnisse des in Babelsberg ansässigen Hasso-Plattner-Instituts zurückgreifen, das seit 2017 einen eigenen Zweig für digitale Gesundheit betreibt. So könne sich das Klinikum als „digitales Leuchtturmkrankenhaus“ positionieren.

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Schubert sagte, das Vorhaben zeige das Potential für Wissenstransfer am Forschungsstandort Potsdam. Die Zusammenarbeit mit der Plattner-Stiftung, die in Potsdam unter anderem auch das frühere Terrassenrestaurant „Minsk“ zu einem Museum für zeitgenössische Kunst der DDR umbaut und das Kunstmuseum Barberini betreibt, habe sich Ende des vergangenen Jahres im Rahmen des regelmäßigen Austauschs ergeben. Damals ging es bekanntlich schon um die gestartete Neustrukturierung des Klinikums.

Das Klinikum wird momentan neu aufgestellt

Das kommunale Gesundheitsunternehmen hat ein schweres Jahr hinter sich. Zu Beginn der Pandemie machte es mit einem schweren Corona-Ausbruch bundesweit Schlagzeilen. Eine dazu eingesetzte unabhängigen Expertenkommission unter der früheren Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) empfahl als Konsequenz einen strukturellen Neuanfang. Auch hatten die Stadtverordneten für das Haus die Rückkehr zum Tarif des öffentlichen Dienstes beschlossen. Die entstehenden Millionenverluste will die Stadt aus ihrem Haushalt begleichen. Schubert sagte, mit dem Prozess der Neuausrichtung – auch ein Neubau ist bekanntlich im Gespräch – könnten „Innovationen und digitale Ansätze von vornherein in den Klinikbetrieb integriert werden“. Daher solle das Projekt auch in die geplanten Workshops zur Zukunft des Klinikums integriert werden, so Schubert.

Das Mount Sinai Hospital in New York, USA.
Das Mount Sinai Hospital in New York, USA.Foto: EPA/Andrew Gombert/dpa

Darüber hinaus biete das Projekt die Chance, „ein hochkarätiges Netzwerk an Experten für Digitalisierung, Innovation und Forschung im Gesundheitsbereich zu bilden und dieses zum langfristigen Erfahrungsaustausch zu nutzen“, teilte das Rathaus in einer Erklärung mit. Digitale Gesundheitslösungen könnten auch die Qualität der medizinischen Versorgung steigern und Freiräume für das Personal für die Arbeit mit Kranken schaffen. Klinikumschef Hans-Ulrich Schmidt sagte, digitale Anwendungen seien für die dauerhafte Zukunftsfähigkeit des Standorts wichtig. So könne man Wartezeiten digital so steuern, dass sie quasi nicht existent seien – das spare Arbeitszeit und schone die Patienten. Das Plattner-Projekt sei „eine riesen Chance für uns und für Potsdam und bietet eine Zukunftsperspektive für unser Haus“, so Schmidt.

Kommunalpolitiker reagieren begeistert

Projektleiter Matthey sagte, es gehe auch um die Entwicklung von Pilotprojekten, die am Klinikum erprobt und dann als Modell für andere Krankenhäuser dienen könnten. Solche Planungsprozesse könnten auch helfen, zum Beispiel bei Neubauten weitere Zusatzkosten zu sparen. Es gebe nun die Gelegenheit, „das Krankenhaus der Zukunft von Grund auf neu zu denken und in einem konkreten Projekt umzusetzen“. Über konkrete Finanzmittel im Zusammenhang mit dem Projekt wurde zunächst nichts bekannt; die Kosten trägt jedoch allein die Plattner-Foundation, von Stadt und Klinikum benötige man nur die Zusage, am Projekt teilzunehmen, so Matthey.

Die Reaktionen bei Potsdams Kommunalpolitikern waren fast euphorisch. So sagte CDU-Oppositionschef Götz Friederich, dieses Vorhaben könne ein Gewinn für alle sein, er sei sehr beeindruckt. Der Linken-Stadtverordnete Hans-Jürgen Scharfenberg sagte, in der Krise hätten andere Städte keine solchen Chancen. Dies könne ein Leuchtturmprojekt für Brandenburg werden, meinte SPD-Fraktionschef Daniel Keller, der auch der Sprecher für Gesundheitspolitik der Sozialdemokraten im Landtag ist. Wichtig sei das auch mit Blick auf das Anwerben von Spitzenpersonal.

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