Potsdam : Kolloquium für Reinhard Brühl

Dem 80. Geburtstag des Potsdamer Militärhistorikers Reinhard Brühl war gestern Nachmittag im Alten Rathaus das Kolloquium „Militärgeschichte als Erfahrung - Militärgeschichte als Instrument“ gewidmet. Zu der Veranstaltung trugen unter anderem der Niederländer Kees Schulten, ehemaliger Präsident der Internationalen Kommission für Militärgeschichte, und Prof. Beatrice Heuser, Forschungsdirektorin des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) der Bundeswehr mit Vorträgen bei. Dies verdeutliche, dass sich der langjährige Leiter des Institutes für Militärgeschichte der DDR mit seinen Forschungen und Veröffentlichungen trotz der Dominanz durch die SED-Ideologie internationales Ansehen erworben hat. Darauf wies in seiner Laudatio der Potsdamer Historiker Prof. Kurt Finker hin. Brühl selbst mache keinen Hehl daraus, dass er der marxistisch-leninistischen Weltanschauung verhaftet war und ist. Dennoch habe er gefordert, in der Geschichtsschreibung von den Fakten und nicht von ideologischen Verallgemeinerungen auszugehen. Der 1924 in Chemnitz geborene Reinhard Brühl hatte sich 1940 freiwillig zur Wehrmacht gemeldet und es dort bereits als 20-Jähriger zum Leutnant gebracht. In sowjetischer Kriegsgefangenschaft wurde er Mitglied des antifaschistischen Bundes der Offiziere. 1950 trat Brühl in die SED und die (Kaserniere) Volkspolizei ein. Er lehrte an den Polizeischulen in Torgau und Treptow. 1958 übernahm er den Lehrstuhl für Geschichte an der Militärakademie in Dresden. Von 1961 bis 1989 war er Direktor des Militärgeschichtlichen Institutes der DDR in Potsdam. Am 7. Oktober 1979 wurde er zum Generalmajor befördert. Seine akademischen Grade erwarb Brühl im Fernstudium. Zu den Veröffentlichungen des Jubilars zählen ein Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte und eine Geschichte der NVA unter dem Titel „Armee für Frieden und Sozialismus“. Ende 1989 war Brühl Mitunterzeichner des Aufrufs „Für unser Land“, mit dem Intellektuelle die DDR als Staat erhalten und sie auf den Weg des „demokratischen Sozialismus“ führen wollten. E.Hoh