• Kommentar zur Garnisonkirche in Potsdam: Die Strategie des Oberbürgermeisters könnte aufgehen

Kommentar zur Garnisonkirche in Potsdam : Die Strategie des Oberbürgermeisters könnte aufgehen

Wer im Garnisonkirchen-Streit vermitteln will, muss einen möglichst breiten Konsens finden. Oberbürgermeister Mike Schubert ist da auf einem guten Weg. Ein Kommentar.

Die Garnisonkirche soll in der Breiten Straße wiederaufgebaut werden.
Die Garnisonkirche soll in der Breiten Straße wiederaufgebaut werden.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Potsdam - Die Reaktionen auf die am Freitagabend publik gewordene Ankündigung von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), zunächst nicht mehr das Kuratorium der Garnisonkirche zu besuchen, fielen am Wochenende erwartbar aus. In den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke schienen die Gegner zufrieden, die Anhänger des Baus wirkten pikiert – verständlich nach all den Jahren, in denen Schuberts Vorgänger Jann Jakobs (SPD) das umstrittene Projekt sehr wohlwollend behandelte. 

PNN-Redakteur Henri Kramer.
PNN-Redakteur Henri Kramer.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Schubert aber setzte schon in seinem Wahlkampf andere Akzente: Er wolle „durch Vermittlung dazu beitragen, dass der Turm der Garnisonkirche ein Ort der Versöhnung wird“. Gemeinsam mit Befürwortern und Gegnern wolle er darüber reden, wie dies ein Ort wird, „an dem unmissverständlich deutlich wird, was wir aus unserer wechselhaften Geschichte humanistisch gelernt haben und wie dort erinnert und gedacht werden kann“. Insofern ist sein Schritt, laut Schubert abgestimmt mit den Chefs aller Fraktionen im Stadtparlament außer der AfD, nachvollziehbar. 

Schuberts Kuratoriums-Pause ist nötig

Nach der Kommunalwahl will Schubert mit der dann neu zusammengesetzten Stadtverordnetenversammlung ausloten, wie sich Potsdam künftig zu dem Projekt verhält und wie „Auftrag, Rolle und Aufgabe des Vertreters der Stadt im Kuratorium“ sein sollen. Es ist also kein Abschied für immer, sondern nur eine Pause, eine nötige. Denn bisher ist das Projekt Garnisonkirche vor allem durch kirchliche Versöhnungsarbeit geprägt, was sinnvoll ist – aber ein wichtiger Teil der Stadtgesellschaft steht dem Vorhaben erkennbar reserviert gegenüber, zum Teil feindselig. 

Wer daran etwas ändern will, muss zumindest im gewählten Stadtparlament einen möglichst breiten Konsens finden. Schubert deutet einen Weg an: Der Turm als Ort, auch zur Auseinandersetzung mit der noch mit blinden Flecken versehenen Zeit des Nationalsozialismus in Potsdam.